Boni machen nicht glücklich: Voller Bonustopf, unmotivierte Mitarbeiter
Aktualisiert

Boni machen nicht glücklichVoller Bonustopf, unmotivierte Mitarbeiter

Der stark gewachsene Bonustopf der UBS dürfte die Motivation der Mitarbeiter nur kurzfristig befeuern. Denn hohe Boni machten nur bedingt glücklicher, sagt eine Soziologin.

von
Yves Hollenstein

Zurzeit läuft sie gerade: die Bonus-Saison. Traditionell wird Anfang des Jahres in den Chefetagen über die Höhe der Bonuszahlungen entschieden. Aktuell die UBS: Ihr Bonustopf füllte sich gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken. Aber auch in anderen Branchen machen hohe Managergehälter wieder Schlagzeilen. So erhielt Novartis-Chef Joseph Jimenez für 2013 eine Gesamtvergütung von 13,2 Millionen Franken. Andere Firmenbosse verzichten hingegen ganz oder teilweise auf ihren Bonus (siehe Bildergalerie).

«Wer zu sehr auf den Bonus fixiert ist, wird auf Dauer unglücklich», sagt Katja Rost, Professorin für Wirtschaftssoziologie an der Universität Zürich. Sie definiert Zufriedenheit im Job über eine erfüllende Aufgabe, Zusammengehörigkeitsgefühl und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Und genau diese Faktoren würden durch eine bonusgetriebene Lohnpolitik ausgehebelt.

Reines Bonusdenken

Das Bonus-System kommt ursprünglich aus der Fliessband- oder Akkordarbeit: Wer mehr schraubt oder mehr mauert, wird besser bezahlt. Das funktioniert dort sehr gut, weil vorwiegend einfache Arbeiten ausgeführt werden. Übertragen auf beispielsweise die Finanzbranche, ergebe dies jedoch wenig Sinn, sagt Rost.

«Weil ein Bonus an klare Leistungs- und Zielvorgaben gekoppelt ist, geht dadurch die Freude an der eigentlichen Aufgabe verloren.» Als Beispiel nennt Rost einen Kundenberater, der 100 Verträge abschliessen müsse, um den Bonus zu erhalten. Die Freude am Beruf stehe somit nicht mehr im Vordergrund. «Stattdessen wird er sich jetzt hauptsächlich damit beschäftigen, sein Bonusziel zu erreichen – nämlich Verträge abzuschliessen», so die Professorin.

Dazu entsteht durch das Bonusdenken auch ein Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern – man will ja besser sein als die anderen, um mehr Bonus zu erhalten. Dadurch leidet das Arbeitsklima und allfällige Überstunden führen bei vielen Bonusempfängern zu einer Verschlechterung der Work-Life-Balance.

Höhere Boni nur kurzfristig wirksam

Da hilft es auch nichts, wenn die Boni laufend erhöht werden. Laut Andreas Staub vom Beratungsunternehmen Fehr Advice hat dies nur einen geringen Einfluss auf die Motivation: «Wenn ein UBS-Manager jetzt drei statt zwei Millionen Franken Bonus bekommt, ist er dadurch höchstens kurzfristig motivierter.»

Dazu komme der Druck von aussen. Topmanager mit hohen Boni stehen per se in der öffentlichen Kritik. Hohe UBS-Boni waren mitunter der Haupttreiber in der öffentlichen Diskussion zur Abzockerinitiative. Laut der UBS ist die jetzige Erhöhung des Bonustopfs eine Rückkehr zur Normalisierung (siehe Box). Für Staub entstehen solche Debatten erst dadurch, dass die Unternehmen nicht offen und transparent ihr Vergütungsmodell kommunizieren. Es müsse einfach nachvollziehbar sein, warum ein Topmanager solch einen hohen Bonus bekomme.

Staub zieht dabei Parallelen zum Sport: «Wenn Roger Federer 50 Millionen Franken Preisgeld (Bonus) bekommt, dann regt sich auch niemand darüber auf.» Denn jeder weiss, welche Leistung zu diesem Extrageld geführt hat. Genauso müsse auch ein Topmanager darlegen können, welche Leistung ihn berechtigt, einen solchen Bonus zu verdienen. Zu hohe Boni seien deshalb nur ein Resultat von schlecht designten Vergütungsmodellen, die man schlecht verstehe, sagt Staub.

Richtige Anreize

Grundsätzlich findet es der Experte richtig, dass gute Leistungen auch mit einem entsprechenden Bonus belohnt werden. Genauso müsse das Vergütungsmodell von Unternehmen aber auch schlechten Leistungen mit einem Malus gegenüber dem Zielgehalt gerecht werden. Das Vergütungsmodell sei ein Steuerungsinstrument, das die richtigen Anreize setzen müsse, sagt Staub.

Noch sind aber immer viele Firmen nicht bereit, ihr Vergütungsmodell entsprechend zu ändern. Hauptanreiz werden weiterhin fette Boni sein, mit dem Versuch, die Mitarbeiter – zumindest kurzfristig – glücklich zu machen.

Bonustopf: UBS kehrt zur «Normalisierung» zurück

Mit einem Bonustopf von 3,2 Milliarden Franken kehrt die UBS nach eigenen Angaben zu einer «Normalisierung» der Zuteilung variabler Vergütungen zurück. 2012 hatte es vor allem für Investmentbanker weniger Boni gegeben, weil die Bank in den Handelsskandal um den Libor-Referenzzinssatz verstrickt gewesen war. Der Pool für variable Vergütungen für 2013 ist grösser als jener für 2012: Die zuzuteilenden Lohnteile erhöhten sich von 2,5 Mia. auf 3,2 Mia. Franken, wie die Bank am Dienstag aufzeigte. Die UBS hat nach eigener Aussage gleichzeitig die Voraussetzungen verschärft, unter denen die Manager und Banker die Boni tatsächlich erhalten. (SDA)

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