Aktualisiert 29.10.2007 08:59

Vollgas statt Ruhestand: Frührentner starten durch

Mit 50 schon langsam auf die Pensionierung warten – diese Zeiten sind vorbei. Zum Glück. Wer sich gezielt auf das letzte Arbeitsdrittel vorbereitet, gehört noch lange nicht zum alten Eisen.

Die Schweiz altert und mit ihr die arbeitende Bevölkerung. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus dem Erwerbsleben aus, die geburtenschwachen Jahrgänge folgen. Dadurch entstehen Lücken: Bereits jetzt schon fehlt in einigen Branchen Personal, und bis ins Jahr 2015 werden generell zu wenig Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Auch über 50-jährige sind wieder gefragt und ihre Stärken wie Erfahrung, fundiertes Wissen und persönliche Stabilität gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das eröffnet Chancen für diejenigen, die vorbereitet sind.

«Arbeitnehmende lassen sich in zwei Lager aufteilen», weiss Berufs- und Laufbahnberater Christoph Dengler. «Da sind einerseits jene, die sich zwischen 40 und 50 mit ihrer beruflichen Laufbahn auseinander gesetzt haben. Sie sind bestens gerüstet.» Es gibt aber auch eine Gruppe von Arbeitnehmenden, die nicht auf die Zukunft vorbereitet ist. Sie werden ängstlich, empfindlich und warten nur noch auf die Pensionierung.

Dabei lässt sich auch mit 50 und mehr noch sehr viel unternehmen: Standortbestimmungskurse liefern eine Analyse der persönlichen und beruflichen Situation. Sie helfen mit, den eigenen Fähigkeiten und Stärken auf den Grund zu gehen. «Sie befassen sich auch mit der Arbeitshaltung, dem Kräftehaushalt sowie dem Lebenskonzept», erklärt Christoph Dengler. Das schafft Klarheit über den Veränderungsspielraum und hilft, die vielfältigen Möglichkeiten, die sich bieten, sinnvoll zu nutzen.

Und wie lebt es sich neben den vermeintlichen «Oldtimern»? KV-Lehrling Luca (19) sagt, dass in seinem Betrieb etwa 25 Prozent über 50-Jährige im Einsatz stünden. «Die Zusammenarbeit ist wie mit allen anderen Mitarbeitenden. Es gibt solche, mit welchen man sich besser versteht, und solche, welche man weniger gut mag». Jedenfalls schätzt Luca den Beistand der «Oldies», «weil sie in jeder Situation wissen, wie man reagieren soll».

Hugo * (Name von der Redaktion geändert) unterrichtet als Mittdreissiger an einer Privatschule. Viele seiner Kollegen sind älter als er, stehen der Pensionierung schon relativ nahe. Mit ihnen zusammenzuarbeiten, sei nicht immer einfach, sagt Hugo, «auch wenn unser Verhältnis grundsätzlich gut ist». Wenn es aber um Dinge geht, die Jugendliche von heute beschäftigen (sexy Kleidung, Küssen auf dem Pausenplatz), hat die ältere Lehrergeneration Mühe, eine gewisse, von Lockerheit geprägte Haltung anzunehmen, wie Hugo festgestellt hat. Er sagt, die Schule könne sich nicht allen gesellschaftlichen Veränderungen verschliessen, sieht aber auch ein, dass ein dezent gelebter Konservatismus wahrscheinlich auch nicht die schlechteste Option sei – zumal in der heutigen, sehr schnelllebigen Zeit auch nicht alles Gold ist, was glänzt!

Othmar Bertolosi und Gabriel Aeschbacher

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