Waffenabgabe: Vom Bajonett bis zur Artilleriegranate
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WaffenabgabeVom Bajonett bis zur Artilleriegranate

Wegen der Anpassung an Schengen-Recht dürfen keine unregistrierten Waffen mehr in Privathaushalten stehen. 14 775 Waffen haben Schweizer bisher freiwillig zum Schreddern gebracht. Das ist nicht ganz ungefährlich: In Basel waren zwei Dutzend Schusswaffen bei der Abgabe noch geladen.

Am meisten Waffen landen im Kanton Luzern im Schredder. 3483 Waffen und 700 Kilogramm Munition haben Private an einer Sammelaktion freiwillig abgegeben, wie aus einer Statistik des Bundesamts für Polizei (fedpol) hervorgeht. Am meisten Munition kam im Kanton Bern zusammen: 1800 Kilogramm.

Viele Abgabeaktionen in den letzten Monaten

Wie Luzern haben die meisten Kantone in den letzten Monaten Abgabeaktionen durchgeführt. Dabei sind bisher 14'775 Waffen zusammengekommen, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur SDA aufgrund von fedpol-Daten und kantonalen Mitteilungen zeigt. Wie viele Waffen ausserhalb der Abgabeaktionen zusammengekommen sind, wurde nicht erfasst.

Was Schweizerinnen und Schweizer aus ihren Estrichen, Schränken und unter Betten hervorkramten, liess manch einem Polizisten an der Abgabestelle die Haare zu Berge stehen. So waren rund zwei Dutzend Schusswaffen noch geladen, als sie in Basel zur Sammelstelle gebracht wurden, und in Schaffhausen landete eine Artilleriegranate aus dem Jahr 1916 im Sammelgut.

Im Appenzellischen stiessen die Polizisten auf Minenwerfergeschosse und in Glarus auf einen Degen, der als Spazierstock getarnt war. Die Mehrheit der Waffen stammt jedoch aus der Schweizer Armee: Karabiner, Bajonette, Sturmgewehre. Darunter auch Raritäten, die im Zweiten Weltkrieg von deutschen und US- Soldaten verwendet wurden.

13 819 Waffen wurden nachgemeldet

Die Sammelaktionen gehen auf eine Anpassung an Schengen-Recht zurück. Seit Inkrafttreten des revidierten Waffenrechts am 12. Dezember 2008 fällt nicht nur der Erwerb, sondern auch der Besitz unter die Waffengesetzgebung. Bis zum 11. Dezember haben Waffenbesitzer nun Zeit, ihre Waffen straffrei abzugeben oder registrieren zu lassen.

Ausgenommen sind Waffen, die bei einem patentierten Waffenhändler gekauft wurden. Das gilt vor allem für Ordonanzwaffen, Sport- und Jagdgewehre sowie Kaninchentöter. Als Waffen gelten laut Gesetz nicht nur Schusswaffen, sondern beispielsweise auch gewisse Messer, Schlagstöcke und Elektroschockgeräte.

Laut Fedpol wurden im ersten Halbjahr 2009 landesweit 13 819 Waffen nachgemeldet. Wie viele Waffen es gesamthaft gibt in der Schweiz ist nicht bekannt, da kein zentrales Waffenregister existiert. Schätzungen gehen von einer bis drei Millionen aus.

Weitere Sammeltage finden Ende Oktober in Appenzell Innerrhoden und im Thurgau statt, und auch Zürich führt bis im Dezember drei zusätzliche Aktionen durch. Die Kantone Basellandschaft und Schwyz, welche die Bevölkerung bisher nicht zu Aktionstagen aufgerufen haben, betonen, dass sie Waffen von Privaten jederzeit entgegennehmen.

(sda)

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