Lehrerin im Vollrausch: Vom Burnout zum gefährlichen Blackout
Aktualisiert

Lehrerin im VollrauschVom Burnout zum gefährlichen Blackout

Eine Zürcher Lehrerin hat ihr berufliches Burnout - sie wurde von Schülern «fertiggemacht» - im Alkohol ersäuft. Mit gefährlichen Folgen, da die Frau im Vollrausch innert zehn Minuten zwei Unfälle baute und eine Automobilistin erheblich verletzte.

von
Attila Szenogrady

«Ich schäme mich», erklärte die erfahrene Lehrerin am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Nur ungern erinnerte sie sich an den 31. Oktober 2007 zurück. Damals hielt sie sich einen ganzen Nachmittag lang in einem Zürcher Restaurant auf. Neben Prosecco trank sie auch Rotwein.

Zudem schluckte sie wegen ihres beruflichen Burnouts Psychopharmaka. Als die Pädagogin am frühen Abend mit ihrem Personenwagen der Marke Mercedes den Heimweg antrat, hatte sie die beachtliche Menge von 2,53 Promille Alkohol (!) im Blut.

Unfall nach Unfall

An die Wahnfahrt konnte sich die Angeklagte vor Gericht fast nicht mehr erinnern. Sie machte ein «Blackout» geltend. Fest steht, dass sie in Zürich-Altstetten an der Rautistrasse den ersten Unfall baute. Vor einem Rotlicht kollidierte sie mit einem vor ihr stehenden Personenwagen. Obwohl kein sichtbarer Sachschaden entstanden war, verlangte der unschuldige Lenker den Beizug der Polizei. Was die Blaufahrerin ablehnte und die Fahrt einfach fortsetzte.

Doch nicht für lange. Rund zehn Minuten später krachte sie erneut in ein vor ihr befindliches Fahrzeug hinein. Diesmal vor einem Rotlicht in Uitikon/Waldegg. Wobei sich die geschädigte Automobilistin – auch eine Mercedes-Lenkerin - einen Nasenbeinbruch, eine Hirnerschütterung, Prellungen an Kopf und Körper zuzog. Am Fahrzeug des Opfers entstand Totalschaden. Zudem wurde auch noch ein drittes Auto beschädigt.

Milde gestimmter Staatsanwalt

Die am Fuss verletzte Lehrerin hatte in der Folge Glück im Unglück. So begegnete sie bereits während der Untersuchung einem milde gestimmten Staatsanwalt.

So verzichtete dieser auf eine unbedingte Geldstrafe. Obwohl die rückfällige Blaufahrerin eine einschlägige Vorstrafe vom November 2004 auf dem Kerbholz hatte. Der Strafantrag lautete auf 150 Tagessätze zu 290 Franken bedingt sowie 3000 Franken Busse.

Von schwierigen Schülern fertiggemacht

Vor Gericht nannte die Pädagogin mittleren Alters die Gründe für ihr berufliches Burnout beim Namen. So werde sie von schwierigen Schülern seit Jahren fertiggemacht, erklärte sie.

Sie berichtete von lügenden, kiffenden und schwänzenden Kindern. In einem Fall habe eine Klasse in ihrem Schulzimmer während ihrer Abwesenheit ein Chaos angerichtet. Die Schüler hätten zahlreiche Wertsachen aus dem Fenster geworfen, alle Geräte zerstört und sogar die Pflanzen vergiftet.

Es sei heute alles viel schwieriger als früher. So sei sie heute im Klassenzimmer nicht nur Lehrerin, sondern sollte auch als Erzieherin, Psychologin, Ordnungshüterin, Motivatorin oder sogar Richterin fungieren.

Rücksichtsloses Verhalten

Das Gericht kam zu einem vollen Schuldspruch und sprach in seinem Urteil von einem rücksichtslosen Verhalten der Angeklagten. Sie erhielt wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 250 Franken, also insgesamt 37 500 Franken, sowie eine zu bezahlende Busse von 2500 Franken.

Das Gericht setzte wegen des gravierenden Verschuldens eine maximale Probezeit von fünf Jahren fest. Zudem soll die Lehrerin selber wieder auf die Schülerbank. Beim Lernprogramm für alkoholauffällige Verkehrsteilnehmer.

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