Sadiq Khan: Vom Busfahrersohn zum Bürgermeister
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Sadiq KhanVom Busfahrersohn zum Bürgermeister

Sadiq Khan von der linken Labour-Partei ist Sohn eines Busfahrers aus Pakistan und linker Muslim. Die Karriere von Londons neuem Bürgermeister ähnelt einem Märchen.

von
afo

Während der Tory-Kandidat Zac Goldsmith als Sohn eines Finanzinvestors in Londons Geldadel hineingeboren wurde, haftet Khans Aufstiegsgeschichte etwas Märchenhaftes an: Der Einwanderersohn kämpfte sich von ganz unten nach ganz oben, bis in die obersten Ränge der britischen Politik.

Geboren wurde Khan 1970 in London, seine Eltern waren erst kurz zuvor aus Pakistan eingewandert. Zusammen mit sieben Geschwistern wuchs Khan in einer Sozialwohnung im Multikulti-Stadtteil Tooting auf.

Sein Vater arbeitete als Busfahrer und lenkte – wie Khan immer wieder gerne erzählt – die berühmten roten Doppeldeckerbusse. Khans Mutter war Näherin, einer seiner Brüder wurde Automechaniker.

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Anwalt statt Zahnarzt

Als Khan zur Schule ging, interessierte er sich für Naturwissenschaften und wollte Zahnarzt werden. Ein Lehrer entdeckte aber sein Talent für argumentative Auseinandersetzungen – und überzeugte ihn von einem Jura-Studium.

Nach dem Studium arbeitete Khan drei Jahre als Rechtsanwalt für die britische Menschenrechtsgruppe Liberty. Bereits mit 15 Jahren trat er der Labour-Partei bei, mit Mitte 20 wurde er in den Stadtrat des Londoner Bezirks Wandsworth gewählt, 2005 zog er für den Wahlkreis Tooting ins britische Unterhaus ein. Drei Jahre später wurde er Verkehrsminister – und war damit der erste Muslim in einer britischen Regierung.

Zusammen mit seiner Frau Saadiya, die ebenfalls Anwältin ist, und den beiden Töchtern lebt Khan immer noch in Tooting. Im Wahlkampf hat er dafür geworben, ein Kandidat «für alle Londoner» sein zu wollen – «für Anhänger aller Religionen, für Millionäre, Milliardäre, Busfahrer und Nachwuchsärzte».

«Hoffentlich werde ich der Bürgermeister, der unsere Stadt wieder vereint», sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Extremismus-Vorwurf

Für Empörung bei der Linken sorgte der Versuch von Premierminister David Cameron, Khan in die Nähe von radikalislamischen Extremisten zu rücken. Cameron warf dem Menschenrechtsanwalt vor, mehrere Male an der Seite des muslimischen Predigers Suleiman Ghani aufgetaucht zu sein, der eine extremistische Lesart des Islam vertrete.

Khan kontert mit dem Hinweis, dass er moderate Positionen vertrete, sich für die Homoehe stark gemacht habe und den Extremismus immer wieder als «Krebsgeschwür» verurteilt habe. Wegen seines Eintretens für die Homoehe habe er sogar Morddrohungen erhalten. (afo/sda)

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