18.09.2018 13:54

Aufsteiger RappiVom Chaos-Verein zur Vorzeige-Organisation

Die Rapperswil-Jona Lakers sind zurück. Sie sind gekommen, um zu bleiben.

von
Marcel Allemann
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Lakers-CEO Markus Bütler hat gleich für die kommenden zwei Jahre die Zielsetzung Ligaerhalt herausgegeben.

Lakers-CEO Markus Bütler hat gleich für die kommenden zwei Jahre die Zielsetzung Ligaerhalt herausgegeben.

Lakers
Bewerkstelligen soll den Klassenerhalt Aufstiegstrainer Jeff Tomlinson.

Bewerkstelligen soll den Klassenerhalt Aufstiegstrainer Jeff Tomlinson.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Fans der Lakers hatten letzte Saison viel Grund zum Jubeln, doch halten sie dem Club auch die Treue, wenn es schmerzvolle Niederlagen absetzt?

Die Fans der Lakers hatten letzte Saison viel Grund zum Jubeln, doch halten sie dem Club auch die Treue, wenn es schmerzvolle Niederlagen absetzt?

Keystone/Petra Orosz

Am 9. April 2015 stiegen die Rapperswil-Jona Lakers aus der damaligen NLA ab. Nach einer Saison, in der viel Geschirr zerschlagen wurde und am Ende fast alles in Schutt und Asche lag. Man hielt es unter den damaligen Voraussetzungen fast nicht für möglich, aber die Organisation erholte sich rasch von diesem finalen Tiefschlag und nutzte den Abstieg, um eine Liga tiefer neuen Schwung zu holen.

Kein Blick zurück

Und das mit dem ehemaligen Spieler Markus Bütler als CEO an der Spitze. «Wenn das Negativereignis dann wirklich eingetreten ist, dann ist es vermutlich einfacher, eine komplette Veränderung vorzunehmen. Die Argumente sind dann einleuchtender», sagt der 46-Jährige. Darauf eingehen, was vor seiner Zeit alles falsch gelaufen ist, möchte der Basler nicht: «Ich würde mir nie anmassen, jemanden zu kritisieren. Im Nachhinein ist das ohnehin einfacher, als wenn man selbst mittendrin steht. Heute kenne ich ja auch die Lottozahlen vom vergangenen Samstag.»

Drei Jahre nach dem Abstieg sind die Lakers nun zurück im Oberhaus. Als Vorzeigeunternehmen, das die Fans in der Region durch seine Niederlagenserien nicht mehr permanent frustet, sondern eine Euphorie ausgelöst hat. 2018 fanden die Fans aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Zunächst war da der sensationelle Cupsieg, dann folgte der Swiss-League-Meistertitel und zur absoluten Krönung der Aufstieg am Ende einer an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Liga-Qualifikation gegen Kloten.

«Als Aufsteiger ist man auf dem Papier die Nummer 12»

«Wir nahmen Schritt für Schritt und mussten wieder eine Einheit als Club, mit dem Umfeld und den Fans werden. Es war wichtig, alle abzuholen und auch ernst zu nehmen», erklärt Bütler die Aufbauarbeit. Doch letztendlich sei nichts anderes so massgebend wie der sportliche Erfolg. «Er allein entscheidet, ob das Glas halbleer oder halbvoll ist – unabhängig davon, wie gut im Hintergrund gearbeitet wird.»

Auf ihrer Siegeswelle werden die Lakers in der National League kaum permanent weiterreiten können. Vergleicht man ihr Kader mit jenen der anderen Clubs, dann scheint der 12. Platz programmiert, mit viel gutem Willen ist vielleicht Rang 11 drin, für die kühnsten Berufsoptimisten womöglich Position 10. Bütler hält da nicht dagegen: «Als Aufsteiger ist man auf dem Papier die Nummer 12. Man ist als Letzter in die Liga gekommen und kommt als Letzter in den Genuss der Spielerauswahl.»

«Die Ziele der Realität anpassen»

Der Mannschaft vom Obersee droht also die Gefahr, wieder ins alte Fahrwasser zu geraten. In Niederlagen-Serien. Das neu aufgebaute und derzeit so schön glänzende Lakers-Gebilde wird nun einer knallharten Tauglichkeitsprüfung unterzogen. Deshalb werden die Ziele von der Clubleitung auch sehr defensiv formuliert. Bütler: «Wir gehen den eingeschlagenen Weg weiter. In den ersten zwei Jahren geht es allein darum, in der Liga zu bleiben, auch wenn der Wunsch und die Ambition eine andere ist.»

Der ehemalige Stürmer sagt weiter: «Man muss die Ziele der Realität anpassen, die anderen Vereine in der National League haben in den letzten Jahren auch vieles richtig gemacht. Wir streben Fortschritt nach Mass an und wollen dabei wirtschaftlich in der Balance bleiben.»

Ja, man scheint in Rapperswil-Jona wirklich dazugelernt zu haben. Doch ist auch das wieder zurückgewonnene Publikum bereit, diese Strategie mitzutragen? Und auch dann noch, wenn es den einen oder anderen schmerzvollen Abend erlebt?

Das ist neu diese Saison

- Die National League nimmt ihren Spielbetrieb so spät wie nie auf in diesem Jahrtausend. Grund sind die im September oft hohen Temperaturen.

- Neu sind in den Eishallen elastische Sicherheitsbanden obligatorisch. Sie sollen helfen, schwere Verletzungen zu vermindern.

- Der auf dem Eis blau eingezeichnete Torraum wurde verkleinert, den NHL-Massen angepasst.

- Im Playoff ist Spielbeginn neu einheitlich um 20 Uhr. Verlängerungen werden dort weiterhin ohne Penaltyschiessen gespielt, bis ein Tor fällt.

Die 3 wichtigsten Regeländerungen:

- Bei einer bewussten Ablenkung wird bei Schlittschuhtoren der Treffer nicht mehr gegeben. Bislang wurde das Tor nur aberkannt, wenn eine klare Kickbewegung vorlag.

- Kommt es zu einem Penalty, darf ihn jeder Spieler schiessen, der nicht gerade auf der Strafbank sitzt – nicht mehr nur der gefoulte Spieler.

- Wenn der Torhüter den Puck blockiert, obwohl er den Puck mit dem Stock spielen kann (es besteht kein Druck eines Gegenspielers), wird er mit 2 Strafminuten bestraft. Die Regel soll unnötige Spielunterbrechungen durch den Goalie vermeiden.

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