Aktualisiert 16.03.2017 21:40

Fabrice Zumbrunnen

Vom Coop-Filialleiter zum obersten Chef der Migros

Er ist der Kopf hinter der Expansion in den Gesundheitsmarkt und der oberste Migros-Personalchef: Fabrice Zumbrunnen. 2018 besteigt der Romand den Migros-Thron.

von
S. Spaeth
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Der 47-jährige Westschweizer Fabrice Zumbrunnen wird neuer Migros-Chef.

Der 47-jährige Westschweizer Fabrice Zumbrunnen wird neuer Migros-Chef.

Migros
Das Migros-Hochhaus in der Stadt Zürich ist der Hauptsitz des Migros Genossenschaftsbunds.

Das Migros-Hochhaus in der Stadt Zürich ist der Hauptsitz des Migros Genossenschaftsbunds.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die Migros macht einen Umsatz von gut 28 Milliarden Franken und beschäftigt insgesamt rund 100'000 Personen.

Die Migros macht einen Umsatz von gut 28 Milliarden Franken und beschäftigt insgesamt rund 100'000 Personen.

Keystone/Alessandro Della Bella

Es ist der Aussenseiter von zwei internen Kandidaten, der sich durchgesetzt hat: Fabrice Zumbrunnen wird ab 2018 der Konzernchef der Migros. Als Topfavorit galt im Vorfeld der Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi. Dass ein Interner auf den Chefsesssel steigen würde, war abzusehen. Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass ein Migros-Konzernchef von innen kommen muss. So sagte der abtretende Migros-Chef Herbert Bolliger kürzlich in einer Interview mit dem «Tages-Anzeiger», dass es für den Chefposten mindestens fünf bis zehn Jahre Migros-Erfahrung brauche.

Die geforderte Migros-Erfahrung, um Bolliger zu beerben, bringt der 47-jährige Romand mit. Seit fünf Jahren sitzt Zumbrunnen in der Generaldirektion des Genossenschaftsbundes und leitet das Departement mit dem etwas sperrigen Namen «HR, Kulturelles & Soziales, Freizeit», wozu auch die Klubschule zählt. Zuvor arbeitete der fliessend deutsch und französisch sprechende Neuenburger während 16 Jahren für die Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Weil die Genossenschaft, in der Zumbrunnen einen Grossteil seines Berufslebens verbrachte, mit gegen 800 Millionen Franken Umsatz eher klein ist, wurden dem umtriebigen Jörg Blunschi von der Migros Zürich – er fädelte u. a. den Deal mit dem deutschen Bio-Händler Tegut ein – bessere Chancen auf den Topmanagerposten eingeräumt.

Gesundheitsmarkt als Meisterstück

Zumbrunnen, der bald Chef von rund 100'000 Mitarbeitern und der jüngste Migros-Konzernchef in der Geschichte wird, kennt den Detailhandel auch von ganz unten her. Angefangen hat der Neuenburger aber bei der Konkurrenz. Den ersten Job nach seinem Studium in Betriebswirtschaft und Soziologie hatte der heute 47-Jährige als Filialleiter des Coop in La-Chaux-de-Fonds. Später zog es Zumbrunnen als Salesmanager zu einer Medizinaltechnikfirma im Kanton Zug. 1996 stiess der damals 27-Jährige als Ausbildner im Bereich Verkauf bei der Migros Neuenburg-Freiburg ein und schaffte es rasch vom Verkaufschef bis zum obersten Geschäftsleiter.

Das Meisterstück des zweisprachigen Zumbrunen ist das Engagement der Migros im Gesundheitsbereich: Unter ihm investierte die Migros in Fitnesscenter, Arztpraxen und Gesundheitsplattformen. Der Vorteil: Niederlassungen von Medbase und Santémed bringen viel höhere Margen als klassische Migros-Filialen. Das von Zumbrunnen herausgegebene Ziel lautete deshalb, mit Medbase in der gesamten Schweiz vertreten zu sein. Für die digitale Transformation der Migros sei er genau der Richtige, sagt ein Migros-Kadermann, der den Romand kennt und ihn als sehr dynamisch, smart und gut vernetzt beschreibt.

«Es ist nicht nötig, die Migros auf Personen zu reduzieren

Zumbrunnen wird von Migros-Insidern als angenehm im Umgang und kultiviert beschrieben. «Er ist ein zugänglicher, offener Typ und kann gut zuhören», sagt ein Manager, der ihn aus Strategiesitzungen und Verhandlungen kennt. Zumbrunnen sei aber auch ein «Schnelldenker und Schnellentscheider». Neben dem Detailhandel interessiert sich der Romand, der in Zürich lediglich Wochenaufenthalter ist und mit seiner Familie in La Chaux-de-Fonds lebt, auch für die schönen Dinge im Leben: Der Vater zweier Kinder mag Musik, Kunst und Literatur. Er ist mit einer Musikerin verheiratet und treibt gern Sport.

Bis anhin gab sich Zumbrunnen in der Öffentlichkeit betont bescheiden. In einem Interview gab der Romand nach seinem ersten Jahr als oberster Migros-Personalchef zu Protokoll: «Die Migros-Idee ist wichtiger als einzelne Personen, die sie vertreten. Es ist gar nicht nötig, die Migros partout auf Personen zu reduzieren, wir brauchen diesen Hang zum Personenkult nicht.» Ist Zumbrunnen wirklich so bescheiden? Er versuche, sich nie in den Vordergrund zu drängen, sagt ein Migros-Manager und beschreibt den Stil des neuen Migros-Chefs so: «Er versteht es, seine eigenen Leistungen zu präsentieren und dennoch den anderen die Lorbeeren zu lassen, wenn sie sie verdient haben.»

Bolliger hinterlässt riesiges Imperium

Herbert Bolliger hatte die Geschicke des orangen Riesen 12 Jahre lang gelenkt. Im November 2017 wird er das festgelegte Höchstalter von 64 Jahren erreichen und deshalb Ende des Monats abtreten. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gewaltiges Gebilde. Während seiner Amtszeit stieg der Umsatz von 20 auf 27,7 Milliarden Franken. In die Amtszeit des Aargauers fallen die Übernahme des Discounters Denner und Digitec-Galaxus, der heutigen Nummer eins im Schweizer Onlinehandel. Auf seine Bilanz angesprochen, sagte Bolliger vor rund einem Monat im Interview mit der «NZZ am Sonntag»: Er habe zwar auch mal Fehler gemacht, doch er «bereue nichts».

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