Karl-Theodor zu Guttenberg: Vom «Dr. Copy-Paste» zum Finanz-Experten
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Karl-Theodor zu GuttenbergVom «Dr. Copy-Paste» zum Finanz-Experten

Als deutscher Politiker musste er zurücktreten. Jetzt ist Karl-Theodor zu Guttenberg zurück. In Zürich zeigte er sein Wissen als Finanztechnologie-Experte.

von
K. Wolfensberger

Als Verteidigungsminister war er Deutschlands beliebtester Politiker. Die Medien erklärten ihn zum möglichen Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel. Gutaussehend, eloquent, verheiratet mit einer Nachfahrin des grossen Reichskanzlers Bismarck – alles schien perfekt. Die Rede ist von Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Doch nach dem schnellen Aufstieg folgte der noch schnellere Absturz. Eine Gruppe von Online-Aktivisten bewies, dass Guttenberg grosse Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. In den Medien machte der Spitznamen «Dr. Copy-Paste» die Runde. Guttenberg musste von seinem Amt zurücktreten.

Immer wieder machen Spekulationen über eine mögliche Rückkehr in die Politik die Runde. Doch der Freiherr, der heute in den USA lebt, verdient sein Geld inzwischen als Investor im Finanzbereich und will – zumindest offiziell – von einem politischen Comeback nichts wissen. Viel zu gut gefalle es ihm in New York, wo seine Firma Spitzberg Partners domiziliert ist. Sie berät und investiert in Firmen an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Technologie. Als ihr Eigentümer und CEO sieht sich Guttenberg nun als Experte für Themen wie Digitalisierung und Finanztechnologien.

Betont locker im Auftritt

Diese neue Rolle verkörperte Guttenberg am Mittwoch auch an der Finance-2.0-Konferenz in Zürich. Im Gegensatz zu seinen Zeiten als Politiker, als er auch vom Outfit her seiner adligen Herkunft alle Ehre machte, gab sich der Freiherr in Zürich betont locker. Ohne Krawatte, in Jeans und mit einem legeren blauen Veston: Von seinem Auftritt her hätte der Baron fast schon als cooler Start-up-Entrepreneur à la Mark Zuckerberg oder Evan Spiegel durchgehen können. Dazu passte, dass er dem Publikum zu Beginn seiner Rede erklärte, statt seines vollen Namens sei ihm die Abkürzung KT am liebsten. Der adlige Titel hingegen sei zu lang und habe nicht einmal auf einem Flugticket Platz.

Inhaltlich befasste sich Guttenberg in seiner Rede mit dem Verhältnis von Finanz-Technologie-Start-ups und Banken, mit der Blockchain-Technologie sowie dem Problem des Datenschutzes im digitalen Zeitalter. Er betonte, dass Europa bei den Regulierungen der Finanzwelt im Vergleich zu anderen Regionen im Hintertreffen sei. Grund: die komplizierten Strukturen der EU. «28 Chirurgen, die nicht einmal wissen, wie oder was sie genau operieren sollen, haben den Patienten aus reinem Glück noch nicht umgebracht», so Guttenberg in Anspielung auf das schwierige Zusammenspiel der 28 EU-Mitgliedstaaten.

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Mit Blockchain zurück an die Spitze

Wenn sich Europa wieder eine Spitzenposition erarbeiten wolle, solle es auf Blockchain setzen, so Guttenberg. Der Technologie, die die Grundlage für die Kryptowährung Bitcoin ist, gehöre die Zukunft. Da auch Kriminelle Bitcoin für ihre Machenschaften nutzen, habe die Blockchain-Technologie ungerechtfertigterweise lange ein schlechtes Image gehabt. Doch inzwischen hätten wichtige Akteure wie Banken verstanden, dass sich damit viele interne IT-Prozesse optimieren liessen.

Seinen Vortrag hielt Guttenberg in flüssigem Englisch. Und er bewies, dass seine rhetorischen Fähigkeiten seit seinem Rücktritt als Politiker nicht gelitten haben. Als eine Grafik in seiner Powerpoint-Präsentation nicht gut lesbar war, liess er sich zu einem kleinen Witz hinreissen: «Diese Grafik habe ich aus einem Word-File kopiert. Und Sie wissen ja: Wenn ich etwas kopiere, dann endet das für gewöhnlich im kompletten Desaster.»

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