«Kobi Köter»: Vom eigenen Köter gelernt
Aktualisiert

«Kobi Köter»Vom eigenen Köter gelernt

Raphael Hofer war einer der ersten Schweizer, der regelmässig Comics ins Netz gestellt hat: «Kobi Köter» feiert jetzt sein zweijähriges Online-Jubiläum. Wir sprachen mit seinem Herrchen.

von
Philipp Dahm

Er raucht. Er furzt. Er zockt Karten. Und er brunzt in jedem zweiten Streifen. Die Kooperation mit einem bekannten Schweizer Tiervermittlungsdienst war ein Reinfall. «Die haben den Comic nach einem Tag wieder vom Netz genommen», grinst Zeichner Raphael Hofer. Die Kundschaft sei mit der rauchenden Töle nicht klar gekommen und habe sich bei der Firma beschwert.

Wie Garfield als Hund?

«Kobi Köter», der rauchende Rüde, feiert heuer zwar seinen zweiten Geburtstag, doch eigentlich ist der Comic-Vierbeiner schon viel älter. «1993 hatte ich die Idee dazu», erinnert sich sein Herrchen Raphael Hofer. «Eigentlich wollte ich längere 'seriöse' Comic-Geschichten machen, habe so vor mich hingezeichnet und da war er. Obwohl er eigentlich ein Abfallprodukt ist, quasi ein dreckiger Snoopy.» Ein österreichisches Online-Magazin wollte Kobi Köter in einer Kritik gar als Hundeversion des fetten Katers Garfield verstanden wissen.

Besonders: Bei «Kobi Köter» spielt sich alles auf der Ebene der Hunde ab, Menschen sind auf Hände und Füsse reduziert. «Das Lustige ist, mit den Absurditäten zu spielen, wenn man tierische und menschliche Wertvorstellungen mischt», erklärt Hofer, der hauptberuflich Webdesigner ist. So wie bei einer seiner liebsten Köter-Episoden, bei der Kobi den Hintern eines anderen Hundes beschnüffelt, als sein Handy läutet. Er sei gerade im Meeting, teilt Kobi dem Anrufer mit.

«Hundebesitzer schreiben mich oft an»

Das Geheimnis beim Web-Comic liege in der Kontinuität. «Es heisst in erster Linie, eine Verpflichtung einzugehen», erklärt er. Jeden Dienstag und Freitag muss er neue Ware liefern. «Bevor ich in die Ferien fahre, muss ich erst einmal vorzeichnen.»

Die Abenteuer Kobis sind vom Hundehalteralltag beeinflusst, erklärt der Zeichner. «Ich habe von meinem eigenen Familienhund gelernt», gibt er grinsend zu. Etwa das Seufzen, wenn der Vierbeiner sich auf sein Kissen fläzt. Oder die Faulheit, wenn das Tier einen beim Vorbeigehen ohne den Kopf zu heben mit den Augen verfolgt. «Andere Hundebesitzer sprechen mich oft an: 'Das hat meiner auch schon gemacht', schreiben sie dann.»

Über 200 Streifen gezeichnet

Das Internet bedeutet für Zeichner wie ihn eine Liberalisierung. «Ich habe T-Shirts, Tassen und Trainerjacken designt - doch mit Merchandising verdient man nichts. Aber wenn die Webseite viele Besucher hat, kann man lukrative Werbung schalten oder die Comics als Print-on-Demand-Buch anbieten», so der Vierbeiner-Fan.

Bleibt zu hoffen, dass Hofer am Ball bleiben kann. Damit Kobi weiter Meetings abhalten kann. Die Comics gibt es übrigens auch fürs Handy optimiert, man kann Kobis Freund auf Facebook werden und auf Twitter folgen. Heute wird der 208. Streifen online gestellt.

Was sind Web-Comics?

In Europa noch in den Kinderschuhen, in der USA weit verbreitet und teilweise Grosserfolge mit bis zu einer Million Leser pro Tag: Web-Comics bieten dem Leser täglich gratis Lesespass und den Zeichnern eine kostengünstige Publikationsform. Bereits ca. drei Dutzend amerikanische Comiczeichner können mit ihren Serien dank Werbeeinnahmen und Verkauf von selbstproduzierten Büchern resp. Originalzeichnungen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Unabhängigkeit von Verlagen und Zeitungssyndikaten (die teilweise strenge inhaltliche Einschränkungen fordern) ermöglicht den Zeichner, sich auch mit Themen wie Religion, Politik und Sexualität auseinanderzusetzen.

Einige bekannte Serien aus der USA:

Web-Comics in der Schweiz:

David Boller startete Anfang 2009 das Comicportal www.zampano-online.com und wird inzwischen von Rene Lehner und Rudolph Perez unterstützt.

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