Martin Palermo: Vom Elfer-Trottel zum «heiligen Palermo»
Aktualisiert

Martin PalermoVom Elfer-Trottel zum «heiligen Palermo»

Der Mann der Extreme: Martin Palermo erzielte den Kopfballtreffer aus der grössten Distanz, verschoss drei Elfmeter in einer Partie – und erlitt beim Torjubel einen Beinbruch.

von
P. Reich und P. Toggweiler

Palermos Kopftor aus 40 Metern (Video: YouTube)

Mit seinem 2:0 sicherte Martin Palermo (36) Argentinien gestern gegen Griechenland den Sieg. Kurz zuvor war er erst eingewechselt worden. Er, der alte Mann in Argentiniens Spitze. Er, der für die Boca Juniors bereits 220 Treffer erzielte. Kaum einer auf dem Platz, der ihm den Abstauber gestern nicht gegönnt hätte.

«Heiligsprechung» durch Maradona

Dank Martin Palermo darf Argentinien in Südafrika überhaupt vom Titel träumen. Beim kapitalen WM-Qualifikationsspiel gegen Peru, im strömenden Regen von Buenos Aires, drückte er den Ball in der Schlussminute zum wichtigen 2:1-Erfolg über die Linie. Damit bewahrte er die «Albiceleste» vor dem vorzeitigen Aus in der WM-Quali und sicherte gleichzeitig der «Hand Gottes» den Job als argentinischer Nationaltrainer. Diego Maradona sprach nach dem Spiel vom «heiligen Palermo», der den Agentiniern ein zweites Leben geschenkt habe. Und er dankte es seinem Spieler mit einem Auftritt gegen Griechenland. Das Resultat ist bekannt. Und Palermo sorgte in der Vergangenheit schon mit weiteren Aktionen für Furore:

Kopfballtor des Jahrhunderts

Letzten Oktober erzielte Palermo das wohl spektakulärste Kopfballtor aller Zeiten, als ein verunglückter Befreiungsschlag von Sarsfield-Torhüter Marcelo Montoya genau seinen «Eisenschädel» traf und aus rund 40 Metern den Weg ins Tor fand. Palermo traf aber auch schon von weiter weg. 2007 erzielte der bald 36-Jährige gegen Independiente ein Wahnsinnstor von der Mittellinie.

Die drei verschossenen Elfmeter

Weit über 250 Tore hat Martin Palermo in seiner Laufbahn schon erzielt. Seine Karriere verlief aber alles andere als geradlinig. Fünf Jahre spielte der 1,87 Meter grosse Stürmer zu Beginn seiner Karriere in seiner Heimatstadt bei Estudiantes de la Plata, ehe er 1997 zum Ligakonkurrenten Boca Juniors wechselte. Dort schlug er dank seinem ausgezeichneten Torriecher ein wie eine Bombe. 1998 wurde er in der «Apertura» Torschützenkönig mit 20 Treffern in 19 Spielen und im selben Jahr «Rey del fútbol de América», Südamerikas Fussballer des Jahres.

Mit der Berufung in die Nationalmannschaft begann dann aber die grosse Pechsträhne des Martin Palermo. Im Vorrundenspiel der Copa America 1999 verschoss der Stürmer beim 0:3 gegen Kolumbien gleich drei Penaltys in einem Spiel. Dieses Kunstück brachte ihm zwar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde, aber in Argentinien wurde der Elfmeter-Trottel mit Spott und Häme eingedeckt. Ein Kreuzbandriss verhinderte im Winter 1999 dann seinen Wechsel zu Lazio Rom, doch Palermo kämpfte sich zurück. Ein Jahr nach seiner schweren Verletzung erzielte er im Finale des Weltpokals gegen Real Madrid beide Tore zum 2:1-Sieg der Boca Juniors.

Der Beinbruch beim Torjubel

Im Winter 2000 erfolgte dann doch noch der langersehnte Wechsel nach Europa. Bei Villarreal blieb ihm das Pech treu: Nach einem Torerfolg stellte er sich jubelnd vor eine Bande, welche unter dem Druck der anstürmenden Fans umkippte. Dabei brach sich Palermo sowohl Schien- als auch Wadenbein und fiel zwei Monate aus. Wenig später wurde er zu Betis Sevilla abeschoben, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte.

Nach einem erfolglosen Engagement bei Deportivo Alavés kehrte der Argentinier zu den Boca Juniors zurück, wo er schnell wieder zu seiner alten Stärke zurückfand. Mittlerweile ist er der erfolgreichste Torschütze der Vereinsgeschichte. Und nach seiner Reaktivierung fürs Nationalteam und den wichtigen Treffern für Klub und Land findet Martin Palermo zehn Jahre nach dem denkwürdigen Spiel gegen Kolumbien endlich wieder die Anerkennung, die er eigentlich verdient.

Palermo verschiesst 3 Elfmeter

Palermo bricht sich beim Jubeln das Bein

(Video Youtube)

(Video: YouTube)

(Video: Youtube)

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