Skylon-Jet: Vom Flughafen ins All

Aktualisiert

Skylon-JetVom Flughafen ins All

Ein Raumschiff, das wie ein Jet vom Flughafen aus in den Orbit fliegt, wird derzeit in England entwickelt. Es würde die Raumfahrt dramatisch verbilligen. Wer hinter dem Projekt steht, ist derzeit noch unbekannt.

Mit dem Skylon wird die Raumfahrt um einiges billiger als bisher, denn teure Startanlagen entfallen. Das Flugzeug-ähnliche Raumschiff mit einer Länge von 82 Metern und einer Flügelspannweite von 25 Metern wird in zwei Versionen gebaut - als ferngesteuertes Lastenschiff mit einer Ladekapazität von zwölf Tonnen und als Version für 30 Passagiere und Piloten.

«In zehn Jahren wird Skylon fertiggestellt», so Mark Hempsell, Zukunfts-Programm-Direktor von Reaction Engines. Die Entwicklung des Raumschiffs kostet rund zwölf Mrd. Dollar - und liegt damit in etwa im Bereich eines neuen Airbus-Modells. Zwischen 70 und 90 solcher Raumschiffe könne man an den Mann bringen, schätzt Hempsell. Skylon wird in einer maximalen Höhe von 460 Kilometer Geschwindigkeiten von bis zu sieben Kilometer pro Sekunde - das entspricht in etwa 25 Mach - erreichen.

Innovative Turbinen

«Das Besondere an Skylon ist, dass es keine externe Raketen hat, sondern über zwei Hybrid-Luft-Raketenantriebe verfügt, die flüssigen Stickstoff und flüssigen Sauerstoff verbrennen», erklärt Hempsell. In der ersten Flugphase wird im Triebwerk Luft aus der Atmosphäre mit flüssigem Wasserstoff aus den Tanks verbrannt, bis eine Geschwindigkeit von 5,5 Mach erreicht wird. In der zweiten Phase zündet flüssiger Sauerstoff und Wasserstoff das Triebwerk und beschleunigt auf Höchstgeschwindigkeit.

Vor dem Abheben wiegt das Fluggerät 275 Tonnen, bei der Landung nur noch 55. Der Gewichtsunterschied ergibt sich durch die 66 Tonnen flüssigen Wasserstoff und die 150 Tonnen flüssigen Sauerstoff. Vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre wird der unverbrauchte Wasserstoff abgegeben und verdunstet, da der Wiedereintritt mit geringerem Gewicht leichter ist.

Althergebrachte Bauweise

Für die Aussenhaut von Skylon werden keine neuen Verbundstoffe verwendet, sondern solche, die bereits heute in Verwendung sind. «So gesehen ist das Raumschiff weniger abenteuerlich als die Konzeption des A380», sagt Hempsell. Reaction Engines ist nicht für den Bau des Fluggerätes verantwortlich, sondern Hersteller und Entwickler der Triebwerke. Wer den Rumpf konzipiert und baut, wollte der Projektmanager nicht verraten.

2020 wird das Frachtraumschiff voraussichtlich in Betrieb gehen und soll dann die ISS mit Gütern versorgen. «Dank der Eigenschaften wird der Transport auch günstiger», erklärt Hempsell. Die Passagierversion wird ebenso für 2020 anvisiert. Wer dafür zuständig ist, wollte der Manager nicht sagen. Bis der Raumflug für «Normal-Passagiere» möglich sei, werde es allerdings noch etwas dauern, da die dafür nötigen Zulassungen komplizierter sind.

(pte)

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