Philippe Furrer: Vom Gebärsaal aufs Eis
Aktualisiert

Philippe FurrerVom Gebärsaal aufs Eis

Philippe Furrer wurde heute um 8 Uhr Vater von Zwillingen. Nur zwölf Stunden später spielt der Verteidiger mit dem SC Bern gegen Lugano, seinen nächsten Klub.

von
Peter Berger

Heute ist Dienstag, der 21. Oktober 2014. Philippe Furrer wusste schon am Montag nach dem Training: «Das wird so ein Tag, an dem ich einfach die ganze Zeit überglücklich sein werde.» Wie wahr!

Am Morgen geht Furrer mit Ehefrau Melanie ins Spital. Um 8 Uhr ist Termin im Kreisssaal. Die eineiigen Zwillinge Alina und Lara werden die Familie mit der zweieinhalbjährigen Tochter Noemi vervollständigen. «Ich bin nicht nervös, ich freue mich einfach riesig», blickte Furrer dem «Tag voller Emotionen» entgegen. Aufgepumpt werde er sein, so der 29-Jährige. «Und dann gehts am Abend noch gegen Lugano.» Denn mit den Vaterfreuden nicht genug, ausgerechnet die Tessiner sind sein nächster Arbeitgeber. Schon vor der ­Saison hat der Verteidiger bei Lugano einen Vertrag ab 2015/16 unterschrieben. «Deshalb ist das Spiel speziell, da gibt es nichts wegzudiskutieren. Die Konstellation ist für mich eine zusätzliche Motivation.»

«Ein geiler Tag»

Bedenken, dass er den er­eignisreichen Tag emotional nicht bewältigen kann, hat Furrer keine: «Überhaupt nicht, das wird einfach ein geiler Tag.» Fehlt nur noch, dass ihm heute sein erstes Saisontor gelingt. «Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf, denn ich werde ja nicht fürs Toreschiessen bezahlt. Aber gut wäre es natürlich schon.» Primär will Furrer aber mit dem SCB den Aufwärtstrend bestätigen. «Nach den Spielen gegen Lugano und am Freitag gegen die ZSC Lions werden wir wissen, wo wir ­stehen.» Die zuletzt drei Siege seien wichtig für das Punktekonto gewesen.

Auch spielerisch habe sich das Team entwickelt. «Wir sind jetzt in der eigenen Zone stabiler. Nach zwei, drei schlechten Einsätzen finden wir trotzdem wieder auf unseren Weg zurück. Das sind alles positive Signale.» Furrer betont jedoch, dass man sich keine Hänger leisten könne, zu ausgeglichen sei die Liga. Um die anvisierten Top 4 zu erreichen, seien weiterhin Punkte nötig. Nur zu gut ist Furrer die letzte Saison noch in Erinnerung, als der SCB nicht vom Fleck kam und prompt die Playoffs verpasste. «Es ist schwierig, sich aus einem solchen Strudel zu befreien.»

«Ich fühle mich immer besser»

Viel helfen konnte Furrer damals nicht, die Nachwehen einer Hirnerschütterung machten ihm zu schaffen. Schliesslich absolvierte er vergangene Saison nur 16 Spiele. «Aber mittlerweile fühle ich mich wieder besser. Zu Beginn der Saison hatte ich noch viel Respekt vor den Zweikämpfen. Jetzt steigt mein Selbstvertrauen mit jedem Einsatz und gelungenen Pass. «Dass ich Eishockey spielen kann, weiss ich ja, die Schwierigkeit ist nur, dies alles abzurufen und umzusetzen», sagt der WM-Silberheld von 2013.

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