19.05.2018 12:26

Patrick Fischer

Vom Gegenwind in den Rückenwind

Egal, was am WM-Final-Wochenende noch geschieht. Nati-Coach Patrick Fischer ist mit 42 Jahren bereits auf bestem Weg, eine Trainer-Legende zu werden.

von
Marcel Allemann, Kopenhagen
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WM 2018 in Dänemark: Patrick Fischer zieht erstmals in seiner Funktion als Nationaltrainer in die Halbfinals ein.

WM 2018 in Dänemark: Patrick Fischer zieht erstmals in seiner Funktion als Nationaltrainer in die Halbfinals ein.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Olympische Spiele in Pyeongchang 2018: Die Viertelfinals werden von Patrick Fischers Mannschaft verpasst.

Olympische Spiele in Pyeongchang 2018: Die Viertelfinals werden von Patrick Fischers Mannschaft verpasst.

Keystone/Alexandra wey
Fischers bislang zuvor bestes Turnier als Nationaltrainer: An der WM 2017 in Paris schafft es die Nati souverän in die Viertelfinals.

Fischers bislang zuvor bestes Turnier als Nationaltrainer: An der WM 2017 in Paris schafft es die Nati souverän in die Viertelfinals.

Keystone/Peter Schneider

Unter Patrick Fischer stehen wir zum vierten Mal in der Neuzeit in den WM-Halbfinals. Nach 1992, 1998 und 2013. Möglich machten den Vorstoss in die Top 4 jeweils grosse Trainer-Persönlichkeiten.

1992 in Prag das Duo John Slettvoll/Bill Gilligan, 1998 in Zürich Ralph Krueger und 2013 in Stockholm Sean Simpson. Ab sofort kann Patrick Fischer im selben Atemzug mit diesem illustren Quartett genannt werden.

Fischers Erfolg tut der Schweizer Trainergilde enorm gut

Der Zuger ist zudem der erste Schweizer Coach, der die Nati in die Halbfinals geführt hat. Das macht es noch ein wenig spezieller. Und tut der Schweizer Trainergilde enorm gut. Denn sie isst im eigenen Land enorm hartes Brot. Ausser dem ewigen Arno Del Curto in Davos kann sich keiner in der National League so richtig etablieren.

Immerhin gilt Ambris Luca Cereda als grosses Zukunftsversprechen und ZSC-Meistertrainer Hans Kossmann ist zumdindest ein halber Schweizer. Aber zeitgleich ist mit Kevin Schläpfer in Kloten ein grosser Schweizer Hoffnungsträger gescheitert und muss wieder zurück auf Feld 1.

In Windeseile von der Abschussrampe zum Erfolgstrainer

Auch Patrick Fischer stand immer wieder mal im Gegenwind. Als er an seiner ersten WM 2016 in Moskau Lehrgeld bezahlte und die Viertelfinals verpasste, stand der ehemalige Nationalspieler vor einem Jahr in Paris bereits unter Druck. Er hielt diesem stand und führte das Nationalteam auf souveräne Weise in die Viertelfinals.

Die Olympischen Spiele vor drei Monaten in Pyeongchang waren dann wieder eine Enttäuschung und Fischer gab hinterher zu, im Vorfeld Fehler begangen zu haben. Wieder stieg der Druck auf seine Person und ohne eine Viertelfinal-Qualifikation wäre sein Engagement als Nationaltrainer trotz Vertrag bis 2020 vermutlich vorzeitig zu Ende gegangen.

Doch stattdessen steht Fischer nun mit der Nati im Halbfinal und spielt am Samstagabend gegen Kanada um den Finaleinzug. In Windeseile ist der 42-Jährige vom Trainer, der schon fast auf der Abschussrampe stand, zum Erfolgstrainer mutiert. Zum Trainer, an den man sich fortan immer erinnern wird, wenn man über glorreiche Momente der Nationalmannschaft spricht.

Jetzt ist klar – Fischer ist der Mann für die Heim-WM 2020

«Natürlich bin ich froh, dass wir dem Druck erneut Stand halten konnten», sagte Fischer nach der Qualifikation für die Viertelfinals. Und nach dem 3:2-Coup gegen Finnland meinte er: «Es ist schön für mich, dass ich auch einmal einen Halbfinal coachen darf.»

Fischer hat damit seine Zukunft definitiv geregelt, seinen Vertrag bis 2020 wird nach dem Exploit in Dänemark niemand mehr hinterfragen. Es ist klar, dass der langjährige Stürmer der Mann sein wird, der auch an der Heim-WM in zwei Jahren in Zürich und Lausanne an der Schweizer Bande stehen wird.

Das Kompliment aus dem Mund von Nino Niederreiter

Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer ist deshalb ein Stein vom Herzen gefallen, er war immer überzeugt von Fischer. «Wir haben von Anfang an ihn geglaubt», sagt der Bündner. Oft wurde Fischer vorgehalten, dass er vor seinem Nati-Engagement bei Lugano gescheitert sei. Raffainer entgegnet: «Man darf nicht vergessen, dass er damals in Lugano auch sehr viel bewegt hat.»

Doch es sind nicht nur seine Chefs, die von Fischer schwärmen. Das wertvollste Kompliment erhielt er dieser Tage aus dem Mund von Nino Niederreiter. Man habe gegen Finnland vor allem auch gewonnen, weil Fischer hervorragend coachte und stets die richtigen Entscheide gefällt habe, sagte der NHL-Stürmer.

Statt im Gegenwind zu stehen, ist Patrick Fischer nun also mit Rückenwind unterwegs. Das Leben gestaltet für ihn so um einiges angenehmer und einfacher. Er hat es sich verdient.

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