Aktualisiert

Kevin JohnsonVom Grossmaul zum Feigling und zurück

Nur eine Erwartung erfüllte sich: Vitali Klitschko ist weiterhin Weltmeister im Schwergewicht. Gegner Kevin Johnson war eine einzige Blamage.

von
Peter Berger

Aber was war denn da passiert? Lange nach Mitternacht erschien Vitali Klitschko mit zwei blauen, stark geschwollenen Augen zur Medienkonferenz. War er etwa gegen die Garderobentüre gestossen? «Ich weiss nicht, wann ich die blauen Flecken kassierte», sagte der alte und neue WBC-Champion. «Denn ich wurde ja nicht getroffen.» Wie auch? Kevin Johnson hat ja überhaupt nicht geschlagen. Vom Grossmaul im Vorfeld war beim Herausforderer im Ring nichts mehr übrig. «Er war ständig auf der Flucht», sagte Klitschkos Trainer Fritz Sdunek, «Ein Feigling!»

Auch im Publikum machte sich Unmut über die «Nicht-Teilnahme» des Amerikaners breit. «Es gab schon Sandsäcke, die sich mehr gewehrt haben», wetterte ein frustrierter Zuschauer auf den Rängen der kalten Arena. Johnson darf zwar für sich beanspruchen, dass er erst als zweiter Gegner von Klitschko nicht k.o. geschlagen wurde. «Weil mir das nicht gelungen ist, bin ich auch enttäuscht», gestand Klitschko.

Johnsons Hoffnung auf «eine Revanche im nächsten Jahr» bleibt wohl immer ein Traum. Der Amerikaner verweigerte zuerst jedes Statement, erschien danach mit geraumer Verspätung, dafür wieder mit Sonnenbrille doch noch zur Medienkonferenz – und präsentierte sich erneut als Grossmaul. «Ich habe immer gesagt: Keiner kann mir wehtun. Das habe ich bewiesen. Ich bin eben ein sehr guter Boxer.» Aber warum hat er denn nicht geschlagen? «Eine Ellenbogenverletzung hinderte mich daran, meinen Plan A, B, C oder D umzusetzen.» Glauben tat ihm das natürlich niemand.

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