Aktualisiert 21.05.2013 09:02

Die Freinacht der HoppersVom «hölzernen» in den siebten Himmel

19 Jahre mussten die GC-Fans auf diesen Titel warten. Deshalb konnten es Tausende kaum erwarten, bis die Hoppers ihnen den Pokal gegen 22 Uhr an der Langstrasse präsentierten.

von
Eva Tedesco

Nach 19 Jahren kann GC wieder einen Cupsieg feiern und macht dies ausgiebig an der Langstrasse und im «Heugümper». (Video: 20 Minuten)

Mit einem lauten Knall und viel Feuerwerk begrüssten die Fans ihre Cuphelden, als diese nach langem Warten an der Langstrasse eintrafen. Kurz zuvor hatte GC den offiziellen Team-Car gegen einen Oldtimer-Bus eingetauscht. Die Spieler genossen auf dem Dach das Bad in der Menge.

«Hervorragend», sagt Uli Forte wenig später beim Nachtessen. «Ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen in der Langstrasse auf uns warten. Es war fast so wie bei ganz grossen Mannschaften im europäischen Fussball. Ich habe vom Bus runtergeschaut und in jedem einzelnen Gesicht gesehen, wie die Fans nach diesem Titel jahrelang gelechzt haben.»

Fortes erster Vermerk auf der Visitenkarte

Tatsächlich mussten die Hoppers lange, sehr lange auf diesen Moment warten. Der Rekord-Cupsieger (jetzt 19 Titel) konnte 1994 letztmals auf einen Erfolg im Schweizer Cup anstossen. Damals gewann GC 4:0 gegen Challenge-Ligist Schaffhausen. Seither haben die Zürcher zwar viermal in einem Final gestanden, aber auch viermal verloren: 1995, 1999, 2002 und zuletzt 2004 unter Alain Geiger gegen Wil (2:3). Am 20. Mai 2013 – und dann erst noch gegen Liga-Primus Basel – hat es nun endlich wieder geklappt.

«Die Mannschaft hat sich für eine überragende Saison selbst belohnt», freut sich Forte für sein junges Team. Dass er als Jungtrainer seinen ersten Vermerk auf die Visitenkarte eintragen kann, sei ein Nebenschauplatz. «Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht und auch mit niemandem darüber geredet. So etwas kommt oder kommt nicht.»

GC ist Cupsieger 2013

Ohne Telefon im Whirlpool

Man sieht den GC-Trainer ausserhalb der Trainings selten bis nie im Trainingsanzug. An der Cup-Sause durch die Langstrasse trug er aber Sportbekleidung. Der Grund ist schnell erklärt. Forte landete – wie jeder Trainer an Meister- und Cup-Feiern – noch in Bern im Whirlpool. Während sich die Spieler diebisch freuten, sagt Forte: «Zum Glück hatte ich mein Telefon nicht eingesteckt.» Einen Reserveanzug hatte er nicht dabei. Aus Mangel an Titel-Erfahrung? Energisch schüttelt der Italo-Zürcher den Kopf. «Aber nein, das macht man nicht. Das bringt Unglück. Und das wollen wir ja nicht, oder?»

Bevor Forte aber zum Nachtessen mit der Mannschaft, Sponsoren und Gönnern im Restaurant Heugümper in der Innenstadt aufbrach, wechselte er wieder in den schicken Zwirn. Bei Sekt und Fingerfood feierten die Hoppers ausgelassen, aber nicht überbordend. Nassim Ben Khalifa trieb mit Milan Vilotic, dem Penalty-Helden in Bern, Schabernack und interviewte den Abwehrspieler. Beim französisch-englisch-deutschen Sprachen-Desaster brechen selbst die beiden Protagonisten nach wenigen Augenblicken in Gelächter aus. Steven Zuber kopierte die Ich-föhne-mir-die-Haare-mit-dem-Mixer-Frisur seines Teamkollegen Willian Rocha und wollte das blaue Unding fast nicht mehr abziehen.

Der Traum des Präsidenten wird wahr

GC-Präsident André Dosé wirkte vollkommen losgelöst und hätte vor Freude am liebsten abgehoben. Nervös sei er während des Spiels nie gewesen, so der ehemalige CEO der Swiss. «Ich habe in der Nacht vorher geträumt, dass das Spiel nach der regulären Spielzeit 0:0 steht und es zu einem Penalty-Schiessen kommt, das wir gewinnen», erzählt Dosé und dabei leuchten seine Augen heller wie das grösste Feuerwerk zuvor. Und dann lächelt er spitzbübisch: «Beim Resultat lag ich etwas falsch ...» Der Erfolg in der aktuellen Saison muss der Vereinsführung zu gleichen Teilen angerechnet werden, wie der Mannschaft.

«Diese neuen Strukturen waren sehr wichtig für den Neuanfang», sagt Forte. «Zum Teil ist es im letzten Jahr wie im hölzernen Himmel zu und her gegangen, deshalb war die Linie wichtig. So schlecht haben wir diese nicht gefahren», so Forte. Die Stunden der blauweissen Glückseligkeit vergingen gar schnell. Gegen 2 Uhr traten die ersten Cup-Helden mit ihren Partnerinnen den Heimweg an. Die jüngeren «Heugümper» wie Zuber, Hajroic, Bauer und Brahimi kosteten die Freinacht aus, die ihnen der Trainer trotz des Meiserschafts-Hits am Sonntag – jawohl, wieder gegen den FCB – zugesteht, im Club Mascotte am Bellevue fort.

GC macht es nicht wie Bayern

«Wir machen es sicher nicht wie der FC Bayern München. Sie durften ja den Meistertitel nicht vorzeitig feiern. Meine Spieler dürfen den Cupsieg feiern, denn sie haben sich das verdient. Deshalb können sie den Sieg auch ausgiebig feiern. Auch ich werde ein, zwei Gläschen Wein trinken, denn so ein Titel ist ja nicht alltäglich – wir werden nicht kleinlich tun an diesem Abend.» Es ist zwar nicht überliefert, ob im Morgengrauen ein GC-Spieler à la ZSC-Seger mit dem Pokal in einem Zürcher Tram gesichtet worden ist, aber es soll bereits hell geworden sein, als die letzten Nachtschwärmer den Heimweg angetreten haben.

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