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Vom kolossalen Egozentriker zum sentimentalen Altstar

Alain Delon: Er war «Der eiskalte Engel» im Jahr 1967, ein unbesiegbarer und skrupelloser Einzelgänger. Am 8. November 2005 wird der französische Kult-Schauspieler 70 Jahre alt.

Alain Delon scheint im Alter sein grenzenloses Selbstbewusstsein und seine Überheblichkeit verloren zu haben. «Ich warte auf die Frau, die mir Lust gibt, weiterzumachen», erklärte das französische Leinwandidol erst vor wenigen Wochen. Ungewöhnliche Worte aus dem Mund eines Frauenhelden, der mit Romy Schneider liiert war und durch private Affären ebenso oft in die Schlagzeilen kam wie durch seine zahlreichen Filmerfolge. Delon, der am Dienstag 8. November seinen 70. Geburtstag feiert, scheint nach 40-jähriger Filmkarriere seine Rolle als notorischer Herzensbrecher und «König des Krimis» abzulegen. Der Altstar soll in «Asterix bei den Olympischen Spielen» den Part des römischen Kaisers Julius Cäsar übernehmen. Die Dreharbeiten sollen im Mai 2006 beginnen.

Erst vor kurzem jedoch musste Delon wegen Herz- und Kreislauf- Problemen seine Frankreich-Tournee mit dem Stück «Les Montagnes Russes» (etwa: Achterbahn) von Eric Assous abbrechen. «Es ist mein Fehler gewesen. Mein Kardiologe hatte mich in meinem Arbeitseifer bremsen wollen. Ich arbeite zu viel, aber ich bin zu faul, das zu tun, was die Mediziner mir raten: Sport zu treiben, zu wandern, mit dem Fahrrad zu fahren» erklärte der in dem Pariser Nobelvorort Sceaux aufgewachsene Schauspieler.

Delon, der in «Killer lassen bitten» oder «Nur die Sonne war Zeuge» weltweit das Publikum fasziniert hat, hat schon immer ungeniert und offen über sich und sein Leben geredet. Als er auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, grenzte sein Selbstbewusstsein mit Sätzen wie «Ich liebe meine Mentalität, meinen Charakter, meine Offenheit, meinen Sinn für Freundschaft und Respekt» an unerträgliche Arroganz und Egozentrik. Als in den neunziger Jahren seine Erfolgssträhne abbrach, gab er die Schuld dem amerikanischen Kino, das als einziges Kino überleben werde. Und als er kürzlich Wochen zu Gesundheitschecks ins Krankenhaus musste, gestand er seine Einsamkeit: «Ich leide dort, wo ich schon immer am empfindlichsten war: in meinem Herzen».

Delon, der vor fünf Jahren Schweizer geworden ist, hat mit dem Film «Der eiskalte Engel» im Jahr 1967 unter der Regie von Jean-Pierre Melville den Grundstein für sein Film-Image als unbesiegbarer und skrupelloser Einzelgänger gelegt. In «Der Swimmingpool» von 1968 verfestigte er das Bild des professionellen Killers und nüchternen Routiniers.

Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere feierte der Frauenheld 1984 in «Geschichte eines Lächelns», wo er mit Nathalie Baye in einer tragischen Liebesgeschichte vor der Kamera stand. Mit diesem Film wollte er der Öffentlichkeit zeigen, dass er nicht nur Verbrecher- Rollen spielen kann - was ihm auch hervorragend gelungen ist. Für diese Hauptrolle bekam er den «César», die bedeutendste französisch e Filmtrophäe.

Ab 1996 wandte sich Delon dem Theater zu. In dem Zwei-Personen- Stück «Variations énigmatiques» (etwa: «Rätselhafte Veränderu ngen») des Nachwuchsautors Eric-Emmanuel Schmitt wollte er wieder an seinen Theatererfolg von 1961 mit «Schade, dass sie eine Dirne ist» zusammen mit Romy Schneider anknüpfen. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. So ist es in den letzten Jahren etwas stiller um den alternden, aber immer noch attraktiven Star geworden, der mit zehn Hunden und einer Katze lebt und ein Frau sucht, kein junges Mädchen. «Eher eine reife Frau, die das Leben und Trennungen kennt und die intelligent ist, eine wirkliche Frau eben», bekannte er.

(sda)

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