Linux wird 20: Vom «Krebsgeschwür» zum IT-Darling
Aktualisiert

Linux wird 20Vom «Krebsgeschwür» zum IT-Darling

Einst war das Open-Source-Betriebssystem Linux das Hassobjekt Nummer eins von Microsoft-Chef Steve Ballmer. Heute läuft die Windows-Alternative unter anderem auf den Google-Servern.

von
Klaus Gürtler
ap
Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, ist Linux in der Computerwelt heute nicht mehr wegzudenken.

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, ist Linux in der Computerwelt heute nicht mehr wegzudenken.

Vor 20 Jahren ging ein finnischer Student namens Linus Torvalds daran, die Möglichkeiten damaliger Computerchips zu erkunden. Als Hobby, wie er erklärte. Aus den Programmen, die er damals schrieb, wurde das Betriebssystem Linux. Heute ist Linux allgegenwärtig in der Computerwelt und eigentlich nicht mehr wegzudenken, auch wenn dies in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Nur das Maskottchen von Linux, der Pinguin, ist vielleicht bekannt.

Das Betriebssystem steckt zum Beispiel in vielen WLAN-Routern, die das Internet in die Wohnung bringen, es arbeitet in Servern, die bei Google dafür sorgen, dass die Suchergebnisse schnell auf dem Bildschirm landen, es arbeitet in Computern, die in Unternehmen für die Verteilung der E-Mails sorgen, und es kommt richtig auf Hochtouren, wenn der Aktienhandel die Kurse auf eine Berg- und Talfahrt schickt.

Viele Menschen haben Linux auch längst in ihrer Hosentasche - ohne es zu wissen, denn Linux steckt auch unter anderem in den Smartphone-Betriebssystemen Android von Google und Bada von Samsung. Zusammengenommen dominieren die Linux-Systeme diesen Markt. Noch deutlicher ist die Vorherrschaft bei den Supercomputern, den Rechnern, die zum Beispiel zur Atombomben- oder Klimaforschung eingesetzt werden. Hier laufen inzwischen mehr als 90 Prozent der Rechner mit Linux. Aus dem Hobby ist längst Big Business geworden.

Auf dem Desktop keine Chance

Als die Entwicklung des Betriebssystems Linux vor 20 Jahren begann, war noch nicht abzusehen, was sich alles daraus entwickeln würde. Aber es fanden sich schnell Mitstreiter für Torvalds, die halfen, Linux voranzubringen. Der vielleicht wichtigste Grund: Torvalds machte Linux schon kurz nach den ersten Entwicklungsschritten zu Freier Software. Jeder durfte sich sein Programm ansehen, es verändern und für seine Zwecke nutzen. Und das ist bis heute so, weshalb sich eben Unternehmen wie Google Linux nehmen dürfen und damit eigentlich machen können, was sie wollen.

Aber daran war in den Anfangsjahren gar nicht zu denken. Während Linux als Server-System schnell Fortschritte machte, wurde auch viel Arbeit darauf verwandt, Linux auf den Desktop der PCs zu bringen - als freie Alternative vor allem zu Windows von Microsoft. Und der Konzern sah wohl tatsächlich in Linux eine Bedrohung für sein Geschäft. Es wurde heftig polemisiert, Microsoft-Chef Steve Ballmer nannte Linux gar ein Krebsgeschwür.

Aber das Betriebssystem mit dem Pinguin als Maskottchen hatte auch potente Verbündete, zum Beispiel IBM. Big Blue sorgte 2000 für Aufsehen, als es ankündigte, eine Milliarde in Linux investieren zu wollen.

Aber auch das führte nicht dazu, dass Linux auf dem Desktop vorankam, obwohl sich etliche Unternehmen daran versuchten. Nennenswerte Zahlen von Nutzern, die ein tragfähiges Geschäftsmodell ermöglicht hätten, fanden sich nicht - woran sich bis heute kaum etwas geändert hat.

Auch Microsoft hat seinen Frieden mit dem Pinguin gemacht

Wie viel Fantasie in Linux zur Jahrtausendwende steckte, auf dem Höhepunkt der Dot-com-Blase, zeigte der Börsengang von VA Linux. Die Aktie des Unternehmens legte den grössten Kurssprung am Tag der Erstnotierung hin, den es je gab. Um sagenhafte fast 700 Prozent schnellte der Kurs nach oben. Es war ein echtes Dot-com-Strohfeuer - heute heisst die Firma Geeknet und betreibt etliche Websites.

Linux ist dafür lebendiger denn je. Auch Microsoft hat inzwischen seinen Frieden mit dem Pinguin gemacht; eine reibungslose Zusammenarbeit freut die Kunden, die eventuell beide Systeme nutzen, und nützt dem eigenen Geschäft. Bei den Beiträgen zur jüngsten Weiterentwicklung des Betriebssystemkerns von Linux, des sogenannten Kernels, rangierte Microsoft unter den Top Ten.

Davon ist Linux, was die Bedeutung als PC-Betriebssystem angeht, noch weit entfernt. Der Marktanteil liegt irgendwo im unteren einstelligen Prozentbereich. Aber die PC-Ära geht ja vielleicht sowieso allmählich zu Ende, also mal sehen, was aus dem Pinguin noch so wird - in den nächsten 20 Jahren.

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