Der Vater des C64: Vom KZ-Häftling zum «Brotkasten»-Erfinder
Aktualisiert

Der Vater des C64Vom KZ-Häftling zum «Brotkasten»-Erfinder

Jack Tramiel überlebte Auschwitz und wurde vom einfachen Schreibmaschinen-Reparierer zur Computer-Legende. Nun ist der Commodore-Gründer im Alter von 83 Jahren gestorben.

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dsc
Jack Tramiel (mit Glatze) gründete Commodore und lancierte den C64, bevor er mit seinen Söhnen Atari aufmischte.

Jack Tramiel (mit Glatze) gründete Commodore und lancierte den C64, bevor er mit seinen Söhnen Atari aufmischte.

Steve Jobs hatte ein verrücktes Leben. Aber kennen Sie Jack Tramiel?

Ursprünglich hiess er Jacek Trzmiel und kam 1928 im polnischen Lodz als Sohn einer jüdischen Familie zur Welt. Während des Zweiten Weltkriegs deportierten ihn die Deutschen mit seinen Eltern und Geschwistern ins Konzentrationslager nach Auschwitz. Dem Tod in der Gaskammer entkam der junge Mann, weil er für einen Arbeitseinsatz in ein KZ-Aussenlager geschickt und dort von den Amerikanern befreit wurde.

Tramiel blieb seinen Rettern treu und übernahm zahlreiche Hilfsjobs für die Siegermacht. 1947 wanderte er nach Amerika aus und trat ein Jahr später den Streitkräften bei. Er lernte, Schreibmaschinen und andere Bürogeräte zu reparieren - und legte damit den Grundstein für seine eigene Firma.

Computer für die Massen

Für den Firmennamen verwendete Trambiel bewusst einen militärischen Begriff. Seine Firma reparierte zunächst Schreibmaschinen und baute später auch eigene Geräte. Daraus entwickelten sich Taschenrechner und schliesslich Heimcomputer. 1982 präsentierte das im kanadischen Toronto beheimatete Unternehmen den Commodore 64, kurz C64. Er galt mit bis zu 30 Millionen verkauften Exemplaren lange als der meistverkaufte Computer aller Zeiten. Seine Fans bezeichneten den vergleichsweise günstigen Rechner (ab 595 Dollar) wegen seiner rustikalen Form liebevoll als «Brotkasten». So manches Spiel, das für den C64 programmiert wurde, erreichte weltweiten Kultstatus.

Tramiel habe grossen Einfluss auf die Unterhaltungselektronik und auf die Computerindustrie gehabt. So zitiert «Forbes» den Buchautor Martin Goldberg, der an einem Buch über den Commodore-Konkurrenten Atari arbeitet. Tramiels Vermächtnis seien seine Computer für die Massen, mit denen er Generationen von Ingenieuren, Informatikern und Gamern beeinflusst habe.

Die Rache des Abgesetzten

Das «Time Magazine» beschrieb Tramiel auch schon als Anti-Steve-Jobs. Der Commodore-Gründer wollte möglichst billige PCs herstellen und kümmerte sich nicht im Geringsten um elegante Lösungen oder technische Perfektion. Aber es gab auch Parallelen zum Apple-Gründer. So wurde Tramiel 1984 nach internen Machtkämpfen aus der eigenen Firma gedrängt. Er wechselte zu Commodores Erzfeind, dem serbelnden Software- und Konsolenhersteller Atari Inc. In der Folge gelang ihm das Zauberstück, den Atari ST auf den Markt zu bringen, noch bevor Commodore den C64-Nachfolger Amiga 1000 lancieren konnte.

Die einst von Tramiel gegründeten Unternehmen existieren heute nicht mehr. Commodore International musste bereits 1994 Konkurs anmelden und wurde regelrecht ausgeschlachtet. Die Kultmarken C64 und Amiga brachten den späteren Eigentümern kein Glück. Heute gehören sie einer kleinen US-Firma, die an Tramiels Erfolg anschliessen will und Retro-PCs unter dem Commodore-Label verkauft (20 Minuten Online berichtete).

Mitte der 90er-Jahre zog sich Tramiel aus dem Geschäftsleben zurück und setzte sich fortan für das Gedenken an den Holocaust ein. Der Computer-Pionier ist am vergangenen Sonntag im Alter von 83 Jahren in Kalifornien gestorben. Er hinterlässt eine Frau, drei Söhne und ein gewaltiges digitales Erbe, das mit einer Schreibmaschine anfing.

Legendäre Spiele

Für den Commodore C64 sind unzählige Games entwickelt worden - viele gelten heute als absolute Klassiker. Im 1985 veröffentlichten Arcade-Game «Commando» muss sich der Spieler auf gefährlicher Mission durch den Dschungel schiessen. Legendär ist insbesondere auch die Game-Musik von Rob Hubbard.

Welches war Ihr Lieblings-Game auf dem Commodore C64?

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