Vom Lehrling zum Unternehmer
Aktualisiert

Vom Lehrling zum Unternehmer

Märchen wie in Hollywood sind auch bei uns möglich. Dann nämlich, wenn Lehrlinge als Unternehmer Karriere machen. Wer etwas wagt, die Arbeit nicht scheut und über eine Prise Innovationsgeist verfügt, kann viel gewinnen.

Sich nach der Polygrafen-Lehre nicht zurücklehnen, jeden Rappen auf die Seite legen – und von der Selbstständigkeit träumen. Diese Idee geisterte in den Köpfen von Sämi (26) und Yves (22) herum. Die beiden Innerschweizer hielten wenig von Hirngespinsten, aber viel von Taten. Sobald die Kohle da war, gründeten sie die eventfabrik GmbH. Die Werbeagentur, die zusätzlich auch Events organisierte, sollte bald in vieler Munde klingen. Ein steiniger Weg, auf dem die beiden viele Erfahrungen sammelten. „Sich gegen bestehende und alt eingesessene Firmen zu behaupten, war eine der grossen Herausforderungen", sagen die beiden übereinstimmend. Heute beschäftigt die eventfabrik GmbH drei Mitarbeiter und darf auf einen inzwischen grossen Kundenstamm zählen.

Getreu dem Motto „Stillstand ist Rückschritt", bildete sich Sämi in Medienwirtschaft und Kommunikation weiter. Auch Yves bleibt nicht untätig, wird sich in Kürze Dipl. Graphic Designer nennen dürfen. Titel sind auf dem Weg ganz oben nützlich, aber nicht nur der Visitenkarte wegen. Denn das erworbene Know-how brauchte man auch, um in Sachen Firmengründung- und Führung den Durchblick zu behalten. Zu chillen, liegt ohnehin nicht drin. „Wer von einem nine to five-Job träumt", bleibt besser Angestellter, sind sich beide einig. Selbstständig sein heisst für Sämi und Yves, die Zukunft selber zu gestalten und zu beeinflussen; sozusagen Neues schaffen zu können - und dafür 200 Prozent zu schuften. „Nur wer überdurchschnittliche Qualität liefert, überlebt den harten Konkurrenzkampf", sagt Yves. Der nächste Coup? „Wir wollen das hauseigene Streetwear-Label „Walterli" zu nationaler Berühmtheit bringen", geben sich die beiden ambitioniert. Den ersten Schritt dazu haben sie bereits getätigt. Das Streetwear Lokal „Walterli Freaks" mit eigener Kleidung und angesagten Markenartikeln, ist bereits eröffnet. Der zweite steht kurz vor der Vollendung. Mit dem Umzug in den Technopark Q4 setzen die beiden Urner auch räumlich und punkto Repräsentation einen markanten Meilenstein in ihrer noch jungen Karriere.

Es war 2002, als der damals 15-jährige Alain bereits wusste, was aus ihm werden sollte. Webdesigner hiess die Vision, welche der Youngster hartnäckig verfolgte. Heute ist er seinem erklärten Ziel einen Schritt näher gekommen. Schon während der Lehre als Mediamatiker machte er sich daran, die eine oder andere Website zu gestalten. Heute kann Alain auf ein breites Netzwerk zählen, das ihm immer wieder neue Aufträge generiert. Seit Anfang Monat besucht Alain eine Sprachschule im Tessin, wohnt bei einer Gastfamilie. Seine nächste Vision ist, sich im Süden zu etablieren und seinen Kundenstamm zu erweitern.

Auch Marco (20) hat Träume. Den ersten hat er sich in Form der bestandenen Lehre als Polygraf verwirklicht. Den zweiten will er sich bis nächsten Sommer erarbeiten. Dann gilt es nämlich, die Berufsmatura erfolgreich abzuschliessen. Marco hilft beim Design einer Schülerzeitung („Keine halbe Sache, sondern eine richtige Zeitung im Vierfarbendruck") mit und darf nun darauf hoffen, den Jahresbericht einer Privatschule mitzugestalten. Daneben zieht er in Betracht, einen Online-Shirtversand ins Leben zu rufen. Für ihn geht es in erster Linie darum, sich weitere Praxis zu holen. Natürlich ist er nicht traurig darüber, dass er damit sein Taschengeld aufbessern kann, „denn bis zum Sommer 2008 verdiene ich nichts, bin auf die Unterstützung meiner Eltern angewiesen". Was dann sein wird, ist offen. Aber nur in einem Büro zu sitzen und warten, bis es fünf Uhr abends schlägt, ist nicht sein Ding. Seine Augen funkeln. Wohin ihn der Weg führen mag?

Gabriel Aeschbacher

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