01.06.2018 19:57

Transpersonen

Vom Mann zur Frau und wieder zurück operiert

Manche Transpersonen unterziehen sich einer erneuten Geschlechtsangleichung. Der Geschlechterdruck spielt dabei eine entscheidende Rolle.

von
Qendresa Llugiqi
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Nicht bei allen Transpersonen bleibt es bei einer Geschlechtsangleichung. Es kommt vor, dass sich Patienten re-transitionieren lassen, also erneut eine Geschlechtsangleichung machen lassen.

Nicht bei allen Transpersonen bleibt es bei einer Geschlechtsangleichung. Es kommt vor, dass sich Patienten re-transitionieren lassen, also erneut eine Geschlechtsangleichung machen lassen.

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«In unserer Klinik wird eine Re-Transition ungefähr alle zwei Jahre vorgenommen», sagt David Garcia, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter Schwerpunkt Geschlechtervarianz am Unispital Basel. «Die Re-Transitions-Quote ist ausserordentlich gering.»

«In unserer Klinik wird eine Re-Transition ungefähr alle zwei Jahre vorgenommen», sagt David Garcia, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter Schwerpunkt Geschlechtervarianz am Unispital Basel. «Die Re-Transitions-Quote ist ausserordentlich gering.»

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Laut Richard Fakin, Oberarzt in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Unispital Zürich, ist eine geschlechtsangleichende Operation irreversibel. «Erneute Rekonstruktionen sind grundsätzlich möglich, jedoch mit einem deutlich niedrigeren funktionellen und ästhetischen Resultat verbunden.»

Laut Richard Fakin, Oberarzt in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Unispital Zürich, ist eine geschlechtsangleichende Operation irreversibel. «Erneute Rekonstruktionen sind grundsätzlich möglich, jedoch mit einem deutlich niedrigeren funktionellen und ästhetischen Resultat verbunden.»

Boris Baldinger

Am Unispital Zürich (USZ) werden immer mehr Geschlechtsangleichungen von Mann zu Frau durchgeführt. So wurden letztes Jahr 20 Patienten operiert, 2014 waren es zehn. Anders als am USZ wird am Unispital Basel in beide Richtungen operiert. Hier wird aktuell eine geschlechtsangleichende Operation pro Woche durchgeführt. Im selben Zeitraum würden ein bis zwei Personen ins Behandlungsprogramm aufgenommen. Nicht bei allen bleibt es bei einer Geschlechtsangleichung. Es kommt vor, dass sich Patienten re-transitionieren lassen, also erneut eine Geschlechtsangleichung machen lassen.

«In unserer Klinik wird ungefähr eine Re-Transition alle zwei Jahre vorgenommen», sagt David Garcia, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter Schwerpunkt Geschlechtervarianz am Unispital Basel. «Die Re-Transitions-Quote ist ausserordentlich gering.» Sowohl seine klinische Erfahrung als auch internationale Studien würden zeigen, dass weniger als ein Prozent der operierten Transpersonen operative Re-Transitionsschritte unternehmen.

Transpersonen bereuen Eingriff nicht

Laut Garcia werden Re-Transitionen nicht vorgenommen, weil die betroffenen Personen den Eingriff etwa bereuen: «Ganz im Gegenteil. Die Personen sind froh, dass sie den Geschlechtsangleichungsprozess begonnen haben», so der Arzt. «Es ist eher so, dass der diskriminierende Umgang mit dieser Gruppe dazu führt, dass sie auch nach erfolgten Eingriffen nicht selten vor schwierigen Situationen im Alltag stehen. Sie werden nicht selten ausschliesslich auf ihre Identität als Transperson reduziert und dementsprechend von wichtigen Bereichen wie beispielsweise Familie, Arbeitswelt, öffentlicher Raum verdrängt.»

So könne es mit der Zeit vorkommen, dass die Betroffenen beginnen, sich selbst die Schuld für diese Situation zu geben. «Die Selbststigmatisierung ist die schwerste Folge des gesellschaftlichen Ausschlussprozesses, die eine Transperson erleben kann. Dieser Umstand kann den Beginn einer Re-Transition darstellen.»

So funktioniert eine Geschlechtsangleichung. (Quelle: 20min / Sandro Büchler)

Ein «aufwühlender Prozess»

Der Arzt bezeichnet Re-Transitionen als «aufwühlende Prozesse, die körperliche, psychische und soziale Dimensionen der betroffenen Personen erfassen». Transpersonen, die sich für eine Re-Transition entscheiden, würden empfindlicher als andere Personen auf den ständigen Geschlechterdruck reagieren. Garcia: «In unserer Gesellschaft messen wir der Kategorie ‹Geschlecht› eine unheimlich grosse Bedeutung zu. Und auch wenn wir uns das selten eingestehen wollen, schützen wir dieses ‹hohe Gut›, indem wir beispielsweise von nur zwei Geschlechtern ausgehen.»

Laut Garcia ist es wichtig, dass Personen, die re-transitionieren, nicht vom Umfeld oder der Gesellschaft verurteilt werden: «Geschlechtsangleichungsprozesse bilden wichtige Schritte in der persönlichen Entwicklung der entsprechenden Personen. Man sollte also versuchen, zu verstehen und die betroffene Person zu unterstützen. In diesem Sinne geht es nicht um Reue oder Schuld, sondern um Akzeptanz.» Die Gesellschaft solle sich eingestehen, dass es «geschlechtervariante Personen gibt und dass sie Anspruch auf einen menschenwürdigen bio-psycho-sozialen Raum» haben.

«Eine geschlechtsangleichende OP ist irreversibel»

Genitalangleichende Operationen sind laut David Garcia, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter Schwerpunkt Geschlechtervarianz am Unispital Basel, komplexe und mehrstufige Eingriffe, in deren Rahmen die nicht mehr gewünschten Organe entfernt werden. Danach werden mittels plastisch-chirurgischen Techniken geschlechtsangeglichene Organe aufgebaut. Garcia: «Grundsätzlich ist die vermännlichende Operation am Genital komplexer als der entsprechende verweiblichende Eingriff. Gleichwohl muss man aber sagen, dass nicht alle Transpersonen einen genitalangleichenden Eingriff anstreben.»

Laut Richard Fakin, Oberarzt in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Unispital Zürich, ist eine geschlechtsangleichende Operation irreversibel. «Erneute Rekonstruktionen sind grundsätzlich möglich, jedoch mit einem deutlich niedrigeren funktionellen und ästhetischen Resultat verbunden.»

Die Geschlechtsangleichung koste rund 25'000 Franken, so Fakin. Bei erfüllten Kriterien müssen Transpersonen die Kosten jedoch nicht selbst tragen, wie Grégoire Gogniat, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit, sagt. «Wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zur Interpellation Die Rechte von Transmenschen garantieren ausgeführt hat, übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen. Die Leistungen müssen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein. Das gilt auch für die Rückangleichung.»

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