Luca Sbisa: Vom NHL-Verteidiger zum bestbezahlten Junior
Aktualisiert

Luca SbisaVom NHL-Verteidiger zum bestbezahlten Junior

Luca Sbisa wird in dieser Saison zu keinem NHL-Einsatz mehr kommen. Der Verteidiger der Anaheim Ducks wird vorerst in das Junioren-Team der Lethbridge Hurricanes verbannt. Sbisas Agent sucht aber bereits nach einer anderen Lösung.

von
Klaus Zaugg

«Reculer pour mieux sauter» sagen die Welschen («Ein Schritt zurück um weiter zu springen.»). Das gilt mehr denn je für Luca Sbisa (19). Er ist vom NHL-Verteidiger zum bestbezahlten Junior der Welt degradiert worden.

Bei den Anaheim Ducks gehörte Sbisa zu den besten fünf Verteidigern. Das ist unter anderem auch das Urteil von Nationaltrainer Ralph Krueger, der Sbisa kürzlich im Hinblick auf einen möglichen Einsatz mit der Nationalmannschaft beim Olympischen Turnier in Vancouver beobachtet hat. Krueger: «Er war mindestens die Nummer fünf.» Auch die lokalen Beobachter teilen Kruegers Meinung. Sbisa hat nach 8 Spielen (0 Skorerpunkte) mit -1 die drittbeste Plus/Minus-Bilanz der Verteidiger von Anaheim und pro Spiel hatte er 12:37 Minuten Einsatzzeit. Das sind gute Statistiken.

Junioren mental zu wenig robust?

Warum dann die Degradierung? Nun, in der Krise (Anaheim liegt auf dem drittletzten Platz der Western Conference, fünf Punkte ausserhalb der Playoffränge) bewahren auch gute Leistungen nicht vor dem Rausschmiss. Cheftrainer Randy Carlyle hat entschieden, mit den Routiniers aus der Krise herauszukommen. Er setzt in dieser schwierigen Situation auf die Routiniers und erachtet «Junioren» als mental zu wenig robust für Krisensituationen.

Manager Bob Murray hat deshalb entschieden, Sbisa zu den Junioren zurückzuschicken. Denn: Es ist für die Entwicklung von Sbisa immer noch besser, regelmässig bei den Junioren zu spielen als in Anaheim auf der Tribune zu sitzen. Dieses Krisenszenario und der damit zusammenhängende Druck will man Sbisa ersparen. «So ist uns das vom Management in Anaheim begründet worden», sagt Sbisas Agent Andy Rufener gegenüber 20 Minuten Online.

Einsatz im Farmteam nicht möglich

Das hat Konsequenzen fürs Salär: Statt 875 000 Dollar pro Saison verdient jetzt Sbisa noch 87 500 Dollar. Diese 87 500 Dollar entsprechen dem Handgeld bei der Vertragsunterzeichnung, das er auch bei einer Relegation in die Juniorenliga bekommt. Damit ist Sbisa der bestverdienende Junior Amerikas. In den Juniorenligen werden nämlich keine Löhne oder Prämien bezahlt. Dafür sind Kost und Logis (bei einer Gastfamilie) sind gratis. Sbisa darf nicht ins Farmteam in die AHL geschickt werden, weil er noch im Juniorenalter steht. Junioren spielen entweder in der NHL oder in einer der drei grossen kanadischen Juniorenligen WHL, OHL oder QMJHL.

Chancen auf NHL-Rückkehr praktisch gleich null

Grundsätzlich müsste Sbisa eigentlich zu seinem letzten Juniorenteam, zu den Lethbridge Hurricanes in der Western Hockey League (WHL), zurückkehren. Doch Rufener erklärte gegenüber 20 Minuten Online, man strebe einen Trade an um ein anderes Juniorenteam für Sbisa zu finden. Der Grund: Lethbridge stecke auch in einer Krise und zudem würden dort nicht mehr die gleichen Leute arbeiten wie damals, als Sbisa dort spielte.

In dieser Saison kann Sbisa nur noch in die NHL zurückgeholt werden, wenn sein Juniorenteam aus der Meisterschaft ausgeschieden ist. Die Chancen auf eine NHL-Rückkehr in dieser Saison sind damit gleich null. Nächste Saison beginnt Sbisa dann wieder im Trainingscamp von Anaheim - oder bei einem anderen NHL-Team, falls die Rechte von Sbisa im Rahmen eines Spielertausches von einer anderen NHL-Organisation erworben werden.

«Müssen die Situation akzeptieren»

Juniorenhockey statt NHL, Reisen mit dem Bus statt mit dem Flieger, Eine Lohnreduktion von 787 500 Dollar (statt 875 000 nur noch 87 500 Dollar) und schliesslich ein Wohnortswechsel vom sonnigen Kalifornien in den dunklen kanadischen Spätherbst und Winter, Schneeschuhe statt Surfbretter - der Wechsel ist dramatisch. Doch Sbisas Agent Rufener kennt das Geschäft: «Es ist wie es ist und wir akzeptieren die Situation.»

Oder anders gesagt: Jedes Murren, jedes Reklamieren würde die NHL-Karriere von Sbisa beenden. Macht er das Beste aus der Situation, kehrt er nächste Saison in die NHL zurück und er kann nach Ablauf des Vertrages im Sommer 2011 einen Mehrjahresvertrag mit mehr als einer Million Jahresgehalt bekommen. So wie die Welschen sagen: «Reculer pour mieux sauter» («Ein Schritt zurück um weiter zu springen.»).

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