UBS: Vom Paradeplatz an den Strassenstrich
Aktualisiert

UBSVom Paradeplatz an den Strassenstrich

Bald arbeiten Top-Banker neben der Sündenmeile. Der Grund: Die Stadt verlegt ihren Strassenstrich nach Altstetten - in die Nähe eines grossen UBS-Standortes.

von
Sandro Spaeth
Bald Nachbarn? Der neuen Zürcher Stassenstrich kommt wohl bald in die Nähe des grossen UBS-Standortes Altstetten.

Bald Nachbarn? Der neuen Zürcher Stassenstrich kommt wohl bald in die Nähe des grossen UBS-Standortes Altstetten.

Von Zürichs Prestigelage, dem Paradeplatz oder der Bahnhofstrasse, in die Agglo umgesiedelt zu werden, ist bereits Strafe genug. Zur Höchststrafe wird der Umzug allerdings, wenn in unmittelbarer Nähe der neue Strassenstrich entsteht. Dieses droht rund tausend UBS-Bankern.

Die Grossbank gibt bis ins Jahr 2014 an bester City-Lage 27 Standorte auf und verschiebt ihre Mitarbeiter in die Vorstädte. Bereits wurden 500 Banker nach Opfikon verlegt, nach Altstetten in den Klinkerbau hinter dem Bahnhof müssen rund tausend Personen, 750 davon sind bereits eingezogen. Vom Gang in die Peripherie betroffen sind vor allem Einheiten, die keinen oder nur wenig direkten Kundenkontakt haben.

Mit ihrem neuen Arbeitsort verschlägt es einen Teil der UBS-Banker in die Nähe des künftigen Strassenstrichs. Die Stadt Zürich hat am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie ihre Sündenmeile vom Sihlquai in ein braches Industrieareal in Altstetten, zwischen Berner- und Aargauerstrasse, verlegen will. Der Wohnanteil liegt in dieser Zone unter 20 Prozent und in der Nähe finden sich keine Kirchen oder Spielplätze. Dafür beschäftigt die UBS an ihrem Hauptstandort in der Nähe bald 2300 Personen.

Tatsächlich kein Problem?

Findet das Vorhaben der Stadt im Parlament eine Mehrheit, bieten die Damen ihren Service ab kommendem Frühjahr in lediglich rund 500 Meter Distanz zu den Bankern an. Offiziell nimmt es die UBS gelassen. «Die von der Stadt vorgesehene Zone sei durch mehrere Gewerbeliegenschaften und der Europabrücke vom UBS-Standort entfernt», sagt Sprecher Andreas Kern zu 20 Minuten Online. Man gehe deshalb nicht von merklichen Auswirkungen aus. Laut Insidern sind innerhalb der Bank aber auch andere Töne zu hören. Vom Umzug betroffene Mitarbeiter sowie Leute aus dem UBS-Immobilienbereich seien über den Entscheid der Stadt Zürich empört. Man fürchtet Belästigungen.

Dass der Bank die Sache mit dem Strassenstrich nicht gefällt, zeigt dies: Man will das Thema laut Kern im Rahmen der regelmässigen Kontakte mit den Stadtbehörden ansprechen.

Horrende Mieten in der Innenstadt

Weil die Banker ihre Schreibtische in der City räumen, kann die UBS viel Geld sparen. «Die aufgegebenen Räume seien klein, ineffizient und sehr teuer», erklärt UBS-Sprecher Kern. An der Zürcher Bahnhofstrasse sind Jahrsmieten pro Quadratmeter Bürofläche von 800 bis 1000 Franken realität. Weniger prestigeträchtige Lagen in der City kosten 500 Franken. Viel günstiger ist es in Altstätten, wo die Jahresmiete pro Quadratmeter Bürofläche nur mit rund 300 Franken zu Buche schlägt.

Fokus- oder Verrichtungsbox

Der Umzug in die Peripherie ist für die Banker auch was die Büros betrifft ein Abstieg. Statt Alleinherrscher über ihre vier Wände müssen sich die Banker an ihrem Standort in Altstetten mit Grossraumbüros abfinden. «Gewisse Mitarbeiter sind nicht begeistert, ihren Arbeitsplatz in der City aufzugeben», sagt Kern. Es gebe aber auch Leute, welche die moderne Infrastruktur in Altstetten schätzten. Dort haben die Angestellten oft keine fixen Arbeitsplätze mehr, je nach Projekt setzte sie sich unterschiedlich zusammen. Für Sitzungen gibts Kollaborationszonen und um nachzudenken, ziehen sich die Banker ich in «Fokusboxen» zurück.

Gemeinsam zurückziehen werden sich nach der Idee der Stadt Zürich bald auch Freier und Dirnen, in sogenannte «Verrichtungsboxen».

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