Alpen-Arena Andermatt: Vom Polit-Star zum Totengräber?
Aktualisiert

Alpen-Arena AndermattVom Polit-Star zum Totengräber?

Franz Steinegger stellt sich mit seinen Andermatt-Bergbahnen gegen die Ausland-Investoren. Der Urner Polit-Star könnte zum Totengräber der gebeutelten Region werden.

von
Lukas Hässig
Franz Steinegger: «Eine Alternative könnte sein, dass die Andermatt Gotthard Sportbahnen die Anlagen behalten und selber erneuern».

Franz Steinegger: «Eine Alternative könnte sein, dass die Andermatt Gotthard Sportbahnen die Anlagen behalten und selber erneuern».

Franz Steinegger ist ein politisches Urgestein der Schweiz. Als langjähriger FDP-Präsident und dank «Katastrophen-Franz»-Einsätzen hat er bleibende Spuren im kleinen Land hinterlassen.

Nun droht das lebende Denkmal Schaden anzurichten. Als Präsident der Andermatt Gotthard Sportbahnen ist Steinegger der grosse Widersacher von Skistar, einer schwedischen Bergbahn-Investorin. Diese will das Urner Dorf Andermatt mit dem bündnerischen Sedrun zu einer Alpen-Arena verbinden.

Steinegger war einst selbst dafür

Das wäre ganz im Sinne des ägyptischen Investors Samih Sawiris und dessen Andermatter Resort mit Luxus-Eigentumswohnungen. Damit dieses auf Touren kommt, braucht Andermatt dringend neuen Schub als attraktiven Skiort. Selbst Steinegger war anfänglich begeistert. Mit der grossen «Schaukel» in den Alpen «könnten wir das gesamte Skigebiet zusammenbringen», meinte Steinegger vor 2 Jahren, als die Pläne publik wurden.

Sawiris Projekt in Andermatt

Voraussetzung ist, dass alle heutigen Bergbahnbetreiber über ihren Schatten springen. Steinegger ist dazu offenbar nicht bereit. An der Generalversammlung seiner Gotthard-Sportbahnen von Samstag wich Steinegger jedenfalls nicht von seinem grundsätzlichen Widerstand gegen das Schweden-Projekt ab. Dieses sei überdimensioniert, teuer und bringe nachhaltig nur eines: Verluste.

«Am Ende muss eine schwarze Zahl für uns herausschauen», begründete Steinegger nach der GV auf Radio DRS seine Fundamentalopposition. Daran halte er fest, selbst auf das Risiko hin, dass die schwedische Skistar aussteigen würde.

«Katastrophen-Franz» nähme ein Scheitern in Kauf

Das könnte schon bald der Fall sein. Am Wochenende muss das Skistar-Management vor den eigenen Aktionären Red und Antwort stehen. Andermatter Befürworter des Projekts befürchten, dass die Schweden bald den Bettel hinschmeissen könnten.

Unter den Hoteliers im Urner Bergort und einstigen Militär-Stützpunkt macht sich Unmut breit. «Skistar versteht das Business und würde Andermatt eine neue Zukunft als Skiort geben», sagt einer. Steineggers Sportbahnen hingegen hätten die letzten Jahre nicht bewiesen, dass sie im schwierigen Geschäft zu reüssieren wüssten.

Dass sich Steinegger gegen das Schweden-Projekt stemmt, hat laut dem Hotelier vor allem einen Grund: Angst vor Machtverlust. «Die Schweden investieren Dutzende von Millionen, da wollen sie logischerweise auch das Sagen und die Kontrolle über die Einnahmen haben». Dies würde den Einfluss von Steinegger und seiner Gotthard-Bahnen beschneiden.

Soll doch Sawiris bezahlen

In seinem Radio-Interview verteidigte sich Steinegger. Das Problem sei ein fehlendes Gastro-Konzept mit Erfolgsaussichten für die neue Ski-Arena. «Ohne Gastronomie 130 Millionen zu investieren wäre ein Abenteuer», sagte der Ex-Spitzenmann der Freisinnigen.

Geht es Steinegger also nur darum, keine Investitionsleiche in die Alpen zu setzen? Eine andere Aussage im Interview deutet eher auf anhaltenden Machtanspruch hin. Auf die Frage, ob ein Alleingang eine Möglichkeit für ihn wäre, sagte jedenfalls Steinegger: «Eine Alternative könnte sein, dass die Andermatt Gotthard Sportbahnen die Anlagen behalten und selber erneuern».

Von wo das benötigte Geld kommen könnte, schob Steinegger gleich selbst nach. Resort-Investor Sawiris könne ja kein Interesse daran haben, wenn der Zubringer zur «grossen Schaukel» zwischen Andermatt und Sedrun nicht mehr richtig funktionieren würde.

Da blitzte die ganze Schlauheit des gestandenen Innerschweizer Politikers auf. Der Urner weiss aus langjähriger Polit-Erfahrung, die eigene finanzielle Schwäche so zu nutzen, dass zuletzt andere die Rechnung bezahlen.

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