Shaqiri und Drmic: Vom Pool in Brasilien in den St. Galler Regen
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Shaqiri und DrmicVom Pool in Brasilien in den St. Galler Regen

Nach der 4:0-Gala gegen Litauen sprechen die Protagonisten von einem perfekten Abend und ein Duo erinnert sich an die WM und Szenen am Swimming-Pool.

von
Eva Tedesco & Sandro Compagno

Der Himmel über St. Gallen hatte seine Schleusen geöffnet. Es regnete von der ersten Minute in Strömen. Etwas länger dauerte es, bis die litauische Defensive durchlässig wurde und schliesslich auch die Schleusen öffnete. In der 66. Minute «wischte» Goalie Giedrius Arlauskis einen Eckball ins eigene Tor, nachdem er von Josip Drmic entscheidend gestört worden war.

Der Leverkusen-Stürmer feierte, als wäre er der Torschütze und riss sich das Trikot vom Oberkörper. Darunter kam ein Shirt mit einer Botschaft zum Vorschein. In einem aufgemalten Herz stand das Wort «Magi». Drmic löst nach dem Spiel auf: «Das ist der Name meines Onkels. Er ist krebskrank und es geht ihm nicht so gut. Darum wollte ich ihn grüssen.» Im Wissen dafür die Gelbe Karte zu kassieren? «Ja, das war mir klar und es war mir egal.»

Ein perfekter Abend

Lediglich zwei Minuten später erhöhte Fabian Schär zum 2:0. «Es ist schön, wenn man persönlich zum Sieg beitragen kann. In dem Moment bin ich einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gestanden», so der FCB-Abwehrchef, der nun auf die tolle Quote von 4 Toren in 9 Länderspielen kommt. «Wir hätten noch höher gewinnen können, denn Chancen für mehr Tore waren zur Genüge da», so Schär weiter, ist aber dennoch zufrieden. «Mit vier Toren und einem zu null hinten darf man zufrieden sein und auch einmal sagen, dass wir sehr gut gespielt haben.»

Drmic spricht sogar von einem perfekten Abend. Abgesehen davon, dass er beim 1:0 nicht als offizieller Torschütze aufgeführt wurde. Trotzdem kann er mit Fug und Recht von einem für ihn gelungenen Abend sprechen. Drmic auf Shaqiri hiess es in der 80. Minute. «XS» (1,69 Meter) traf mit Köpfchen zum 3:0. Drmic auf Shaqiri hiess es zehn Zeigerumdrehungen später wieder: Diesmal nahm Shaqiri die Hacke zum 4:0. Zauberhaft das Duo - Zaubertore im Doppel.

Shaqiri als Kopfball-Ungeheuer

«Ich erinnere mich da an die WM in Brasilien, da haben wir schon einmal gezeigt, dass wir ein gutes Duo sind« sagt Drmic zum Zusammenspiel mit Shaqiri. Das Facebook-Video zur Erinnerung: Shaqiri flankt barfuss am Pool des Teamhotels in Porto Seguro, Drmic trifft den Ball perfekt per Fallrückzieher - und landet im Wasser. Im Spiel darauf gegen Honduras (3:0) lief es wie gegen Litauen: Drmic legte zweimal vor und Shaqiri traf doppelt. Offenbar klappts auch ohne Pool, Josip Drmic? «Mit dem Regen ist es auch ein wenig Swimming-Pool gewesen», lacht der Stürmer.

Und Shaq? «Ich hatte jede Menge Zeit und Platz vor dem 3:0 und das kommt im Strafraum nicht so häufig vor», sagt der Doppeltorschütze, und sein Strahlen hätte das ganze Stadion auch ohne Flutlicht ausgeleuchtet, «ich bin schon ein bisschen stolz auf mein Kopfballtor, denn so viele habe ich bisher nicht gemacht.» Kopf, Übersteiger, Hacke – geht's auch einfach? «Doch, doch», sagt der kleine ex Bebbi und lacht, «ich nehme auch die einfachen». Shaqiri freut sich über Lob, aber hebt die Mannschaftsleistung des Abends hervor.

Gala zum Abschluss

«Jeder ist für jeden gelaufen. Wir haben gekämpft und dem Gegner keine Chance zugestanden. In der zweiten Halbzeit haben wir sie regelrecht an die Wand gespielt», so der Bayern-Söldner, der in der Nati in 41 Einsätzen auf 15 Tore kommt. «Wir haben alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Das war nicht nur ein schöner Abschluss der Pflichtspiele im 2014, vielmehr können wir bis März beruhigt auf die Tabelle schauen und uns über Platz 2 freuen.»

Mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen hat die Nati das letzte Punktspiel des Jahres ausgetragen. Am Dienstag beendet die Equipe von Trainer Vladimir Petkovic das WM-Jahr 2014 mit einem freundschaftlichen Länderspiel in Polen definitiv.

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