«Deep Throat»: Vom Pornostar zum Immobilienmakler
Aktualisiert

«Deep Throat»Vom Pornostar zum Immobilienmakler

Berühmt wurde er, weil ein anderer nicht auftauchte: Herbert Streicher alias Harry Reems wurde mit dem Pornostreifen «Deep Throat» weltberühmt. Jetzt ist er im Alter von 65 Jahren gestorben.

von
gux

Eigentlich arbeitete Harry Reems als Beleuchter am Set des Pornofilms «Deep Throat». Als ein Schaupsieler ausfiel, sprang er ein – und wurde als «Dr. Young» weltberühmt. Seine Gage: 250 Dollar.

Körperliche Vorzüge und Geldnot hatten Reems, mit bürgerlichem Namen Herbert Streicher, zur Pornobranche gebracht. 1947 in Brooklyn geboren, ging er zunächst zum Militär und spielte nach seiner Rückkehr in New York Theater. Nach «Deep Throat» haftete das Image des Pornodarstellers an ihm. «Die Schauspielerei war meine wahre Liebe, aber ich habe sie begraben, als ich zum Pornofilm kam», sagte Reems gemäss «Washington Post» einst.

Der Film sorgte 1972 für riesigen Wirbel, zumal der Porno auf dem Höhepunkt der sexuellen Revolution zum Kassenschlager avancierte und sich so zum Politikum entwickelte. Kinobesitzer, Verleiher und Filmteam wurden mit Strafanzeigen eingedeckt.

Erster US-Schauspieler hinter Gittern

Auch Reems bekam das zu spüren: Er wurde 1976 wegen der Mitwisserschaft bei der Verbreitung von Obszönitäten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er war der erste US-Schauspieler, der für seine Arbeit hinter Gitter sollte.

Hollywoodstars wie Jack Nicholson, Warren Beatty und Gregory Peck sammelten das Geld für Reems Anwaltskosten und ermöglichten ihm ein neues Verfahren. In dessen Verlauf wurde die Anklage schliesslich zurückgezogen.

Er lebte auf der Müllhalde

Doch der persönliche Schaden blieb: Während er in Memphis auf seinen Prozess wartete, begann Reems zu trinken. In Zeitungsinterviews bekannte er sich später zu einem «Zwei-Liter-Wodka«-Konsum pro Tag und dem zeitweiligen Leben hinter einem Müllplatz von Malibu.

Ein Zwölf-Stufen-Programm gegen die Alkoholsucht und die Ehe mit einer streng religiösen Frau holten Reems schliesslich aus der Gosse. Allerdings wandte er sich nach einer Weile von der Kirche ab und beschränkte sich auf Meditation und Gebete. Zuletzt verdiente er seinen Lebensunterhalt als erfolgreicher Makler im Mormonenstaat Utah.

100 Hardcore-Filme

Nach Angaben der «Los Angeles Times» ist er in insgesamt hundert Hardcore-Filmen mit klingenden Namen wie «Ginger's Sex Asylum», «Too Naughty To Say No» oder «Indecent Itch» zu sehen.

Seinen Porno-Schauspielnamen legte Harry Reems sein Leben lang nicht ab. «Niemand unter 50 Jahren weiss noch, wer ich bin», sagte er in einem Interview mit dem «New York Magazine». «Es sei denn, dieser jemand ist ein Porno-Historiker, was ziemlich krank wäre.»

Reems starb am Dienstag im Alter von 65 Jahren. Die Ursache für seinen Tod ist unbekannt. Gemäss Medienberichten kämpfte Reems zuletzt gegen Bauspeicheldrüsenkrebs. (gux/sda)

Klitoris im Hals

In dem Film «Deep Throat» geht es um eine sexuell frustrierte Frau (gespielt von Linda Lovelace), die Rat bei einem Arzt (Harry Reems) sucht. Dieser stellt die Diagnose, dass sich die Klitoris seiner Patientin in ihrer Kehle befindet und macht sich daran, dies zu demonstrieren. Den Rest kann Mann sich vorstellen. (Bild: Wikipedia.com)

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