Aktualisiert 07.01.2008 08:28

Vom Rebellen zum Werbeträger

Was haben Angelina Jolie, Josef Stalin und Thomas Edison mit jedem fünften US-Bürger zwischen 26 und 40 Jahren gemeinsam? Sie alle haben sich tätowieren lassen.

Spätestens seit Filmstars ihre Tattoos freimütig zur Schau stellen, ist das einstige Symbol der Rebellion salonfähig geworden. Die zunehmende Beliebtheit der dauerhaften Hautbemalung machen sich auch Werbeagenturen zunutze, der Körper wird zum Werbeträger.

Für die Werbung auf nackter Haut wird immerhin ein nicht permanentes Tattoo mit einem Firmenlogo, Slogan oder einer Internet-Adresse an einer gut sichtbaren Stelle des Körpers platziert. In den USA werden inzwischen Reifen, Schuhe, Wein und Energy-Drinks auf diese Weise vermarktet.

Die Einzelhandelskette 7-Eleven versucht beispielsweise mit dem Verkauf des Energy Drinks «Inked» gezielt Kunden mit einer Tätowierung anzusprechen. Das Getränk soll künftig bei Motorradrennen und speziellen Tattoo-Veranstaltungen verkauft werden. Während hier die Tätowierung nur die Ware schmückt, machen andere Unternehmen den Kunden mittels Tattoo selbst zum Werbeträger: Seit drei Jahren bietet der Reifenhersteller Goodyear's Dunlop ein kostenloses Reifenpaket demjenigen an, der sich ein Firmen-Logo auf seinen Körper tätowieren lässt.

Schon 98 Personen haben sich dazu bereiterklärt. Einige von ihnen sind treue Kunden, andere wiederum ganz einfach Tattoo-Fans, wie Produktmanagerin Janice Consolaction erklärt. Ein Mann meldete sich in diesem Jahr bereits zu seinem dritten Dunlop-Tattoo.

Tätowierte Grossstadt-Muttis statt harte Biker

Nach Meinung von Nathan Lin, Tätowierungskünstler und Organisator der jährlichen Boston Tattoo Convention, spiegeln die Sponsoren der Veranstaltung den demographischen Wandel der Tattoo-Kultur in den USA wider. «Das klischeehafte Bild der harten, tätowierten Biker hat sich geändert», sagt Lin. «Heute denken die Leute an tätowierte Grossstadt-Muttis.»

Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass gut jeder Dritte (36 Prozent) der 18- bis 25-Jährigen in den USA mindestens ein Tattoo hat, während sich sogar 40 Prozent der älteren Generation zwischen 26 und 40 Jahren mit einer Tätowierung schmücken. In den USA seien Tätowierungen früher nur mit Soldaten in Verbindung gebracht worden, sagt Vince Hemingson, Autor, Dokumentarfilmemacher und Betreiber der Website Vanishing Tattoo. Das habe sich aber gründlich geändert: «Ich würde sagen, dass es (das Tätowieren) den Grossteil seines sozialen Stigmas verloren hat.» In den 80er Jahren waren in den USA demnach tätowierte Rockstars zu sehen, später auch deren Freundinnen aus dem Model-Business. Die jungen Frauen, die als Schönheitssymbole galten, zeigten offen ihre Tattoos.

Dass sich mit Tätowierungen mittlerweile alle Schichten der Gesellschaft anfreunden können, unterstreicht ein von einem Anwalt veröffentlichtes Buch. «INKED Inc., Tattooed Professionals» zeigt Bilder von Ärzten, Anwälten und anderen Führungskräften in normaler und mitunter auch freizügiger Kleidung, damit ihre grossflächigen Tattoos zur Geltung kommen. Mit dem Buch wollte Anwalt David Kimelberg nach eigenen Angaben zeigen, welcher enormen Beliebtheit sich Tattoos derzeit in der Geschäftswelt Amerika erfreuen - denn «der Rest der Welt holt schliesslich auf.» (dapd)

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