Schumis Comeback-Saison: Vom Regengott zum Wasserträger?
Aktualisiert

Schumis Comeback-SaisonVom Regengott zum Wasserträger?

Während Nico Rosberg im Rennen um den WM-Titel mitfährt, muss Michael Schumacher um den Anschluss kämpfen. Nach dem verregneten China-GP schwimmen dem Rekordweltmeister allmählich die Felle davon.

von
Herbert Schraml
Philipp Reich
Spielt Michael Schumacher bald die zweite Geige bei Mercedes?

Spielt Michael Schumacher bald die zweite Geige bei Mercedes?

Nur 10 Punkte nach vier Rennen: So sieht die Zwischenbilanz von Michael Schumacher in seiner Comeback-Saison aus. Obwohl der Rekordweltmeister seine Anhänger von Anfang an gewarnt hatte, dass es eine gewisse Zeit brauchen würde, «bis der Rost abgeklopft ist», hätten sich doch viele Fans mehr von ihm erwartet. Und tatsächlich: Zumindest im (vorigen) Grand Prix in Malaysia sah es nicht schlecht für ihn aus, bis ihn eine defekte Radmutter von Platz sechs aus dem Rennen riss. Trotzdem zeigte die Formkurve leicht nach oben. Doch dann kam das Rennen in China.

Als er 2006 zum letzten Mal am Grand Prix im Reich der Mitte teilgenommen hatte, konnte Schumi ihn noch für sich entscheiden. Gestern schaute nur ein magerer 10. Platz heraus – und das, obwohl das Rennen hauptsächlich im Regen ausgetragen wurde, einem Element, in dem sich der Deutsche bisher immer wohl gefühlt hatte. Nicht von ungefähr hatte man ihm den Titel «Regengott» gegeben. Doch in Schanghai kaufte ihm einmal mehr sein Teamkollege den Schneid ab. Während Rosberg für seine schnellste Runde 1:43.245 Minuten benötigte, brauchte Schumacher 1:44.298 Minuten. Das ist ein Unterschied von mehr als einer Sekunde – und bedeutet in der Formel 1 Welten.

Schumi: «Keinen guten Job gemacht»

Norbert Haug, Sportchef bei seinem Arbeitgeber Mercedes, führt laut Motorsport-total.com das Problem beim China-GP auf ein verzogenes Chassis und nachlassende Reifen zurück. «Ich habe keinen guten Job gemacht», analysierte auch Schumacher sein Rennen selbstkritisch. «Definitiv war das Rennen ein Pokerspiel. Die Reifen richtig zu positionieren, war heute für mich das Schwierigste.» Unzimperlich fällt dann auch das Fazit von Experten aus. «Schumi hat eine schwache Leistung im Vergleich zu Nico gebracht», meinte Ex-Weltmeister Niki Lauda. «Er muss hart an sich arbeiten.»

Kommt die «Stallorder» bei Mercedes?

Bis zum Europa-Auftakt in drei Wochen erhofft man sich bei Mercedes mit einem Update am Auto einen Sprung nach vorne. Wie gross dieser ausfallen wird, hängt freilich auch von den Fortschritten der Konkurrenz ab. Trotzdem stellt sich die Frage, wie man teamintern mit der Situation umgehen soll. Denn aktuell liegt Nico Rosberg mit 50 Punkten auf Rang 2 der WM-Wertung, während Schumacher mit 10 Punkten nur auf Rang 10 zu finden ist. Wird der Kerpener mangels schwindender WM-Chancen zum Wasserträger für seinen jungen Teamkollegen degradiert? Obwohl es bei den Formel-1-Teams offiziell keine Stallorder mehr gibt, so gibt es doch mehr oder weniger vorteilhafte Situationen während eines Rennens selbst, zum Beispiel der Zeitpunkt des Boxenstopps. Die nächsten Rennen werden zeigen, ob Schumacher zu seiner alten Form zurückfindet und wie Mercedes reagieren wird.

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