02.01.2016 08:59

Georg HänggiVom Sportinvaliden zum Fitness-Guru

Georg Hänggi kennt nur den Blick nach vorn. Trotz Fast-Bein-Amputation und Herzinfarkt gibt er jeden Tag Trainings und eröffnete jüngst ein neues Fitnessstudio.

von
mak

Während andere in seinem Alter beginnen, den Rentneralltag zu planen, gibt Georg Hänggi sportlich Vollgas: Der 62-jährige Basler ist Tae-Bo-Instruktor, eine Fitness-Sportart, die sich aus Elementen verschiedener asiatischer Kampfsportarten zusammensetzt. Vor zwei Monaten hat er ein neues Trainingszentrum in Birsfelden eröffnet. «Ich habe mir noch nie überlegt, dass meine Pension vor der Tür steht», sagt Georg Hänggi.

Es sei ein logischer Schritt gewesen. «Der Platz im anderen Studio in der Freien Strasse war schon seit Jahren knapp. Aber erst jetzt haben wir etwas Passendes gefunden.» Die Räumlichkeiten teilt er mit seiner Freundin, die eine Massage-Praxis betreibt. Bevor Hänggi in den 80er-Jahren in die Fitnessbranche einstieg, war er als Bauleiter tätig. Unter anderem arbeitete er in Saudi-Arabien für den Bruder von Osama bin Laden.

Während dieser Zeit ereignete sich für Hänggi ein folgenschwerer Unfall. «Ein eineinhalb Tonnen schwerer Kran fiel um und krachte auf mein Bein.» Noch heute zeugen zahlreiche Narben von der Zertrümmerung des Schienbeins. Dass er sein Bein noch hat, verdankt er einem Schweizer Camp-Arzt. «Die arabischen Ärzte waren schon dabei, die Amputation meines Beines einzuleiten, als ein Schweizer Arzt dies verhinderte und meinen Transport mit der Rega in die Schweiz organisierte.»

Ein zweiter Schicksalsschlag

Zurück in der Schweiz wurde Hänggis Bein insgesamt 16-mal operiert. Seitdem hat er sich zurück ins Leben gekämpft. Zusammen mit seiner Freundin baute er am Zürichsee ein Fitnesscenter auf, als es noch kaum welche gab. Später verkaufte er dieses und kam zurück nach Basel, um in einer grossen Fitnesscenter-Kette in der Administration zu arbeiten. Als in der Freien Strasse eine Kung-Fu-Schule schloss, sah er seine Chance gekommen. «Ich hatte schon früher Tae-Bo-Kurse gemacht und wollte dieses Training nach Basel bringen», so Hänggi.

Das Geschäft lief gut, aber die Gesundheit machte Hänggi Probleme: Vor drei Jahren erlitt er einen Herzinfarkt. «Ich habe es im Moment, als er passierte, eigentlich gar nicht realisiert», so Hänggi. Die Diagnose war ein Schock. Trotzdem stand er nur zwei Wochen nach Vorfall wieder auf der Matte und leitete Trainings. Einzig das Rauchen hat er als Folge davon stark reduziert.

Kurse für Jugendliche

Hänggi schaut nicht zurück. In seinem neuen Studio in Birsfelden tüftelt er an neuen Trainingsangeboten. «Kürzlich hat mir eine Freundin erzählt, dass ihre jugendliche Tochter die Fitness-Kurse zwar toll finde, sich aber unter den vielen älteren Teilnehmern nicht wohl fühle.» Nun plant Hänggi einen Kurs explizit für unter 20-Jährige. Ob er diese auch selber leiten wird, weiss er noch nicht. «Ich stehe pro Woche fast 16 Stunden auf der Bühne und

leite Trainings. Ich denke, in Zukunft werde ich wohl ein bisschen

reduzieren müssen.»

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