Josef Ackermann: Vom Strahlemann zum Buhmann
Aktualisiert

Josef AckermannVom Strahlemann zum Buhmann

Der Schweizer Josef Ackermann verlässt die Deutsche Bank. Es war eine Managerkarriere wie im Roman: Milliardengelder, Gerichtsklagen und Attentate im Epizentrum der Macht.

von
Elisabeth Rizzi

Als Josef (kurz: Joe) Meinrad Ackermann am 7. Februar 1948 in der tiefsten Schweizer Provinz das Licht der Welt erblickte, lag die Perspektive auf eine Karriere im innersten Zirkel der Geldmacht so fern wie die Landung auf dem Mond. Aber beides, so wurden wir eines Besseren belehrt, ist längst Realität.

Auf den Mond setzte der erste Mensch schon 1969 seinen Fuss. Und der Walenstädter Sprössling eines Landarztes packt am heutigen Tag seine Habseligkeiten in Frankfurt, um als einer der einflussreichsten, aber auch umstrittensten Schweizer Banker auf dem internationalen Parkett der Hochfinanz seinen Sessel als Chef der Deutschen Bank zu räumen.

Immer grössere Fussstapfen

Ackermanns Karriere gleicht der eines Kometen; steil und glühend. Der St. Galler studierte bis 1973 an der Universität St. Gallen (HSG) Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und promovierte später über den «Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen». Bis 1989 fügte er sich zwar noch als Lehrbeauftragter für Geldpolitik und Geldtheorie an der HSG bestens in die hierzulande favorisierte Rolle des Durchschnittsbürgers ein.

Aber ab 1993 begannen seine Fuss-Stapfen mit jedem Jahr grösser zu werden. Dann nämlich wurde er zum Vorsitzenden der Schweizerischen Kreditanstalt SKA (heute Credit Suisse) gewählt. In seine Amtszeit fiel die Übernahme der Schweizerischen Volksbank.

Kleine Geste mit grosser Wirkung

1996 wechselte Ackermann zur Deutschen Bank. Im September 2000 wählte ihn der Vorstand zum Nachfolger von Rolf E. Breuer als Vorsitzenden der Konzernleitung. Diese Funktion trat der Schweizer mit dem ambitiösen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent nach einer ungewöhnlich langen Übergangsfrist per 2002 an.

Nur ein Jahr später hat ihn das Schweizer Fernsehen mit dem Swiss Award der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet. Doch schon 2004 legten sich erste Schatten auf die Strahlekarriere. Beim Mannesmann-Prozess ging das Bild Ackermanns mit Victory-Pose (zwei hochgestreckte Finger) um die Welt. Begleitet hatte der Banker die Geste mit der Aussage: «Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.» Im Verfahren ging es um Prämienzahlungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahre 2000.

Unter anderem wurde Joe Ackermann vorgeworfen, als Mitglied des Aufsichtsratsausschusses für Vorstandsangelegenheiten (Präsidium) der früheren Mannesmann AG im engen zeitlichen Zusammenhang mit deren Übernahme durch das britische Telekommunikationsunternehmen Vodafone Airtouch plc Untreue zum Nachteil der Mannesmann AG begangen zu haben. Ackermann soll unrechtmässig freiwillige Sonderzahlungen und die Abgeltung von Pensionsansprüchen ermöglicht haben. Der Prozess endete nach einer zweiten Auflage 2006 damit, dass Ackermann eine Vergleichszahlung in der Höhe von 3,2 Millionen Euro leisten musste. Ackermann erhielt damals den Ruf des «meist gehassten Managers Deutschlands».

Das Attentat

Danach hatte Ackermann keine Ruhe mehr. Die Finanz- und Euroschuldenkrise brach über die Welt und sein Geldinstitut herein mit desaströsen Auswirkungen auf die Ergebnisse der Bank. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet der Banker, als ausgerechnet er als «Verkörperung des Kapitalismus» nach einer Staatsintervention zur Rettung der Banken aufrief.

Am 9. Dezember 2011 entging Ackermann einem Attentat. Eine an ihn adressierte Paketbombe der italienischen Anarchistengruppe Federazione Anarchica Informale konnte rechtzeitig entschärft werden. Die nachfolgende Bilderstrecke zeigt weitere Stationen in Ackermanns bewegter Karriere.

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