European Futurists Conference Lucerne, Teil 3: Vom Strassendieb zum globalen Gangster
Aktualisiert

European Futurists Conference Lucerne, Teil 3Vom Strassendieb zum globalen Gangster

Im dritten Teil zur European Futurists Conference Lucerne spricht Nils Gilman, Berater der Monitor Group, über die politische Macht von kriminellen Banden und warum man sie ernst nehmen sollte.

von
Marc Bodmer

Im Vergleich zur normalen Wirtschaft wächst die Schattenwirtschaft doppelt so schnell. Welche Faktoren tragen zu diesem Wachstum bei?

Nils Gilman: Schmuggel, illegaler Handel und transnationale, kriminelle Organisationen hat es immer gegeben. Mit Ausnahme des Drogenhandels waren die meisten dieser illegalen Wirtschaften bis vor nicht allzu langer Zeit lokal beschränkt. Seit Anfang der Neunziger hat es eine schnelle Integration dieser Märkte gegeben – sowohl aus politischen als auch technischen Gründen. So wie diese Veränderungen zur Globalisierung des legalen Handels beigetragen haben, erhoben sie manchen kleinen Strassendieb zum globalen Gangster.

Welche Rolle spielen dabei die Staaten?

Gilman: Mit dem Rückzug der Regierung aus ihrer Führungsrolle in vielen Wirtschaftsbereichen und dem Niedergang der Kapazitäten und Autorität der Staaten öffneten sich Spielräume, die ich «deviante Globalisierung» nenne: Menschenhandel, Waffenhandel, Organ- und Drogenhandel, Piraterie etc.

Gibt es Parallelen zwischen der illegalen und der legalen Wirtschaft?

Gilman: Die Struktur der aktuellen globalen Wirtschaft belohnt opportunistische und risikofreudige Innovatoren. Es ist nur logisch, dass die illegale Wirtschaft einen grossen Wachstumsbereich darstellt, wird sie doch angeführt von opportunistischen, risikofreudigen Unternehmern. Würde man ein Portfolio der illegalen Geschäftsbereiche zusammenstellen, so würde dieses bei weitem den Anlagemöglichkeiten der Wall Street den Rang ablaufen.

Globalisierung reisst die traditionellen nationalen Strukturen nieder und bietet Kriminellen die Möglichkeit, das Vakuum zu füllen. Lässt sich dieser Prozess stoppen?

Gilman: Als erstes müssen die Regierungen merken, dass das Wachstum der illegalen Wirtschaft weder ein kleines Ärgernis ist, noch etwas, das einfach ausgelöscht werden kann. Es ist vielmehr Teil der gegenwärtigen Weltordnung und braucht aktiv angegangen zu werden.

Und wie?

Gilman: Grundsätzlich machen Regierungen und NGO zwei Fehler: Der erste ist, dass das Problem ignoriert oder heruntergespielt wird. Zweitens, dass man die kriminellen Mitspieler auslöschen oder sonst wie vom legalen Geschäft fernhalten kann. So lange wir gewaltige Ungleichheiten von Macht und Reichtum mit dem Wunsch nach Kontrolle über den Fluss gewisser Güter und Dienstleistungen verbinden, wird es endlos viele Leute geben, die bereit sind, genau diese Güter, Menschen und Dienstleistungen für einen entsprechend hohen Preis zu liefern. Den Herausforderungen der globalen Schattenwirtschaft begegnet man am besten mit einer regelnden Grundstruktur, nicht mit Strafverfolgung. Natürlich gleicht ein solcher Ansatz einem Schlag ins Gesicht derer, die diese Probleme als eine Frage der Moral verstehen.

Die alten Strukturen verschwinden, aber das menschliche Bedürfnis für sie bleibt weiter bestehen. Wie fallen die Nachwirkungen der Globalisierung aus?

Gilman: Eine sehr gute Frage, und natürlich weiss das niemand. Einmal abgesehen von einer Erhöhung der Kapazität und Legitimation der weltweiten Regierungsinstitutionen, muss ich sagen, dass davon nicht wirklich etwas zu sehen ist. Es sollten grosse Anstrengungen gemacht werden, um die Widerstandskraft von Regionen, urbanen Gebieten und kleinen Gemeinschaften zu steigern, damit sie so selbstversorgend wie möglich sein können, ohne sich vom grösseren globalen System abzukoppeln. Es gilt, lose verbundene Systeme zu bauen, die eine Integration ohne Abhängigkeit ermöglichen.

Sind die negativen Folgen weltweiter Natur oder gibt es gewisse Länder, die verstärkt davon betroffen sind?

Gilman: Es ist ein globaler Trend, aber einer, der die verschiedenen Regionen auf verschiedene Arten trifft. Länder, die zu einer devianten Globalisierung neigen, haben «familiäre» Gemeinsamkeiten: ein schwacher oder aufgesplitterter Staat, schlecht bewachte Landesgrenzen und ein grosses Angebot oder eine grosse Nachfrage an Gütern mit zweifelhaften moralischen Qualitäten.

Was heisst das genau?

Gilman: Drogen, Antiquitäten, wertvolle Mineralien, exotische Tiere, menschliche Organe, Sex, Öl, hoch angereichertes Uran und so weiter. Führend im Bereich der devianten Globalisierung waren wahrscheinlich Russland, Nigeria, Brasilien, China und die USA, wobei der heute «abwegigste Ort» der Irak sein dürfte.

Lässt sich der Effekt so klar geografisch umreissen?

Gilman: Nein, Staatsgrenzen haben keine Bedeutung. Der Einfluss reicht von den Innenstädten der USA über die Favelas in Rio de Janeiro bis zu den Banlieus von Frankreich. Die Spur des Kokains führt von den Bergen Kolumbiens zu den Slums von São Paulo, übers Wasser nach Westafrika zu den gepuderten Nasen von Touristen in Holland. Man findet Ausdrücke davon in jeder Stadt und in jedem Haushalt, der eine Verbindung zum globalen Handel hat. Die deviante Globalisierung ist untrennbar mit der Weltwirtschaft verbandelt.

Sie sehen die Kriminellen als eine politische Macht. Warum?

Gilman: Der politische Prozess, der der devianten Globalisierung zu Grunde liegt, ist die Auflösung der Staatsmacht, der Kräfte, die mit einem modernen, liberalen Staat in Verbindung gebracht werden. In vielen Orten ist der Staat nicht mehr die de facto regierende Autorität, im Sinne, dass er nicht länger politische Grundgüter wie Sicherheit, Infrastruktur, Ausbildung oder das Gesundheitswesen bereitstellt. Verschiedene Teile dieses Pakets haben nun andere Akteure übernommen: Stammesführer, Gangster, NGO, religiöse Führer, Söldner etc.

War das nicht immer so?

Gilman: Neu ist, dass diese «politischen Akteure» kein Interesse daran haben, staatlich zu werden oder einen bestehenden Staat zu führen. Sie sind zufrieden damit, eine staatsartige Autorität innezuhaben und sich mit dubiosen Geschäften zu bereichern. Ich denke dabei an die Mahdi Armee im Irak, die PCC in Brasilien und die 'Ndrangheta in Italien.

Anscheinend soll die 'Ndrangheta 44 Milliarden Euro im vergangenen Jahr verdient haben und ist weit grösser als die berühmtere Mafia. Was geschieht mit all dem Geld und wie beeinflusst es die Zukunft – in diesem Fall von Italien?

Gilman: Der Fall der 'Ndrangheta aus Kalabrien oder noch besser der Camorra in Neapel zeigt illustrativ wie die legale und illegale weltweite Wirtschaft untrennbar miteinander verbandelt sind. Das entscheidende dieser lockeren Organisationen ist, dass sie nicht nur den Drogen- und Menschenhandel in der Region beherrschen, sondern einen grossen Teil der legalen Wirtschaft wie kleine Fabriken, Müllabfuhr, Häfen, Baufirmen etc. Es gibt in Italien kein Geschäft, bei dem sie nicht die Finger im Spiel haben. Die legalen Geschäfte erhalten Kapital aus illegalen Handlungen und helfen die kriminellen Gewinne zu waschen. Hin und wieder sagen Leute, dass wirtschaftliche Entwicklung die «Lösung» der Korruption in Süditalien wäre, aber tatsächlich ist die Korruption die Entwicklung von Süditalien.

Nils Gilman, Berater der international tätigen Monitor Group, wird an der 4. European Futurists Conference Lucerne, 26.–28. Oktober 2008, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern zur sprechen. Mehr Informationen unter www.european-futurists.org, Mehr Informationen unter www.european-futurists.orgIn unserem der Serie zur European Futurists Conference Lucerne äusserte sich bereits Anders Berntell, Direktor des Stockholm International Water Institute zu . Im äusserte sich Roland Kaestner, Oberst im Generalstab und Leiter des Bereiches Strategische Zukunftsanalyse am Zentrum für Transformation der Bundeswehr, zum .

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