Krebs: Vom Tabu zum Thema
Aktualisiert

KrebsVom Tabu zum Thema

Jeder dritte Mensch in der Schweiz erkrankt im Laufe seines Lebens einmal an Krebs.

von
Claudia Hoffmann
Krebs in der Brust – man redet darüber und zeigt Solidarität. (Bild: Istock)

Krebs in der Brust – man redet darüber und zeigt Solidarität. (Bild: Istock)

Während heute mehr als die Hälfte der Betroffenen geheilt wird, bedeutete diese Diagnose vor hundert Jahren noch den sicheren Tod.

Wie die Menschen damals und heute mit der Krankheit umgingen, zeigen zwei Bücher, die die Krebsliga Schweiz zu ihrem 100-jährigen Jubiläum herausgegeben hat.

Bis weit in das letzte Jahrhundert hinein fehlten wirksame Behandlungen, Erkrankte starben langsam und qualvoll. Die Angst vor der Krankheit war so gross, dass Krebs tabuisiert wurde. Unter keinen Umständen sollten die Betroffenen erfahren, woran sie litten: Ärzte verschwiegen die Diagnose, mieden Begriffe wie «Krebs» oder «Tumor». Dies geschah einerseits, um die Erkrankten zu schonen, lag aber auch am autoritären Verhältnis zwischen Arzt und Patient. «Es fehlte eine Beratungskultur», sagt Daniel Kauz, der ein Buch zum Thema geschrieben hat. Die «Götter in Weiss» hätten durch ihr Schweigen auch ihr eigenes Gesicht wahren wollen. Denn erst in den 1970er-Jahren gab es wirksamere Therapien, und die Ärzte begannen, ihre Patienten gleichberechtigt zu behandeln und zu informieren. Die Patienten ihrerseits gründeten die ersten Selbsthilfegruppen – Krebs wurde zum Thema.

Auch wenn die Diagnose heute für die Betroffenen und ihr Umfeld noch immer ein Schock ist, gehen die meisten offen mit der Krankheit um. Was das bedeutet, zeigt die Wissenschaftsjournalistin Irène Dietschi in einer Porträtsammlung.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Bücher zu Krebs

Daniel Kauz, «Vom Tabu zum Thema? 100 Jahre Krebsbekämpfung in der Schweiz ­1910–2010», Schwabe, 267 ­Seiten, 58 Franken.

Irène Dietschi, «Krebs. ...und das Leben geht weiter», Orell Füssli, 160 Seiten, 39 Franken.

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