Euro: Vom «Teuro» zum Rettungsanker
Aktualisiert

EuroVom «Teuro» zum Rettungsanker

Mitten in der Finanzkrise steigt das Ansehen des Euro – rechtzeitig zum zehnten Jubiläum. Die Gemeinschaftswährung erweist sich als stabil.

Die zunächst vielfach geschmähte Einheitswährung, bisweilen als «Teuro» gebrandmarkt, wird in turbulenten Zeiten zum Rettungsanker. Er bietet Schutz vor abrupten Wechselkursschwankungen. Neue EU-Länder in Mittel- und Osteuropa stehen dem Euro weniger skeptisch gegenüber als noch vor einem Jahr.

Die Slowakei hat ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Schulden und Inflation in den Griff bekommen. Sie gibt als erstes Land des früheren Ostblocks ab Januar Euro und Cent aus. Damit umfasst die Euro-Zone neu 16 EU-Länder mit knapp 329 Millionen Einwohnern. Grossbritannien, Dänemark und Schweden verzichten bislang bewusst auf den Euro.

Noch kein Siegeszug

Von einem Siegeszug des Euro in den Ländern, die ab 2004 zur EU stiessen, kann nicht die Rede sein. Vor der Slowakei bekamen nur das kleine Slowenien, das zum früheren Jugoslawien gehörte, und die Inseln Malta und Zypern die Eintrittskarte in den Euro-Club.

In Mittel- und Osteuropa diagnostizieren Währungskommissar Joaquín Almunia und seine Mitarbeiter nur kleine Fortschritte. Polen, mit Abstand das grösste Land der Region, nennt immerhin ein Datum für die Euro- Mitgliedschaft: 2012. Für Rumänien steht 2014 im Raum.

Die von hohen Inflationsraten gebeutelten baltischen Länder verzichten hingegen auf Termine. In Lettland brennt sogar das Haus: Wegen akuter Finanznot in Riga geben EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und andere insgesamt 7,5 Mrd. Euro.

Lettland könne frühestens 2012 beitreten, heisst in inoffiziell bei der EU. Für Estland und Litauen sehen die Chancen mit einem möglichen Termin 2010/11 etwas besser aus. Für Ungarn, das am Rande der Staatspleite stand, und Tschechien, das im kommenden Halbjahr die EU-Amtsgeschäfte führt, fehlen bislang jegliche Daten.

Sonderstatus

Auch in einigen Nicht-EU-Ländern wird mit dem Euro bezahlt. So gibt es ihn in Monaco, Andorra, San Marino und im Vatikan. Da die Staaten für eine eigene Währung zu klein sind, wurde ihnen ein Sonderstatus eingeräumt. Früher benutzten sie die Währungen Frankreichs, Spaniens und Italiens.

Offizielles Zahlungsmittel ist der Euro auch in Montenegro und im Kosovo, obwohl die Länder praktisch kein einziges der Maastrichtkriterien erfüllen. In beiden wurde früher auch die D- Mark verwendet.

Neue Kandidaten sind rar.

Im «Vorzimmer des Euro», dem Europäischen Wechselkursmechanismus, harrt seit längerem ein altes EU-Mitglied aus: Dänemark.

Dänemark erfülle die Beitrittskriterien, sagt Währungskommissar Joaquín Almunia. Das Land hat jedoch eine vertragliche Ausnahmeklausel. Kopenhagen ist deshalb - wie Grossbritannien - nicht zur Euro-Übernahme verpflichtet.

Die Briten begannen angesichts der dramatischen Talfahrt ihres Pfunds eine öffentliche Debatte. Wirtschaftsminister Peter Mandelson, ein früherer EU-Kommissar, kündigte bereits an, auf lange Sicht sei der Beitritt zur Euro-Zone angepeilt.

Ohne Eigenwerbung

Trotz des verbesserten Ansehens der Gemeinschaftswährung verzichtet der Euro-Club auf lautstarke Eigenwerbung. Das zehnjährige Jubiläum - am 1. Januar 1999 startete der Euro zunächst als Buchgeld - wird in Brüssel diskret übergangen.

Die Champagnerflaschen bleiben zu. «Der Euro funktioniert», lautet das lapidare Fazit von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Klare Vorgaben: die Maastrichtkriterien

Zu den sogenannten Konvergenzkriterien, die 1992 in Maastricht vertraglich festgelegt wurden, gehört zum Beispiel, dass die gesamtstaatliche Neuverschuldung nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) ausmachen soll.

Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei besten EU-Länder liegen, und der öffentliche Schuldenstand sollte nicht höher als 60 Prozent des BIP sein.

(sda)

Der Weg vom nationalen Geld zur gemeinsamen Währung in Europa

7. Februar 1992: Unterzeichnung des EU-Vertrags von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

1. November 1993: Ratifizierung des Maastricht-Vertrags. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU).

16./17. Juni 1997: Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die «europäische Seite» für die Münzen.

25. März 1998: Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut, Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB), empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Aussen vor bleiben aus freien Stücken Grossbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

1. bis 3. Mai 1998: Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

31. Dezember 1998: Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest.

1. Januar 1999: Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Bargeld.

4. Januar 1999: Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

1. Januar 2001: Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

1. September 2001: Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

1. Januar 2002: Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

1. März 2002: Die alten Währungen verlieren ihre Gültigkeit, können aber weiterhin eingewechselt werden.

1. Mai 2004: Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

1. Januar 2007: Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen abgelehnt.

1. Januar 2008: Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

1. Januar 2009: Die Slowakei gibt die Krone auf und führt den Euro ein. Mit den fast 5,5 Mio. Slowaken leben nun knapp 329 Mio. Menschen im Euro-Raum.

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