Grüne ÖV-Ideen: Vom «Vierteltax» bis zu billigeren 1.-Klass-Tickets

Aktualisiert

Grüne ÖV-IdeenVom «Vierteltax» bis zu billigeren 1.-Klass-Tickets

Niedertarife in den Randzeiten, ein «Vierteltax» und tiefere Preise in der 1. Klasse: Mit diesen Vorschlägen wollen die Grünen die Autofahrer zum Umstieg auf den ÖV bewegen.

von
Marco Lüssi

Der Verkehr muss sich von der Strasse auf die Schiene verlagern: Um ihrem Kernanliegen angesichts der sinkenden Passagierzahlen der SBB zum Durchbruch zu verhelfen, haben die Schweizer Grünen heute in Bern zahlreiche neue Vorschläge präsentiert, die Autofahrer dazu bringen sollen, ihre Karosse stehen zu lassen. «Statt den ÖV immer teurer zu machen und eine falsche Verlagerung zum Auto in Kauf zu nehmen, sollen mehr Kunden vom Auto auf den ÖV umgeleitet und die zum Teil leeren Busse und Züge in den Randzeiten besser gefüllt werden», sagt Grünen-Nationalrat Bastien Girod.

Das fordern die Grünen:

Niedertarife in den Randzeiten: Statt des heutigen Einheitstarifs soll es neu einen Niedertarif geben: Wer ausserhalb der Stosszeiten unterwegs ist, fährt günstiger.

Ein «Vierteltax»: Neben dem Halbtax-Abo soll es ein neues Abo geben, das die Grünen «Bahnkarte 25%» nennen. Es ist günstiger als das Halbtax und berechtigt seinen Besitzer zu einem Rabatt von einem Viertel auf den vollen Fahrpreis, wenn er ein Einzelbillett löst. Gedacht ist dies als Einstiegsangebot für Autofahrer, die gelegentlich Zug fahren, denen das Halbtax aber zu teuer ist. Eine solche Bahnkarte hat die Deutsche Bahn bereits im Angebot.

Ein Randzeiten-GA: Neu soll es ein Generalabonnement geben, das nur in den Randzeiten gültig ist und entsprechend weniger kostet als das normale GA. Zudem soll es ein Randzeiten-GA für die 1. Klasse geben: Dessen Besitzer können sich ausserhalb der Stosszeiten in die Komfortklasse setzen.

Günstigere 1. Klasse: Wer 1. Klasse fährt, zahlt heute für sein Ticket 70 Prozent mehr als in der 2. Klasse. Entsprechend herrscht in der 1. Klasse ausserhalb der Rush Hour gähnende Leere. Durch tiefere 1.-Klass-Tarife in den Randstunden soll sich dies ändern.

Gruppen-Rabatte: Einen entscheidenden Vorteil hat das Auto: Es kostet nichts, wenn man weitere Personen mitnimmt. Anders im Zug. Das soll sich ändern: Durch die Einführung von Gruppenrabatten, damit es künftig nicht mehr günstiger ist, im Car zu reisen statt im Zug.

«Das Billett-Lösen würde noch komplizierter»

Beim Interessenverband der ÖV-Nutzer, Pro Bahn, stossen die Ideen der Grünen auf offene Ohren. «Das sind alles prüfenswerte Vorschläge», sagt Pro-Bahn-Zentralpräsident Kurt Schreiber. Allerdings stecke der Teufel wie immer im Detail. «Die Einführung von zusätzlichen Abos und Tarifen würde dazu führen, dass es noch schwieriger würde als heute, das richtige Billett zu lösen.»

Kundenbedürfnisse klären

Solche Bedenken hat man auch beim Verband Öffentlicher Verkehr (VÖV), dem Dachverband der Schweizer Transportunternehmen, der auch die SBB vertritt. VÖV-Sprecher Roger Baumann: «Wir möchten nicht, dass die Bedienung der Billettautomaten noch komplizierter wird – für Gelegenheits-Zugfahrer ist dies bereits heute anspruchsvoll.»

Zudem gelte es abzuklären, ob für Vorschläge wie etwa das von den Grünen geforderte «Vierteltax» ein Kundenbedürfnis bestehe. «Grundsätzlich finden wir es aber gut, dass die Politik sich Gedanken macht, wie man den ÖV fördern kann und Ideen in die Diskussion einbringt.»

Deine Meinung