Aktualisiert

«Desert Flower – Wüstenblume»Vom Wüstenkind zum neuen Supermodel

Eindringlich verfilmte Schicksalsgeschichte der Somalierin Waris Dirie.
Trotz aller Tragik bleibt auch Raum für Komik.

Als die junge Somalierin Waris Dirie (stark: Liya Kebede) in einem Londoner Fastfood-Restaurant von Starfotograf Terry Donaldson (Timothy Spall) entdeckt wird, feiert die internationale Modewelt begeistert die Geburt eines neuen Topmodels. Doch hinter der glamourösen ­Fassade verbirgt sich ein ­zutiefst bewegendes Schicksal. Geboren in der Wüste ­Afrikas, wächst Dirie in einem ständigen Kampf ums Überleben auf. Als sie mit 13 Jahren zwangsverheiratet werden soll, flieht sie, um dem Willen ihres Vaters zu entkommen. Sie irrt tagelang durch die Wüste, bis sie schliesslich die somalische Hauptstadt Mogadischu erreicht. Die Familie ihrer Mutter nimmt sie schützend auf und verschafft ihr eine Stellung als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London – wo sie jahrelang das Haus nicht verlassen darf. Als ihr ein paar Jahre später die Rückkehr nach Somalia droht, flieht Waris erneut. Sie taucht in der Metropole unter, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und findet mit der quirligen Verkäuferin und Lebenskünstlerin Ma­rilyn (Sally Hawkins) eine Freundin und Vertraute. Doch dann wird sie von Donaldson entdeckt – der Beginn einer märchenhaften Karriere.

Da sich Diries Lebens­geschichte schon in Buchform bestens verkauft hat, kommt nun der zugehörige Kinofilm. Die Autobiografie erweist sich auf der Leinwand als modernes Märchen zwischen schillernder Glamourwelt und archaischen Ritualen, voller Lebendigkeit, emotionaler Tiefe und mit grossem Einfühlungsvermögen erzählt. Sie ist aber zugleich ein mitreissendes Plädoyer gegen die menschenverachtende Tradition der Genitalverstümmelung. Die Filmemacherin Sherry Hormann inszenierte den dramatischen Stoff nicht auf deprimierende Art, sondern über weite Strecken hinweg befreiend, fast schon verspielt. Um so heftiger wirken dann die ­gezielt platzierten Schock­sequenzen aus Waris' Kindheit. Zweifellos ein lohnenswertes Wechselbad der Gefühle.

Deine Meinung