20.07.2017 05:44

VermisstenfälleVon 240 Bernern fehlt nach wie vor jede Spur

2016 sind bei der Kapo Bern rund 200 Vermisstenanzeigen eingegangen. Ein Grossteil der Personen taucht schnell wieder auf – andere bleiben für immer verschollen.

von
Simon Ulrich
1 / 2
Zwei Wanderer fanden vergangene Woche auf der australischen Insel Tasmanien ein menschliches Skelett, daneben einen Rucksack.

Zwei Wanderer fanden vergangene Woche auf der australischen Insel Tasmanien ein menschliches Skelett, daneben einen Rucksack.

Tasmania Police Handout
Es handelte sich um die Überreste des Schweizers Thomas M., der im Dezember 2010 zu einer Reise aufgebrochen – ohne jemals wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben.

Es handelte sich um die Überreste des Schweizers Thomas M., der im Dezember 2010 zu einer Reise aufgebrochen – ohne jemals wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben.

Wikimedia Commons

Vor wenigen Tagen machten Wanderer im tasmanischen Buschland eine schaurige Entdeckung: Sie stiessen auf die menschlichen Überraste eines Schweizers, der im Dezember 2010 zu einer Reise aufgebrochen war und seit da kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hatte.

Täglich werden in der Schweiz mehrere Menschen als vermisst gemeldet. Schätzungen zufolge sind es pro Jahr zwischen 3000 und 5000, genaue Angaben fehlen allerdings auf nationaler Ebene. Exakte Zahlen gibt es aber in manchen Kantonen. 2016 gingen etwa bei der Kantonspolizei Bern 202 Vermisstanzeigen ein. In 185 Fällen – also über 90% – konnte die vermisste Person aufgefunden werden, in 17 Fällen blieben die Nachforschungen erfolglos. Der Kapo Solothurn wurden letztes Jahr 60 Personen als vermisst gemeldet. Zum laufenden Jahr geben die Kantonspolizeien keine Zahlen bekannt.

Besteht der Verdacht, dass sich eine vermisste Person im Ausland aufhalten könnte, wird sie zusätzlich im Schengener Informationssystem ausgeschrieben. 2016 waren dies 500 Personen.

Ein Viertel ist minderjährig

«In den allermeisten Fällen werden die vermissten Menschen relativ rasch aufgefunden», sagt Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern. Als langzeitvermisst gelten bei der Kapo aktuell 240 Personen. Nach ihnen wird weiter gesucht, wenn auch nicht mehr im selben Ausmass wie in der ersten Phase. «Wir prüfen aber regelmässig, ob es neue Hinweise oder Ansätze gibt, die man verfolgen kann», sagt Gnägi.

Bei rund einem Viertel der Vermisstenanzeigen, die 2016 eingegangen sind, handelt es sich um Minderjährige. Die allermeisten Kinder und Jugendlichen tauchen von selber wieder auf oder werden gefunden. Manchmal kommt es aber auch zu tragischen Fällen. So auch Ende Januar, als der 13-jährige Silas nach einem Streit mit seiner Mutter Reissaus nahm. Rund eine Woche später wurde sein lebloser Körper in einem schwer zugänglichen Gebiet in der Region Riggisalp gefunden.

Persönlichkeitsschutz geniesst hohen Stellenwert

Eine als vermisst gemeldete Person wird immer durch das Polizeikorps, das die Meldung entgegennimmt, gesamtschweizerisch zur Suche ausgeschrieben. Zu welchem Zeitpunkt die Polizei bei Vermisstenfällen beigezogen wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. «Fehlende Kinder werden erfahrungsgemäss sehr früh als vermisst gemeldet. Erwachsene, die zum Beispiel schon mehrmals entlaufen sind, manchmal erst Tage später», sagt Gnägi.

Mit öffentlichen Vermisstmeldungen ist die Kapo Bern bei erwachsenen mündigen Personen sehr zurückhaltend. «Dem Persönlichkeitsschutz muss die Kapo eine hohe Wichtigkeit beimessen», sagt Gnägi. Wenn eine öffentliche Vermisstenanzeige gestartet wird, geschieht dies nur in Absprache mit den Angehörigen.

Aufrufe bei Minderjährigen und Betagten

Diese haben nicht zwingend ein Recht, über den Verbleib einer vermissten Person informiert zu werden. «Wenn eine volljährige und mündige Person nicht wünscht, dass Dritte über den Aufenthaltsort informiert werden, müssen wir dies respektieren», so Gnägi. Angehörige würden dann entsprechend in Kenntnis gesetzt.

Anders sieht die Situation bei vermissten Minderjährigen, betagten und verwirrten Menschen aus. In solchen Fällen strebt die Kapo Bern die Veröffentlichung eines Aufrufs an. Auch bei bestimmten äusseren Einflüssen wie Kälte oder bei Verdacht auf ein Verbrechen sei ein öffentlicher Aufruf angezeigt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.