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Rassismus im FussballVon Affenrufen und Mittelfingern bis zum Abbruch in Paris

Und wieder ein Fall von Rassismus im Fussball: Der vierte Unparteiische in der Partie PSG gegen Basaksehir soll das N-Wort benutzt haben. Wir schauen auf weitere Vorkommnisse zurück.

Skandal in Paris: Pierre Webo, der rassistisch beleidigt wurde, ist sichtlich aufgebracht. Die Basaksehir-Spieler verlassen das Spielfeld.

Video: Blue Sport

Darum gehts

  • In der Champions-League-Partie PSG gegen Basaksehir kam es zu einem rassistischen Vorfall.

  • Der Assistenztrainer des türkischen Clubs wurde beleidigt.

  • Die Teams verliessen solidarisch das Spielfeld, die Partie wurde abgebrochen.

  • Es ist ein rassistischer Vorfall, der in den letzten Jahren kein Einzelfall war.

  • Jedoch war noch nie ein Unparteiischer involviert.

Die Profis von Basaksehir Istanbul gingen nach dem Rassismus-Vorfall im Champions-League-Duell mit Paris Saint-Germain geschlossen vom Feld. Der französische Meister folgte Sekunden später. Auslöser: ein Gespräch zwischen den Unparteiischen, das von Istanbuls Co-Trainer Pierre Webo als rassistisch empfunden worden war. Die Solidarität der Spieler war sofort gross: Beide Teams verliessen den Platz.

Pierre Webo war kaum zu bremsen. 

Pierre Webo war kaum zu bremsen.

Foto: EPA

Ein Rückblick auf rassistische Vorfälle im Fussball

November 2004: Im Länderspiel verhöhnt

Beim Länderspiel England gegen Spanien in Madrid werden die schwarzen Fussballer im Team der Briten um Ashley Cole vom Publikum systematisch ausgebuht und mit Affengeschrei verhöhnt. Vorausgegangen war eine rassistische Aussage des spanischen Trainers Luis Aragonés über den damaligen Stürmer des FC Arsenal, den Franzosen Thierry Henry, aus dem sich ein Streit zwischen der britischen Presse und dem Nationaltrainer entwickelte.

Februar 2006: Eto’o will abbrechen

Im Trikot des FC Barcelona wird Stürmer Samuel Eto’o bei Real Saragossa von Zuschauern mit rassistischen Rufen beleidigt. «Ich spiele nicht weiter», sagte er und strebte festen Schritts dem Ausgang entgegen. Nach langer Diskussion liess sich der Kameruner aber von Mitspielern zum Weitermachen überreden.

«Schon nach fünf Minuten gab es Affengeräusche auf der Tribüne, wenn ich am Ball war.»

Kevin-Prince Boateng

Januar 2013: Spielabbruch in Italien

Nach 26 Minuten im Testspiel des AC Mailand gegen Pro Patria reichte es Kevin-Prince Boateng. Der gebürtige Berliner, damals Nationalspieler Ghanas, führte sein Team vom Feld, weil er und seine dunkelhäutigen Teamkollegen wiederholt von gegnerischen Fans rassistisch verhöhnt worden waren. «Schon nach fünf Minuten gab es Affengeräusche auf der Tribüne, wenn ich am Ball war», sagte Boateng. Das Spiel wurde abgebrochen. Für die konsequente Reaktion bekamen Boateng und sein Team viel Anerkennung.

Mai 2013: Nur eine milde Geldstrafe

Beim Duell der AS Rom gegen den AC Mailand beleidigen die Heimfans die dunkelhäutigen Milan-Profis Mario Balotelli und Kevin-Prince Boateng mit rassistischen Sprechchören. Das Spiel wird unterbrochen, über die milde Geldstrafe von 50’000 Euro für die Römer diskutieren Italien und der internationale Fussball danach tagelang.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

Oktober 2013: (Fast) ohne Konsequenzen in der Königsklasse

Manchester City spielt in der Champions League bei ZSKA Moskau. Wegen rassistischer Rufe von den Rängen beschwert sich City-Kapitän Yaya Touré bei Schiedsrichter Ovidiu Hategan. Weil der Unparteiische das aber nur in seinen Spielbericht aufnimmt, aber nicht mit einem Abbruch der Partie droht, hagelt es Kritik. ZSKA muss im nächsten Heimspiel gegen den FC Bayern München auf einen Teil der Zuschauer verzichten.

Oktober 2019: Cupspiel abgebrochen

Im englischen FA Cup verlassen Torwart Douglas Pajetat und Teamkollege Coby Rowe nach einer Stunde den Rasen. Die Spieler von Haringey Borough waren zuvor von Fans des Gegners Yeovil Town rassistisch beleidigt worden. Die Partie wird abgebrochen, zehn Tage später gewinnt Yeovil das Wiederholungsspiel.

Oktober 2019: Beleidigungen in EM-Quali-Spiel

Das EM-Qualifikationsspiel Englands gegen Bulgarien wird in der ersten Halbzeit zweimal wegen rassistischer Äusserungen bulgarischer Fans unterbrochen. Der Schiedsrichter warnte über den Stadionsprecher vor dem Abbruch der Partie. Englische Spieler hatten bereits vor der Begegnung gedroht, den Rasen in Sofia bei rassistischen Vorfällen gegen einen Spieler zu verlassen. Das taten sie allerdings nicht und gewannen 6:0.

Bulgarisch Fans beleidigten englische Spieler. 

Bulgarisch Fans beleidigten englische Spieler.

Foto: EPA

November 2019: Taison unter Tränen

Der damals 31-jährige Brasilianer Taison von Schachtjor Donezk wird im Duell mit Dynamo Kiew von Zuschauern beleidigt. Er zeigt den Fans den Mittelfinger und schiesst den Ball in Richtung Tribüne. Dafür wurde er mit Rot bestraft und verliess unter Tränen das Spielfeld. Im Anschluss ermittelte die Polizei gegen die Zuschauer.

November 2019: Balotelli mit deutlicher Reaktion

Fans von Hellas Verona beleidigen Stürmer Mario Balotelli beim Gastspiel mit Brescia Calcio mehrfach mit Affenlauten und rassistischen Rufen. In der 54. Minute stoppt Balotelli während eines Angriffs den Ball, nimmt ihn in die Hände und schiesst ihn in Richtung eines Fanblocks der Gastgeber. Anschliessend will er den Platz verlassen, Mitspieler und Gegner überreden ihn aber, weiterzuspielen.

Februar 2020: Marega verlässt das Spielfeld – alleine

Nach den Beleidigungen und Affenlauten gegen FC-Porto-Profi Moussa Marega meldete sich sogar der portugiesische Ministerpräsident António Costa zu Wort. Marega verliess im Februar wenige Minuten nach seinem Siegtor zum 2:1 (60. Minute) gegen Vitoria Guimarães wütend das Spielfeld, weil Fans ihn beleidigt und Affengeräusche gemacht hatten. Der Nationalspieler aus Mali liess sich weder von seinen Teamkollegen noch von Trainer Sérgio Conceição oder Profis des Gegners von seinem Vorhaben abbringen – die später dafür kritisiert wurden, sich nicht angeschlossen zu haben.

Moussa Marega ist ausser sich, selbst seine Teamkollegen können ihn nicht beruhigen. 

Moussa Marega ist ausser sich, selbst seine Teamkollegen können ihn nicht beruhigen.

Foto: EPA

Februar 2020: Hertha-Spieler reicht Strafanzeige ein

Im DFB-Pokalspiel Schalke 04 gegen Hertha BSC beleidigen Schalke-Fans Hertha-Profi Jordan Torunarigha mit Affenlauten. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Der 22-jährige Torunarigha selbst stellte eine Strafanzeige gegen unbekannt. Schalke bekommt eine Geldstrafe von 50’000 Euro.

November 2020: Sogar bei den Junioren

Youssoufa Moukoko wird im A-Jugend-Duell zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 massiv beschimpft und rassistisch beleidigt. Schalke bekommt eine Geldstrafe und muss die Anzahl der Ordner für Junioren-Spiele gegen Dortmund erhöhen.

(dpa/hua)

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