18.03.2016 19:02

Japan-Blog

Von den Schneeaffen eiskalt ignoriert

In Shibu Onsen ist die grösste Attraktion tierischer Art. Um die Besucher scheren sich die rotgesichtigen Makaken aber kein bisschen.

von
Ronja Sakata

Shibu Onsen ist ein fotogenes Örtchen. Auf der Strasse hat es gedeckte Fussbad-Pools, in denen man seine Füsse im heissen Quellwasser aufwärmen kann. Aber wieso liegen da am Strassenrand Eier in heissen Brunnen mit einem Geldtopf daneben? Das sind Onsentamago. Tamago bedeutet Ei. Wenn es stundenlang im heissen Wasser liegt, wird es sanft gekocht, ist aber immer noch flüssig. Für ein paar Yen gibt es so ein Ei als Stärkung zu kaufen.

Von heisser Quelle zu heisser Quelle

Für Mangafans und alle, die «Chihiro's Reise ins Zauberland» lieben, bietet Shibu Onsen ein Zückerchen: In der Hauptgasse, gesäumt von all den schönen alten Holzhäusern, erkennt man das Gebäude aus dem Comicfilm sofort. Miyazaki habe sich in dieses Haus so sehr verliebt, dass er es praktisch eins zu eins abgezeichnet habe.

Wenn man selber in Winterjacken gehüllt durch den Ort spaziert, sieht man überraschenderweise immer wieder Menschen in Yukatas. An den nackten Füssen tragen sie Gettas, die klassischen Holzschuhe, die aussehen wie Flipflops auf Stelzen. Kalt scheint es ihnen aber nicht zu sein. Diese Gestalten sind nämlich aufgeheizt vom letzten heissen Bad und hüpfen gleich ins nächste Onsen. Sie sind auf einem Rundlauf, welcher sich über neun verschiedene Bäder in verschiedenen Hotels erstreckt. Nur im letzten Onsen darf man auch als Tagestourist baden. Aber nicht nur dafür lohnt es sich, eine Nacht in einem Ryokan zu buchen.

Eiskalt ignoriert

Ein Highlight ist auch der berühmte Jigokudani Yaen Koen, der Schneeaffen-Park ganz in der Nähe. Per Auto, Bus oder Hotelshuttle geht es zum Eingang. Für den viertelstündigen Spaziergang durch den Wald braucht es festes Schuhwerk. Je weiter man ins sogenannte Höllental vordringt, desto urchiger wird es. Nach einem Kassenhäuschen mit kleinem Restaurant steht man auch schon fast mitten in den spielenden, herumtollenden und badenden Affen. Sie behandeln die Menschen wie Luft und sind darum umso spannender zu beobachten. Es ist streng verboten, sie anzufassen und zu füttern und weil das eingehalten wird, sind sie trotz den vielen Besuchern noch so wild und verhalten sich natürlich.

Die bekannten Fotos der Affen in der Quelle mit eisverkrusteten Haaren kann man je nach Wetter bis im Februar aufnehmen. Danach scheint auch in Nagano die Sonne wieder stärker. Bei unserem Besuch Ende März haben einige Affen im wohlig warmen Wasser gebadet. Überlebenswichtig ist es für sie aber nur bei ganz tiefen Minustemperaturen. Shibu Onsen ist der ideale Ort, um sich von der Hektik Tokios zu erholen, oder auch als Tagesausflug von der Hauptstadt.

Fünf Tipps von Ronja Sakata für Shibu Onsen:

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie ihren klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und in Audio-Files auf unterhaltsame Weise zusammengefasst.

Weitere Infos: Ronjasakata.com

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