Aktualisiert 04.08.2004 15:56

Von der Elite-Uni ins Terrornetzwerk

Anscheinend ist Naeem Noor Khan durch einen grossen Zufall in die Terrororganisation El Kaida gerutscht. Der junge Mann hat auf einem Flug in den Nahen Osten jemanden kennengelernt, der ihn eingeführt hat.

Damit begann offenbar das, was die Behörden jetzt als «hingebungsvollen Bund» mit der Terrorgruppe bezeichnen.

Der Spross einer wohlhabenden pakistanischen Familie half ranghohen Mitgliedern von El Kaida in den vergangenen Jahren den Ermittlungen zufolge nicht nur dabei, untereinander verschlüsselte Nachrichten und E-Mails auszutauschen, sondern soll auch selbst einen Anschlag geplant haben.

«Khan war im vergangenen Jahr der Vordenker bei einem geplanten Anschlag auf (den Londoner Flughafen) Heathrow», sagt ein Ermittler, der den am 12. Juli in Lahore gefassten 25-Jährigen in den vergangenen Tagen befragte.

Enge Zusammenarbeit mit Gailani

Der mutmassliche Terrorist habe eng mit Ahmed Khalfan Ghailani zusammengearbeitet, den die Ermittler keine zwei Wochen nach Khan schnappten.

Ghailani gilt als einer der Hauptverdächtigen für die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit 224 Todesopfern und stand - genau wie Khan - auf der Liste der meistgesuchten Terrorverdächtigen der US-Regierung. Für Khans Ergreifung hatten die Vereinigten Staaten eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Khan und Ghailani gehörten den Ermittlern zufolge zu einer El- Kaida-Gruppe, die sich in Pakistan versteckt hält. Die Gruppe soll verantwortlich sein für «externe Einsätze in den USA, Grossbritannien, Malaysia, Indonesien und einigen weiteren Ländern».

Kontakt mit mutmasslichem 9/11-Chefplaner

Ausserdem habe Khan engen Kontakt zu Chalid Scheich Mohammed gehabt, dem mutmasslichen Chefplaner der Terroranschläge vom 11. September 2001, der seit März vergangenen Jahres in Haft sitzt.

Die Ermittler beschreiben Khan als wohlerzogenen, ruhigen Mann. «Er ist intelligent, gebildet und gefasst», berichtet ein pakistanischer Sicherheitsbeamter. Khan wohnte demnach seit fast einem Jahr in Lahore, der Millionenstadt in der ostpakistanischen Provinz Punjab, wo ihn die Ermittler am 12. Juli festnahmen.

Khan stammt den Angaben zufolge aus einer wohlhabenden Familie aus der südpakistanischen Hafenstadt Karachi, wuchs mit einem Bruder und einer Schwester auf und studierte an einer der angesehensten Universitäten des Landes, der Universität Nadirshaw Eduljee Dinshaw in Karachi.

Mehrmals nach Afghanistan

Mit einem Diplom in Computerwissenschaften zog der junge Mann nach London, wo er den Ermittlern zufolge «einige Zeit» lebte. Damals habe er schon Kontakt zu El Kaida gehabt. Zwischen 1998 und 2001 sei Khan mehrmals nach Afghanistan gereist und habe sich dort in einem Trainingslager der Terrororganisation an verschiedenen Waffen ausbilden lassen.

Die Informationen, die sie nun bei Khan beziehungsweise auf seinen Computern gefunden hätten, seien «von beispiellosem Wert» für sie, sagen die Ermittler. «Diese Informationen sind ausserordentlich bedeutsam und könnten der internationalen Anti- Terror-Koalition dabei helfen, künftige Angriffe abzuwehren.»

(sda)

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