Aktualisiert

Amanda KnoxVon der Hexe zur Heiligen

Während diverse Zeugenaussagen vor Gericht Amanda Knox in Perugia schwer belasten, bekommt die US-Studentin volle mediale Unterstützung aus den USA – in einem Fernsehreport wird sie
praktisch heilig- und von jedem Vorwurf freigesprochen.

von
Karin Leuthold

«Ich bin nicht die Böse, wie es der Staatsanwalt vor Gericht behauptet», hört man die Stimme von Amanda Knox sagen. In einem Interview, das der US-Sender CBS am Osterwochenende ausstrahlte, kommt die 21-jährige Studentin aus Seattle, US-Bundesstaat Washington, ausführlich zu Wort.

«Sie stellten mir immer wieder die gleichen Fragen», erzählt die weinende Knox. Und auch vor körperlichen Übergriffen sei sie nicht sicher. Eine Polizistin habe ihr während einer 14-stündigen Vernehmung auf den Kopf geschlagen, «damit mir vielleicht so etwas in den Sinn käme, sagte sie», erklärt das «Engelsgesicht» vor laufender Kamera.

Von der Hexe zur Heiligen

Amanda Knox, die seit November 2007 in Haft sitzt und sich seit Januar vor einem Gericht in Perugia für den Mord an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher verantworten muss, bekommt zurzeit volle mediale Unterstützung aus den USA.

In einer knapp einstündigen Sendung mit dem Titel «American Girl, Italian Nightmare» (zu deutsch «Amerikanisches Mädchen, italienischer Albtraum») lassen die Moderatoren private Ermittler und Familienangehörige zu Wort kommen. Bereits der Werbetrailer zur Sendung warnt den Zuschauer vor dieser Geschichte: «Sie werden nicht glauben, wieviel Hysterie es gegen Amanda Knox in Italien gibt», verspricht Moderator Peter Van Sant im Vorspann.

Der generelle Unterton des Beitrags lässt nur einen Schluss zu: Amanda Knox ist unschuldig. Schliesslich, so Moderator Van Sant, «gibt es keine Beweise, die Amanda Knox mit diesem Mord verlinken.» Auch der private Ermittler Paul Ciolino bestätigt vor der Kamera: «Amanda ist fälschlicherweise beschuldigt worden.»

Freunde von Amanda

In ihrer Eindeutigkeit wenig erstaunlich ist die Aussage der Eltern: «Amanda ist alles, wovon Eltern träumen», sagen sie in dem Beitrag. «Wir werden beweisen, dass Amanda mit diesem Mord nichts zu tun hat – und holen sie wieder raus.» Moderator Van Sant fügt hinzu: «Eines will ich die Leuten in Seattle wissen lassen: Amanda ist unschuldig».

Die Sendung zielt, neben der Heiligsprechung von Amanda Knox, darauf, den Staatsanwalt Giuliano Mignini zum Bösewicht zu machen. Mignini gehe so harsch gegen Knox vor, um seinen eigenen Hals zu retten, sagt Krimiautor Doug Preston. Prestons Kritik an Migninis Arbeit ist bereits bekannt. Zusammen mit der Unterstützungsgruppe «Friends of Amanda» hat Preston schon öfters gegen Mignini in den lokalen Medien geschrieben. «Mignini ist scharf drauf, Amanda verurteilt zu sehen. Die Hexenjagd gegen sie ist so gross, dass es sogar einen Aufstand geben würde, wenn sie freigesprochen wird.»

Giuliano Mignini nimmt die Kritik gegen seine Person nicht so leicht hin: Anfang Jahr klagte er bereits gegen den «West Seattle Herald», da er sich durch einen Artikel diffamiert fühlte.

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