Aktualisiert 17.06.2011 13:59

100 Jahre IBM

Von der Lochkarte zum Supercomputer

Google, Apple und Facebook dominieren die Schlagzeilen. Doch unzählige mittlerweile alltägliche Funktionen verdankt die moderne Gesellschaft der IBM. Eine kleine Zeitreise für Technikfans.

Egal, ob Daten auf einer Festplatte gespeichert werden, Geld am Automaten gezogen wird oder die Kassiererin im Supermarkt die Waren über den Scanner zieht - die Grundlage für diese Technologien lieferte «Big Blue». IBM «war so etwas wie der Grundstein des ganzen Geschäftszweigs, aus dem sich die Computerindustrie entwickelt hat», sagt Bob Djurdejevic, ehemals IBM-Mitarbeiter und Chef der Firma Annex Research.

Am 16. Juni 1911 schlossen sich in New York drei Firmen zusammen, die vor allem Waagen und Stechuhren herstellten. Fortan firmierten sie unter dem Namen Computing Tabulating Recording Company. Damit hatte sich die neue Firma die Schlagworte Rechnen, Ordnen und Aufzeichnen in den Firmennamen geschrieben, die seitdem für die Tätigkeiten des Unternehmens bezeichnend sind. 1924 erhielt das Unternehmen schliesslich seinen heutigen Namen: International Business Machines, kurz IBM.

In ihrem Werk in Endicott im US-Staat New York stellte die Firma Maschinen her, die auf Lochkarten gespeicherte Informationen auswerten konnte. In den 30er-Jahren wurden die Sozialversicherungsdaten von 26 Millionen Amerikanern mit Hilfe der IBM-Lochkartenmaschinen verwaltet.

Lochkartenmaschinen besassen Elemente eines modernen Computers

Auch wenn sie heute antiquiert erscheinen, besassen sie bereits die Elemente moderner Computer: die Fähigkeit zur Datenspeicherung, eine Recheneinheit und eine Ausgabeeinheit, wie David Mindell erklärt, Professor für Technikgeschichte am Massachusetts Institute of Technology.

Über Jahrzehnte war der 1914 dazugestossene Thomas Watson senior die treibende Kraft im Unternehmen. Er prägte die Unternehmenskultur mit dem Dresscode weisses Hemd und Krawatte und das Firmenmotto «Think», zu Deutsch: «Denke nach!».

Watson und seine Söhne führten das Unternehmen ins Computerzeitalter. Unter ihrer Führung investierte IBM nach dem Kriegsende massiv in die Forschung. Die Techniker des Unternehmens entwickelten so auch wegweisende Technologien: 1956 führte IBM die Festplatte ein, 1971 die Diskette. Ausserdem entwickelten IBM-Techniker die Grundlagen für schnelle Datenübertragung, die Geldautomaten möglich machte, und in den 60er-Jahren den Bar-Code, der im Supermarkt auf jedem Produkt prangt.

In den 80er-Jahren geriet IBM in die Krise

Doch unter der Last der über die Jahre zunehmenden Bürokratie litt die Innovationskraft des Unternehmens. In den 80er-Jahren schien IBM orientierungslos. Der Preisverfall für Computerchips und eigene Fehler setzten dem Unternehmen zu. Obwohl «Big Blue» den Personal Computer (PC) im Markt einführte, versäumte es das Unternehmen, sich die Rechte am Betriebssystem (Microsoft) zu sichern und blieb vom Chiphersteller Intel abhängig.

Schnell wurde IBM zu grossen Teilen aus dem PC-Markt verdrängt. Und weil kleinere Computer immer mehr Aufgaben übernehmen konnten, für die man bis dahin einen grossen Hauptrechner brauchte, brach IBMs wichtigstes Standbein ein.

Die Rettung für das Unternehmen kam in den 90er-Jahren mit dem neuen Chef Louis Gerstner. Er erfand das Unternehmen neu, brach alte Strukturen auf, senkte die Preise und strich Stellen zusammen. Fortan konzentrierte sich das Unternehmen auf Dienstleistungen wie Datensicherung und technische Beratung. Diese Dienstleistungen konnten auch an Firmen verkauft werden, die schon mit IBM-Computern ausgestattet waren, und auch wenig rentable Hardware konnte ein Türöffner für lukrative Geschäfte sein.

Neues Geschäftsmodell macht IBM krisenfest

Dank dieser Veränderungen überstand IBM auch die jüngsten Wirtschaftskrisen: Wenn die Geschäfte schlecht laufen, holen sich die Unternehmen bei IBM Rat, wie sie ihre Kosten senken können. Mit dieser Strategie wurde «Big Blue» zum grössten Anbieter von Technikdienstleistungen der Welt.

Mit einem jährlichen Umsatz von rund 100 Milliarden Dollar ist IBM dreimal so gross wie Google und doppelt so gross wie Apple. Mit einem Börsenwert von 200 Milliarden Dollar ist der Konzern auch mehr wert als der Suchmaschinenriese.

Jährlich 6 Milliarden für Forschung

Noch immer gibt das Unternehmen jedes Jahr mehr als sechs Milliarden Dollar für Forschung aus. Das jüngste Beispiel für die dabei entwickelte Technik ist «Watson». Das Computerhirn trat beim Fernsehquiz «Jeopardy» gegen die besten menschlichen Kandidaten an und gewann deutlich. Nun will IBM die «Watson»-Technik auf andere Bereiche übertragen. So soll sie etwa in der medizinischen Diagnostik eingesetzt werden, um gesprochene Sprache zu verstehen und diese Informationen mit vorhandenen Daten abzugleichen.

So setzt das Unternehmen, das mit der Verarbeitung von auf Millionen Lochkarten gespeicherten Informationen gross wurde, in Zukunft auf Innovationen zur Analyse der Milliarden und Abermilliarden von Daten-Bits, die im 21. Jahrhundert anfallen. (dapd)

Ursprung des IBM-Spitznamens «Big Blue» bleibt ein Rätsel

Obwohl der Computergigant IBM seit Jahrzehnten inoffiziell auch unter dem Spitznamen «Big Blue» bekannt ist, bleibt der Ursprung dieses Ausdrucks ein Rätsel. 1982 tauchte er erstmals in der Presse auf. Das «Big» in «Big Blue» ist offensichtlich eine Anspielung auf die Größe des Unternehmens. Warum das Unternehmen ausgerechnet mit der Farbe Blau in Verbindung gebracht wurde, darüber gibt es verschiedene Theorien.

Eine Vermutung ist, dass es vom Logo des Unternehmens abgeleitet ist. Seit 1972 besteht der Schriftzug aus den drei großen Buchstaben, die sich aus horizontalen, meist blauen Streifen zusammensetzen. Allerdings könnte es auch eine Referenz an die blauen Hüllen sein, mit denen IBM in den 60er-Jahren seine Großrechner abdeckte. Einige vermuten sogar, dass es seinen Ursprung in den dunkelblauen Anzügen hat, die die einst stets konservativ gekleideten IBM-Vertreter trugen.

Die Unklarheit über den Ursprung des Spitznamens hinderte IBM jedoch nicht daran, ihn sich zunutze zu machen. Als das Unternehmen einen seiner Supercomputer 1997 gegen Schachweltmeister Gary Kasparow antreten ließ, taufte es ihn auf den Namen «Deep Blue». Ein Forschungsprojekt im Bereich der Supercomputer trägt den Namen «Blue Gene».

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