«Vogue Paris»: Von der Skandal-Lolita zum Luxus-Heidi
Aktualisiert

«Vogue Paris»Von der Skandal-Lolita zum Luxus-Heidi

Die Zeiten, als «Vogue Paris» mit Lolita-Fotos für Kindermode provozierte, sind vorbei. Nun verkauft uns die Stil-Bibel Heidi und den Geissenpeter als brave Fashionistas.

von
Yolanda Di Mambro

Es war der spektakulärste Rausschmiss in der internationalen Fashionszene: Carine Roitfeld, Chefredaktorin von «Vogue Paris», wurde vom mächtigen Verlag Condé Nast Anfang 2011 auf die Strasse gesetzt. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit zog der Verlag einen Schlussstrich.

Über die Gründe wurde viel spekuliert. War es der Zwist zwischen Madame Roitfeld und dem Traditionshaus Balenciaga? Oder vielleicht die Beschwerden von LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy)? Oder gar, wie viele munkeln, der Skandal um das Kindermode-Shooting?

«Pädophilie oder Hexenjagd?»

Das Shooting, das Mitte Dezember 2010 in «Vogue Paris» veröffentlicht wurde, löste weltweit einen Skandal aus. In einem Editorial mit Vorschlägen für Weihnachtsgeschenke posierten drei 7- bis 9-jährige Mädchen – Thylane, Lea und Prune – in lasziven Posen, stark geschminkt und wie Erwachsene gestylt. Sie trugen Highheels von Louboutin, Kleider von Versace, Balmain und Yves Saint Laurent sowie Schmuck von Bulgari und Boucheron. Verstörend wirkte auch ihr Gesichtsausdruck: leer und emotionslos.

«Pädophilie oder Hexenjagd?», titelte damals die italienische Zeitung «Libero» und zeigte ein Foto der 9-jährigen Thylane mit einem schwarzen Balken über den Augen. Kritiker monierten, eine solche Sexualisierung von Kindern würde die Pädophilie fördern. In England stieg sogar eine Politikerin auf die Barrikaden: Die Labour-Abgeordnete Helen Goodman warf «Vogue» öffentlich ein schändliches Verhalten und Verantwortungslosigkeit vor.

Heidi und der Geissenpeter in Luxusklamotten

Seit Emmanuelle Alt die Leitung von «Vogue Paris» übernommen hat, haben sich die Wogen geglättet. Im Gegensatz zu Carine Roitfeld setzt sie weder auf Provokation noch auf Selbstinszenierung. Skandal-Shootings sind passé. So auch bei der Kindermode.

Im neuen Editorial «Le refuge des rêves» präsentiert uns «Vogue Paris» die heile Bergwelt. Als Inspiration für das Shooting diente Johanna Spyris «Heidi». Nun ja, bis zu einem gewissen Grad. Denn das moderne Heidi würde auf die Aufforderung des Grossvaters, «Nimm dort dein Bündel Kleider noch mit», bestimmt nicht mit «Das brauch ich nicht mehr» antworten, wie es im beliebten Kinderbuch steht.

Heidi trägt jetzt Kleider vom Feinsten – aus den schicksten Modemetropolen der Welt: Dolce & Gabbana, Roberto Cavalli, Donna Karan, Ralph Lauren, Burberry und Benetton. Ob sie als Fashionista beim strengen Fräulein Rottenmeier weniger in Ungnade fallen wird? Wir sind gespannt auf die Fortsetzung aus Paris ...

Making-of des Kindermode-Editorials von «Vogue Russia» (Video: YouTube, Vogue Russia)

Making-of des Kindermode-Katalogs von Mayoral (Video: YouTube, Mayoral Moda Infantil)

Making-of der Werbefotos für Ackermans Stores (Video: YouTube, Ackermans Stores)

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