31.07.2019 10:38

Chinesischer Aberglaube

Von diesen süssen Walen gibt es nur noch 19 Stück

Weil in China die Schwimmblase des Totoaba-Fisches als Potenzmittel gilt, ist der Kalifornische Schweinswal, auch Vaquita genannt, vom Aussterben bedroht.

von
jcg

Der Kalifornische Schweinswal könnte bald aussterben. Weniger als 19 dieser Vaquitas sind letzten Herbst im Golf von Kalifornien noch gezählt worden. Schuld am massiven Rückgang ist der illegale Fischfang mit Treibnetzen in Mexiko. Die Anzahl wurde durch die Auswertung der Aufnahmen von Unterwasser-Mikrofonen zum Orten der Tiere ermittelt, berichten Forscher im Fachmagazin «Royal Society Open Science».

Der Kalifornische Schweinswal (Phocoena sinus) ist mit einer Länge von nur etwa 150 Zentimetern und einem Gewicht von maximal 40 Kilogramm eine der kleinsten Walarten und kommt nur im Golf von Kalifornien vor. Fischer machen dort illegal Jagd auf die Totoaba – eine ebenfalls bedrohte Fischart, deren Schwimmblase auf dem Schwarzmarkt in China als angebliches Aphrodisiakum und Heilmittel extrem hohe Preise erzielt. Sie ist daher auch als «Kokain des Meeres» bekannt.

Fang mit Netzen trotz Verbot

Immer wieder verfangen sich Schweinswale in Stellnetzen von Fischern und verenden. Nach Angaben der vom mexikanischen Umweltministerium gegründeten Schutzorganisation VaquitaCPR ist der Vaquita (spanisch: kleine Kuh) die derzeit am akutesten bedrohte Meeressäugerart. Ihr Rückgang beschleunigte sich gemäss den Forschern in den vergangenen Jahren.

Mexiko hatte zwar den Fischfang mit Treibnetzen im Golf von Kalifornien im Jahr 2015 verboten. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass dies den Rückgang verlangsamt habe, schreiben die Experten. Die Netze würden trotzdem benutzt, wodurch der Kalifornische Schweinswal immer weiter an den Rand der Ausrottung getrieben worden sei. Seit dem Jahr 2011 sei der Bestand um geschätzt fast 99 Prozent geschwunden, berichten die Forscher von Mexikos staatlicher Kommission zum Schutz der Artenvielfalt sowie aus Grossbritannien und den USA.

Leonardo DiCaprio ist ihr Fürsprecher

Im vergangenen Jahr waren lediglich sechs Vaquitas gesichtet worden, darunter ein Weibchen mit einem Kalb. Für Schlagzeilen hat die Art auch deshalb gesorgt, weil sich Leonardo DiCaprio für ihren Schutz einsetzt. In diesem Jahr erschien unter dem Titel «Sea of Shadows» ein Dokumentarfilm über die Bemühungen, die Vaquitas vor dem Aussterben zu bewahren, den der Hollywoodstar produzierte. Weil sie dunkle Ringe um die Augen und das Maul haben, werden die Wale auch «Pandas des Meeres» genannt.

Anfang Juli setzte das Welterbekomitee der Unesco Mexikos Inselarchipel im Golf von Kalifornien, die Heimat der Vaquitas, auf die Liste des gefährdeten Naturerbes der Welt. Mit dem Status soll auf dringenden politischen Handlungsbedarf hingewiesen werden. Mexiko hatte im vergangenen Jahr eine Erweiterung des Schutzgebiets von 1263 auf 1841 Quadratkilometer erklärt. (jcg/sda)

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