05.10.2019 14:15

PrivatsphäreVon Drohne belästigt – Detektiv enttarnt Pilot

Ein Villenbesitzer setzte Detektive auf einen Drohnenpiloten an. Dass sich Menschen von Drohnen belästigt fühlen, kommt regelmässig vor.

von
B. Zanni
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Rund eine Stunde lang schwirrte eine Drohne regelmässig über einer Villa in Herrliberg ZH.

Rund eine Stunde lang schwirrte eine Drohne regelmässig über einer Villa in Herrliberg ZH.

Keystone/Christian Beutler
«So ging das rund einen Monat lang. Der Villenbesitzer hatte Angst, dass jemand einen Anschlag auf ihn plante», sagt Erich Wunderli, Inhaber der Detektei Wunderli zum Vorfall vom Frühling 2018.

«So ging das rund einen Monat lang. Der Villenbesitzer hatte Angst, dass jemand einen Anschlag auf ihn plante», sagt Erich Wunderli, Inhaber der Detektei Wunderli zum Vorfall vom Frühling 2018.

detektei-wunderli.com
Per Funk orteten er und sein Detektivteam den Drohnenpiloten.

Per Funk orteten er und sein Detektivteam den Drohnenpiloten.

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Jeden Mittwoch um dieselbe Zeit begann das Surren. Rund eine Stunde lang schwirrte die Drohne dann über der Villa in Herrliberg ZH. «So ging das rund einen Monat lang. Der Villenbesitzer hatte Angst, dass jemand einen Anschlag auf ihn plante», sagt Erich Wunderli, Inhaber der Detektei Wunderli zum Vorfall vom Frühling 2018. Per Funk orteten er und sein Detektivteam den Drohnenpiloten. «Wir erwischten den Nachbarn gerade, als er mit einem Steuergerät am Fenster stand und die besagte Drohne bei der Villa steigen liess.»

Die beiden Nachbarn trugen laut Wunderli eine private Fehde aus. «Der Drohnenflieger hatte einen Prozess verloren. Er sagte, er wolle seinen Nachbarn deswegen piesacken», erzählt Wunderli. Auf eine Strafanzeige habe der Belästigte dann aber verzichtet.

Drohne schwirrt über Badegästen

Auch im Strandbad Mythenquai versetzte eine Drohne Menschen in Unruhe. «Im Sommer dieses Jahres flog eine 500-Gramm-Drohne regelmässig über die Wiese und hielt fünf Sekunden über den Badegästen. Ein Gast kontaktierte uns, weil er und die Gäste sich deswegen unwohl fühlten», sagt Wunderli. Als sie mit ihrer Detektivarbeit begonnen hätten, sei die Drohne sofort verschwunden und danach nie mehr wieder aufgetaucht.

«Per Funk fanden wir heraus, dass der Drohnenpilot vom See aus aktiv war. Identifizieren konnten wir ihn aber leider nicht», so Wunderli. Er vermute, dass ein Spanner am Werk gewesen sei oder sich jemand mit den Flügen einen Scherz erlaubt habe.

Unfall wegen Drohne

Die Fälle der Detektei sind keine Ausnahmen. Das Berggasthaus Aescher sorgte vor einigen Monaten für Schlagzeilen, weil dort im Sommer fast täglich Drohnen um das Berggasthaus kreisen. «Es ist für die Gäste sehr störend, wenn sie am Essen sind und fünf Meter über ihren Köpfen dauernd Drohnen herumschwirren», sagt Wirtin Melanie Gmünder. Obwohl die Drohnenpiloten lediglich auf der Jagd nach schönen Naturaufnahmen seien, fühlten sich die Leute in ihrer Privatsphäre belästigt. «Niemand will beim Essen gefilmt oder fotografiert werden.» Auch störten sich die Gäste an den surrenden Geräuschen. «Gäste regen sich etwa auf, weil Drohnen extrem nahe an der Terrasse vorbeifliegen oder sie schon morgens um sechs Uhr aus dem Schlaf reissen.»

Drohnenflüge haben sogar schon Verletzte gefordert. Im Januar 2018 warf ein Pferd seine Reiterin ab, als es von einer Drohne erschreckt wurde. Die Reiterin erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma. Auch das Pferd verletzte sich. Das Opfer vermutete, dass jemand sie mit einer Drohne verfolgt und sich daraus einen Spass erlaubt habe.

Schweizweites Problem

Drohnenpiloten, die Grenzen überschreiten, sind schweizweit ein Problem. «Es ist bekannt, dass sich Privatpersonen immer wieder durch Drohnen belästigt fühlen», bestätigt Urs Holderegger, Leiter Kommunikaton des Bundesamts für Zivilluftfahrt Bazl. Meist bemerkten die Betroffenen die Flugobjekte im Garten oder beim Spazieren. Auch Martin Kellerhals, Präsident des Schweizerischen Drohnenverbands, sagt: «Es kommt immer wieder vor, dass Zivilpersonen in der Schweiz von Drohnen überrascht werden.» Etwa würden Drohnen über den Köpfen von Fussgängern schwirren, an Fenstern von Wohnhäusern vorbeifliegen oder über Gärten surren.

«Kriminelle Wildflieger können geahndet werden»

Strafanzeigen wegen Verletzung der Privatsphäre durch Drohnen gingen bei der Kantonspolizei Zürich vereinzelt ein. «Die Personen machten Anzeige, weil die Drohne Dinge aus ihrer Privatsphäre fotografiert hatte», sagt Mediensprecherin Rebecca Tilen. Bei der Kantonspolizei Aargau heisst es, dass es kaum solche Anzeigen gebe.

Für Martin Kellerhals ist klar: «Wer sich von einer Drohne belästigt fühlt, kann die Piloten meist nicht identifizieren und deshalb auch schlecht Anzeige erstatten.» Ändern soll sich dies mit der ab Juni 2020 eingeführten Registrierungspflicht (siehe Box). «Dadurch können Wildflieger mit kriminellen Absichten endlich geahndet werden», sagt Kellerhals.

Verbot gefordert

Auch Verkehrspolitiker Martin Candinas sagt: «Es ist höchste Zeit, dass die Registrierungspflicht für Drohnen eingeführt wird.» Gerade Hobby-Piloten von Drohnen seien sich der Gefahren dieser Geräte oft nicht bewusst. «Manche dringen unwillentlich in die Privatsphäre von Bürgern ein und andere sind sich nicht bewusst, dass sie mit der Drohne Menschen schwer verletzen können, fällt diese hinunter.» Auch brauche es mehr Aufklärungsarbeit. Candinas rechnet damit, dass sich dank der Registrierungspflicht automatisch weniger Menschen belästigt fühlen. «Welcher Drohnenpilot will schon identifizierbar sein, wenn er illegale Absichten hat.»

Wirtin Melanie Gmünder geht einen Schritt weiter. «Wir fordern ein Drohnenverbot im gesamten Alpstein.» Künftig sollen in diesem Gebiet nur noch Drohnenpiloten mit einer Bewilligung fliegen können. Das Ziel sei deshalb, eine entsprechende Initiative zu starten.

Registrierungspflicht

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