Von Fetzen und Netzen
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Von Fetzen und Netzen

Während grosse Designerlabels das
Internet sträflich vernachlässigten, haben sich junge Unternehmer das Geschäft mit der Mode im Netz zu Nutze gemacht.

Bücher, Hundekekse und Taschen von bösen Markenpiraten – solche Sachen kaufen die Leute im Internet. Mainstream halt. Und der Mode nicht würdig.

So müssen die Köpfe der High-Fashion-Marken Prada, Fendi und Dior gedacht haben, als das Internet seinen Boom erlebte und viele der exklusiven Labels das Netz einfach ignorierten. Einige von ihnen, etwa Prada, haben bis heute keine richtige Homepage eingerichtet – man begnügt sich mit einer Tapete und einem Bild aus der aktuellen Kollektion. Klicken geht nicht, an Online-Shopping ist erst gar nicht zu denken. Und nun hinken Prada & Co. dem Trend hinterher: Die Zahl der Online-Shopper ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, laut einer Studie des Marktforschungsinstituts AC Nielsen waren schon mehr als 627 Millionen Menschen weltweit im Netz einkaufen. Und während die Designerlabels ihr Geld weiterhin in Luxus-Boutiquen hineinbutterten, übernahmen andere das Internet-Geschäft für sie: Allein das weltweit operierende Portal net-a-porter.com, das seit dem Jahr 2000 Designerklamotten von Stella McCartney, Anna Sui oder Marc Jacobs anbietet, hat im letzten Jahr 40 Millionen Dollar Umsatz gemacht.

Auch Schweizer Jungunternehmer haben sich daran gewagt, Mode im Netz zu verkaufen. Etwa André Brunner (34) und Marco Novoselac (34). Die beiden Freunde, der eine Banker, der andere Rechtsanwalt, glaubten fest daran, dass das Internet auch im Modebereich Zukunft hat. 2003 gründeten sie das Portal www.stromberg.ch. Auf der Suche nach Basics, schlicht geschnitten und trotzdem lässig, stiessen sie auf das damals noch unbekannte US-Label American Apparel. Sie investierten 40 000 Franken in ihre erste Kollektion, produzierten einen bescheidenen Katalog und wurden im Internet mit Bestellungen bombardiert. Dachten sie anfangs noch, die Kleider müssten möglichst einfach geschnitten sein, damit die Leute diese auch zu bestellen wagen, haben sie mittlerweile das Sortiment erweitert. Das Stromberg-Duo verkauft heute online Upper-Casual-Streetwear von Splendid, Burlington oder Ella Moss, deren Label durch Sarah Jessica Parker in «Sex and the City» bekannt wurde. Und mussten am Anfang noch Freundinnen aus dem Bekanntenkreis für die Website als Model herhalten, erledigt heute Melanie Winiger diesen Job.

In Zukunft wollen Marco Novoselac und André Brunner ihr Angebot nach Italien, Deutschland und Frankreich ausweiten: «Im Moment gibt es auf dem Markt einen richtigen Schub», erzählen sie. Man kann ihnen nur Recht geben: Erst im Februar gründeten etwa die beiden Berliner Florian Köhler und Jan Eissmann ihr Portal Styleserver.de. Sie wollen europaweit die Mode von Berliner Jungdesignern unter die Leute bringen. Mit Erfolg: Die Besucherzahlen und die Bestellungen auf der Website steigen monatlich. Auf der ebenfalls neuen Shoppingsite Mytheresa.com bekommt man sämtliche Must-Haves der aktuellen Designerkollektionen, etwa von Zac Posen oder der griechischen Designerin Sophia Kokosalaki.

Und weil es im Netz so gut läuft, scheinen jene Labels, die sich bislang zu schade fürs Internet waren, nervös zu werden: Vor ein paar Monaten eröffneten Dior und Louis Vuitton ihre ersten virtuellen Shops. Im «Wall Street Journal» prognostizierten Fachleute den schicken Labels Umsatzeinbrüche in ihren Luxusläden – es gibt mittlerweile zu viele von ihnen, so die Experten. Im Internet hingegen könne man höhere Margen erzielen, weil die Mieten und die Investitionen für die durchgestylten Shops entfallen.

Wir sind also gespannt, wie die Online-Boutique auf der Website von Prada demnächst daherkommen wird.

STROMBERG

Der erste Schweizer Internet Fashion Store für internationale Street- und Casual-Labels wie American Apparel, Ella Moss, Subborn oder Tommy Hilfiger.

WWW.STROMBERG.CH

STYLESERVER

Styleserver bietet innovative, junge Mode von Berliner Desigern an. Neue Labels stossen laufend dazu, unlängst etwa Adddress und Anat Fritz.

WWW.STYLESERVER.DE

MY THERESA

Kleider, Accessoires und Schuhe aus den aktuellen Designerkollektionen von A wie Alexis Bittar bis Z wie Zac Posen. Und: Zu jedem Kleidungsstück gibts Kombinationsvorschläge. WWW.MYTHERESA.COM

PRETTY BALLERINA

Ein Internetshop, der sich ganz den süssen Sommerschuhen verschrieben hat. Die Pretty Ballerinas sind in diversen Formen und Farben erhältlich. WWW.PRETTYBALLERINAS.COM

Kerstin Netsch

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