Gefälschte Lebensmittel erkennen
Lebensmittelbetrug, auch Food Fraud genannt, ist ein weltweites Problem. Wir verraten, worauf du beim Einkauf achten solltest. 

Lebensmittelbetrug, auch Food Fraud genannt, ist ein weltweites Problem. Wir verraten, worauf du beim Einkauf achten solltest. 

Joshua Rawson Harris / Unsplash
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Food FRaud Von Honig bis Olivenöl – auch Lebensmittel werden gefälscht

Nicht nur von teuren Luxustaschen gibt es Fakes – auch Lebensmittel werden falsch deklariert, verdünnt und manipuliert. Welche Produkte am meisten von Food Fraud betroffen sind.

von
Luise Faupel

Lebensmittelbetrug, auch Food Fraud genannt, ist ein weltweites Problem. Und Konsumentinnen und Konsumenten haben Grund zur Sorge, denn dass Lebensmittel mit unerlaubten Zusätzen gestreckt werden, kann im schlimmsten Fall negative Folgen für die Gesundheit haben.

Was ist Food Fraud?

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit versteht unter Food Fraud Lebensmittel, die durch vorsätzliche Täuschung einen wirtschaftlichen oder finanziellen Vorteil bringen sollen. Eine einheitliche rechtliche Definition gibt es aber nicht.

16’000 Tonnen Fake-Essen

Bereits 2019 wurden laut Berichten von «T-Online» und «Geo» in fünf verschiedenen Ländern rund 16’000 Tonnen und 33 Millionen Liter gefälschtes Essen und Getränke von den Polizeiämtern Interpol und Europol beschlagnahmt.

Hast du dich bei den Produkten in deinem Küchenschrank schon einmal gefragt, ob sie alle «echt» sind? 

Hast du dich bei den Produkten in deinem Küchenschrank schon einmal gefragt, ob sie alle «echt» sind? 

Maddi Bazzocco / Unsplash

Hierbei wurden in einem britischen Warenhaus auch mehrere Tausend leere Flaschen gefunden, die mit Markenetiketten beklebt waren und mit billigen Alternativen befüllt werden sollten. 

Zweitprofitabelste Geschäft nach Drogenhandel

Gravierender ist aber wohl ein Fall von 31 Tonnen tiefgefrorenem und wieder aufgetautem Fisch aus Italien, der als frisch ausgewiesen wurde. Verwesung von Fisch und Fleisch wird von Betrügerinnen und Betrügern mit Säure, Phosphat und Wasserstoff gestoppt.

Bereits die Netflix-Doku «Seaspiracy» machte auf Fake-Fisch aufmerksam. Dass Fisch manipuliert oder falsch deklariert wird, ist keine Seltenheit. 

Bereits die Netflix-Doku «Seaspiracy» machte auf Fake-Fisch aufmerksam. Dass Fisch manipuliert oder falsch deklariert wird, ist keine Seltenheit. 

Alexander Zwir / Pexels

Das Geschäft mit gefälschten Lebensmitteln sei das zweitprofitabelste nach dem Drogenhandel, schätzt Chris Vansteenkiste, ein Vertreter der europäischen Polizeibehörde Europol, in einem Interview mit der «Financial Times».

Auf Platz 1: Olivenöl 

Laut des europäischen Jahresreport zu Food Fraud wird Olivenöl am häufigsten gefälscht. Es wird mit anderen, billigen Ölen gestreckt, falsch etikettiert oder mit falscher Herkunft angegeben. Je teurer ein Produkt, desto mehr lohnt sich der Betrug. An zweiter Stelle auf der Liste steht Fisch.

Olivenöl, Prosecco und das Milchprodukt Käse – alles drei Produkte, die häufig gefälscht werden und dann als Food Frau gelten. 

Olivenöl, Prosecco und das Milchprodukt Käse – alles drei Produkte, die häufig gefälscht werden und dann als Food Frau gelten. 

Jacob Moseholt / Pexels

Fisch stammt in den meisten Food-Fraud-Fällen aus einer Aquakultur, statt wie versprochen aus Wildfang. Garnelen werden mit Wasser aufgespritzt, Lachs wird eingefärbt. Weitere häufig von Betrug betroffene Lebensmittel sind laut den Auswertungen Kaffee, Honig und Fruchtsaft. 

Pferdefleisch in Lasagne

Auch Milch kommt in dem Bericht vor – allerdings an letzter Stelle. Hier nehmen Betrügerinnen und Betrüger eine Streckung mit Wasser vor oder vermengen die Milch mit Protein vortäuschenden Substanzen und billigem Eiweiss.

Verbraucherinnen und Verbraucher können gefälschte Lebensmittel leider nicht erkennen und sind Food Fraud damit hilflos ausgesetzt. 

Verbraucherinnen und Verbraucher können gefälschte Lebensmittel leider nicht erkennen und sind Food Fraud damit hilflos ausgesetzt. 

Ivan Samkov / Pexels

Und statt einer Lasagne mit Rindfleisch kann auch mal Pferdefleisch auf dem Teller landen – dies hatte vor ein paar Jahren für einen grossen Skandal gesorgt. Food Fraud macht aber auch vorm Gewürzschrank nicht Halt: Auch Safran wird häufig manipuliert. Stärke, feine Zwiebeln oder gefärbtes Gras werden dann zum Strecken verwendet. 

So sieht es in der Schweiz aus

Wir haben das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit gefragt, was in der Schweiz unternommen wird, um Konsumentinnen und Konsumenten vor solchen Täuschungen zu schützen. «Zuvorderst stehen da einmal die Pflichten der Lebensmittelbetriebe. Sie müssen mit der Selbstkontrolle dafür sorgen, dass die Waren den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und die Gesundheit nicht gefährden», so Doris Schneeberger von der Medienstelle des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV.

«Entsprechend der Guten Herstellungspraxis (GHP) müssen die Hersteller die Lebensmittel untersuchen oder untersuchen lassen und dokumentieren, dass die Anforderungen erfüllt sind. Eine wichtige Rolle spielt auch die Rückverfolgbarkeit», erzählt sie weiter. Die kantonalen Lebensmittelvollzugsbehörden überprüfen dann, ob die Aspekte des Täuschungsschutzes eingehalten werden.

Hersteller müssen in der Schweiz Lebensmittel untersuchen oder untersuchen lassen und dokumentieren, dass die Anforderungen erfüllt sind.

Hersteller müssen in der Schweiz Lebensmittel untersuchen oder untersuchen lassen und dokumentieren, dass die Anforderungen erfüllt sind.

Getty Images/iStockphoto

Wenn festgestellt wird, dass Betrug vorliegen könnte, kommen auch andere Behörden ins Spiel – oft sind dann mehrere Kantone und das Ausland betroffen. Zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug habe man in der Schweiz zudem die Plattform «Coordination Food Fraud» (COFF) ins Leben gerufen.

Food Fraud beim Einkauf erkennen

Obwohl der Betrug von Lebensmitteln für die Lebensmittelbranche weltweit grossen Schaden anrichtet und viel Geld kostet – weltweit etwa 30 Milliarden Franken jährlich – ist bislang noch nicht juristisch geklärt, wo «Produktoptimierung» aufhört und Lebensmittelbetrug beginnt. Eine rechtlich festgelegte Definition von Lebensmittelbetrug gibt es nicht – auch nicht in der EU.

Beim Einkaufen bei kleineren Detailhändlern solltest du Produkte aufmerksam studieren, um dich vor Food Fraud zu schützen. 

Beim Einkaufen bei kleineren Detailhändlern solltest du Produkte aufmerksam studieren, um dich vor Food Fraud zu schützen. 

Kevin Malik / Pexels

Nur analytisch-chemische Methoden können feststellen, ob das Produkt hält, was es verspricht. Wenn ein Produkt laut Verpackung aber hochqualitativ sein soll, jedoch einen niedrigen Preis hat, solltest du skeptisch werden. Es ist eben ziemlich so, wie bei der Fake-Handtasche. Das Studieren von Labels, wie dem MSC-Label bei Fisch, sowie das genaue Durchlesen von Inhaltsangaben, können dir dabei helfen, dass du nicht getäuscht wirst.

Hast du schon mal Erfahrungen mit gefälschten Lebensmitteln gemacht? Teile sie mit der Community!

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