Playoff-Final: Von Kindergeburtstagen und Schulschlussfeiern

Aktualisiert

Playoff-FinalVon Kindergeburtstagen und Schulschlussfeiern

Die Kloten Flyers und der HC Davos bestreiten den 24. Playoff-Final der Schweizer Eishockey-Geschichte. Passend dazu die 24 wichtigsten Fragen zum Finale.

von
Klaus Zaugg

1. Ist der 24. Final ohne Beteiligung der Titanen ZSC Lions und SC Bern ein billiger Final?

Nein. Immerhin haben Kloten und Davos zusammen im Playoff-Modus schon sieben Titel geholt. Die beiden Finalisten repräsentierten unser Hockey sogar besser als die ZSC Lions und Bern: Das beste Eishockey wird nicht in den grossen Städten sondern in der Provinz gespielt. Die ZSC Lions und der SC Bern haben im Zeitalter der Playoffs erst 8 von 23 möglichen Titeln geholt. Zudem ist dieser Final die Belohnung für zwei der besten Nachwuchsorganisationen unseres Hockeys.

2. Was wäre reizvoller: Ein Titel für Kloten oder für Davos?

Einer für die Kloten Flyers. Denn Felix Hollenstein wäre dann der erste Schweizer Trainer seit Bibi Torriani (oder seit 1961), der als Spieler und als Trainer einen Titel holt. Und es wäre auch eine Homage an Peter Bossert. Der ehemalige Präsident des EHC Arosa hat im Laufe dieser Saison das Präsidium der Kloten Flyers abgegeben. Er ist der «Vater» unserer Playoffs, der Mann, der den Playoffmodus in der 1980er-Jahren durchgesetzt hat.

3. Aber Remo Gross, der Assistent von Arno del Curto, war doch auch schon als Spieler und als Trainer Schweizer Meister.

Das ist richtig. Aber bei allem Respekt vor seiner Arbeit: Ein Trainer wie Hollenstein ist er nicht. In Davos ist nur Arno del Curto Trainer. Hollenstein arbeitet in Kloten auf Augenhöhe mit Anders Eldebrink, dort gibt es keine klassische Rollenverteilung Chef/Assistent. Selbst die besten Freunde von Remo Gross werden nicht behaupten, er diskutiere die Trainerarbeit mit Arno del Curto auf Augenhöhe. Um einen Vergleich aus der TV-Mottenkiste zu verwenden: Assistent Fröschl hatte auf Inspektor Wanninger mehr Einfluss als Gross beim HCD auf Del Curto.

4. Wird es im Finale rumpeln?

Nein. Es wird diesen oder jenen harten Check geben - aber alles in allem wird Lauf- und Tempoliga gespielt: Flügelläufe, schneller Wechsel von Abwehr auf Angriff, viel Spektakel, wenig raue Zweikämpfe.

5. Wird die ganze Schweiz von diesem Finale reden?

Nein. Ein nationales Thema über die Eishockey-Kreise hinaus wird ein Playofffinale nur dann, wenn der SC Bern oder die ZSC Lions dabei sind. Kommt dazu, dass ie Kloten Flyers und der HCD kein Schadenfreude-Potenzial haben: Beiden wird der Titel gegönnt, es wird keine Häme für den Verlierer geben. Eine richtige Meisterfeier kann sowieso nur der SCB organisieren. Dann ist die ganze Stadt auf den Beinen und es gibt einen richtigen Umzug. Dagegen sind Meisterfeiern in Kloten oder Davos wie eine Schulschlussfeier auf dem Pausenplatz.

6. Wird es in diesem Finale Medien-Polemik geben?

Nein. Arno del Curto wird zwar diese oder jene kernige Aussage machen - aber im Vergleich zu den finalen Auseinandersetzungen zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions oder dem SC Bern und Lugano wird das Finale zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos ein medialer Kindergeburtstag sein.

7. Es scheint, dass das 24. Playoffinale nicht das beste aller Zeiten wird.

Ja, es wird mit Sicherheit nicht das beste aller Zeiten sein.

8. Welches waren denn die besten Finalserien?

Hier die Hitparade: 1. ZSC Lions gegen den HC Lugano 2000. 2. SC Bern gegen Lugano 1989. 3. ZSC Lions gegen Lugano 2001. 4. Lugano gegen Davos 2006.

9. Werden die Torhüter das Finale 2009 entscheiden?

Ja, mit Ausnahme des HC Lugano 1986, 1987, 1988 und 1990 hat bis heute immer die Mannschaft mit dem besseren Torhüter das Finale gewonnen.

10. Wer hat den besseren Torhüter: Der HC Davos oder die Kloten Flyers?

Diese Frage kann man erst nach dem Finale beantworten. Ronnie Rüeger hat schon in Zug und in Lugano bewiesen, dass er Meisterschaften gewinnen kann. Leonardo Genoni hat die Chance, auch in die Galerie der Meistergoalies aufzurücken.

11. Spielt der Heimvorteil der Kloten Flyers eine Rolle?

Nein. Der HCD hat im Viertelfinale in Lugano und im Halbfinale in Fribourg gewonnen. Im Vergleich zu Auswärtspartien in der Resega oder zur Patinoire Communale St. Léonard ist ein Gastspiel in der Kolping Arena ein Kindergeburtstag.

12. Ist das Trainer-Duo Anders Eldebrink/Felix Hollenstein besser als HCD-Zampano Arno del Curto?

Nein. Ein Vergleich ist ohnehin nicht möglich: Besser als Eldebrink/Hollenstein in Kloten und Del Curto in Davos hätten andere Trainer auch nicht arbeiten können. Für die Arbeit, die Alphatier, Ausbildner, Motivator und Taktiker Arno del Curto in Davos macht, braucht es in Kloten eben zwei: Alphatier, Motivator Felix Hollenstein und Taktiker und Ausbildner Anders Eldebrink.

13. Das Finale ist auch das Duell der Leitwölfe Marcel Jenni und Reto von Arx. Wer ist besser?

Die beiden spielen eine unterschiedliche Rolle. Beide sind sie «ewige» Spieler. Aber Reto von Arx ist als Center, Leitwolf und Freund seines Trainers in einer noch zentraleren Rolle. Jenni ist ein Stimungs- und Tempomacher auf der Flügelposition, ein Antreiber, aber kein Leader im Sinne von Reto von Arx.

14. Es ist auch das Duell der Vollstrecker Roman Wick gegen Michel Riesen. Wer ist kaltblütiger?

Riesen ist erfahrener, kaltblütiger und damit noch etwas besser als Wick.

15. Kloten hat das Finale in acht Spielen erreicht. Der HCD musste 14 Spiele bestreiten um ins Finale zu kommen. Hat der HCD noch genug Kraft?

Ja, Die Davoser sind die besttrainierten Athleten der Liga.

16. Könnte sich der Transfer von Beat Forster von den ZSC Lions zum HC Davos als Transfer erweisen, der die Meisterschaft entscheidet?

Zumindest ist Beat Forster ein wichtiger Faktor im HCD-Spiel. Er gehört zu den wenigen Spielern der Liga, die mit einem Check das Momentum eines Spiels kehren können.

17. Können die Flyers eingeschüchtert werden?

Nein. Die Flyers sind heute viel mehr als schlaue, leichtfüssige Buben. Sie können nicht mehr herumgeschubst werden.

18. Sind die Flyers heute besser als der meisterliche EHC Kloten mit den vier Titeln in den 90er-Jahren?

Ja.

19. Ist der HC Davos heute auch besser als die Playoff-Meisterteams von 2002, 2005 und 2007?

Nein.

20. Wenn der Torhüter, die Leader, die Trainer und die besten Torschützen mehr oder weniger gleich stark sind, wenn die Energiereserven und der Heimvorteil auch nicht ein entscheidender Faktor sind - was könnte dann die Entscheidung herbeiführen?

Die besser besetzte blaue Linie und damit das besser funktionierende Powerplay der Flyers.

21. Wird der Final in vier Spielen entschieden?

Nein.

22. Muss Einzelrichter Reto Steinmann während der Finalserie Überstunden machen?

Ja. Aber nicht wegen Videos aus den Finalpartien. Sondern weil parallel dazu ja auch noch die Ligaqualifikation zwischen Lausanne und Biel läuft. Da wird es zwischen vier und 14 Videofälle geben.

23. Der Meister ist direkt für die Champions Hockey League qualifiziert. Können die Kloten Flyers oder der HC Davos den Triumph der ZSC Lions wiederholen?

Nein. Aber die Halbfinal-Qualifikation ist für beide möglich.

24. Wird in den Medien über das 24. Finale objektiv berichtet werden?

Nein. Objektivität in der Sportberichterstattung ist langweilig und existiert so wenig wie der Sozialismus. Beim SF sind die Sympathien für den HCD grösser, beim Teleclub dürften die Flyers den grösseren Bonus haben. In den Printmedien geniessen die Flyers etwas mehr Sympathien - schliesslich ist Zürich die Medienhauptstadt. Und nicht Davos.

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