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Sex-Umfrage«Von künstlichen Vaginen profitieren auch Frauen»

Wenden Männer Sexspielzeug zur Selbstbefriedigung an, nutzen sie meist künstliche Vaginen. Sexologen erklären, weshalb Sextoys aus dem Tabubereich treten sollten.

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Mehr Frauen als Männer nutzen zur Selbstbefriedigung Sexspielzeug. Greifen Männer zur eigenen Befriedigung darauf zurück, benutzen sie am häufigsten künstliche Vaginen.

Mehr Frauen als Männer nutzen zur Selbstbefriedigung Sexspielzeug. Greifen Männer zur eigenen Befriedigung darauf zurück, benutzen sie am häufigsten künstliche Vaginen.

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Jeder sechste Mann, der Sextoys benutzt, nutzt eine künstliche Vagina.

Jeder sechste Mann, der Sextoys benutzt, nutzt eine künstliche Vagina.

Sexualtherapeutin Dania Schiftan sagt, künstliche Vaginen machten aus sexologischer Sicht sehr viel Sinn. Trotzdem fristen Sextoys für den männlichen Teil der Bevölkerung nach wie vor ein Schattendasein.

Sexualtherapeutin Dania Schiftan sagt, künstliche Vaginen machten aus sexologischer Sicht sehr viel Sinn. Trotzdem fristen Sextoys für den männlichen Teil der Bevölkerung nach wie vor ein Schattendasein.

zVg

Mit 48 Prozent der Befragten nutzt fast die Hälfte der Schweizer Sextoys. Das zeigt die grosse Sexumfrage von 20 Minuten (siehe Box). Bei den Männern greifen nur 40 Prozent auf Hilfsmittel zurück, bei den Frauen sind es 57 Prozent.

Jeder sechste Mann, der Sextoys benutzt, bedient sich einer künstlichen Vagina. Beliebt sind die künstlichen Vaginen vor allem bei den jüngeren Nutzern im Alter zwischen 16 und 17 Jahren. Bei den 18- bis 34-Jährigen und den noch älteren Nutzern sinkt die Zahl hingegen deutlich.

«Künstliche Vaginen ergeben Sinn»

Im Vergleich zur Nutzung von Dildos und Vibratoren, die bei den Frauen jeden Alters weit verbreitet sind, fristen die Pendants für den männlichen Teil der Bevölkerung aber nach wie vor ein Schattendasein.

Dabei ergeben sie aus sexologischer Sicht sehr viel Sinn, wie Sexualtherapeutin Dania Schiftan sagt. Sie seien weicher und feiner als kräftige Männerhände. «Wenn Männer selbst Hand anlegen, üben sie relativ viel Druck und Kraft auf den Penis aus – insbesondere wenn sie dabei beispielsweise noch auf einen Porno konzentriert sind und nicht auf ihren Penis. Die Nerven werden dann so trainiert und können die feine Struktur einer Vagina nicht mehr wahrnehmen.»

Schiftan sagt: «Was Frauen vom Einsatz von künstlichen Vaginen bei Männern halten, ist egal.» Es gebe immer wieder Frauen, die die Selbstbefriedigung beim Mann als Bedrohung anschauten. «Aber das ergibt überhaupt keinen Sinn. Man weiss aus der Forschung, dass Masturbation eine komplett andere Form der Sexualität ist als Geschlechtsverkehr oder sonstige Interaktionen mit einem Partner.» Und sie sei weder schlechter noch besser als die andere und «schon gar kein Betrug am Partner».

«Kann zu zweit eingesetzt werden»

Schiftan glaubt, dass der Einsatz von künstlichen Vaginen bei Männern nicht verpönter ist als der Einsatz von Sextoys bei Frauen. «Er ist einfach unbekannter.» Bei Frauen habe sich die Einsicht nach und nach durchgesetzt, dass etwa Vibratoren etwas können, was Penisse nicht können. Männern aber werde immer wieder eingeredet, dass ihre Hände zur Selbstbefriedigung ausreichen würden.

Dass gewisse Sextoys nicht bei gemeinsamen Aktivitäten im Bett eingesetzt werden könnten, sei zwar naheliegend, aber nicht unbedingt richtig, so Schiftan. «Man kann jedes Spielzeug auch im Bett einsetzen, solange es beide Partner erregend und bereichernd finden.»

Mit Sextoys kann man seine eigene Sexualität erkunden

Frau Schütz*, wieso benutzen mehr Frauen Sextoys als Männer?

Bei Frauen sind Sextoys schon länger verbreitet. Weshalb sollten Männer solche also nicht auch benutzen? Mittlerweile existiert auch ein Angebot für Männer. Dass Männer diese noch weniger häufig einsetzen, hat mit der Anatomie des männlichen Körpers zu tun, der nach einer komplexeren mechanischen Konstruktion verlangt. Die Produkte durchschreiten deshalb eine andere und längere Produkteentwicklung.

Was für Vorteile bieten künstliche Vaginen?

«Sextoys bieten die Möglichkeit, mehr über seine eigene Sexualität und damit sich selbst zu lernen und zu erfahren. Es ist toll, dass jedem Menschen so mehr eigene sexuelle Entwicklung zugestanden wird. Und daraus ziehen dann ja auch deren Sexualpartner wiederum einen Vorteil.

Sind künstliche Vaginen eine Form des Partnerersatzes?

Nein, denn sie können die feine Haut einer Vagina nicht ersetzen. Sie können aber eine sexuelle Beziehung aufgrund der sexuellen Entwicklung des Anwenders am Laufen halten. Trotzdem wird in der Gesellschaft immer noch sehr wenig über Masturbation gesprochen und Sexspielzeug gehört demnach noch immer ein bisschen einem Tabubereich an.

*Esther Schütz ist Sexualpädagogin

Die grösste Sex-Umfrage der Schweiz

22'659 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 25. und 26. Juli online an der grössten Sex-Umfrage der Schweiz teilgenommen. 20 Minuten hat die Umfrage in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen und geografischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten. Die Resultate werden laufend publiziert.

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