Bärenexperte weiss: «Von M13 geht nur sehr geringe Gefahr aus»
Aktualisiert

Bärenexperte weiss«Von M13 geht nur sehr geringe Gefahr aus»

Jungbär M13 muss schnell und effizient vergrämt werden. Das fordert der renommierte Schweizer Bärenexperte Reno Sommerhalder im Interview. Die Schweiz habe bislang versagt.

von
Felix Burch

Der Schweizer Reno Sommerhalder gehört zu den renommiertesten Bären-Kennern der Welt. Er lebt in Kanada und lehrte unter anderem die kanadische Langlauf-Nationalmannschaft, wie sie sich bei Begegnungen mit Bären zu verhalten hat. Im Interview erklärt Sommerhalder, was die Schweiz im Umgang mit dem Jungbären M13 besser machen müsste.

Was wissen Sie über M13, der sich momentan in Graubünden aufhält?

Reno Sommerhalder: Ich habe ein Video gesehen. Anhand dessen ist eine Beurteilung schwierig. Allerdings sieht das Tier aus, als hätte es wenig Scheu vor dem Menschen.

Ist M13 gefährlich?

Nein. Von den europäischen Braunbären geht generell nur eine extrem geringe Gefahr aus. Die Gefahr, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, ist grösser.

Was für ein Typ Bär ist er?

Es ist ein Bär, der sich aus verschiedenen Gründen nahe an die Menschen wagt. Er ist jung, unerfahren und auf der Suche nach seinem Streifgebiet, seinem Nest.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation mit M13?

Ich bin enttäuscht, dass sich M13 an mehreren Bienenhäuschen sattessen konnte. Es wäre die Aufgabe gewesen, spätestens nach dem Abschuss von JJ3, solche Häuschen mit Elektrozäunen vor Bären zu schützen. Seit mehreren Jahren nun wandern praktisch jedes Jahr neue Bären ein. Die Entschuldigung, wir hätten nicht genug Zeit zur Vorbereitung gehabt, gilt also nicht.

Was muss jetzt unternommen werden?

Wenn ein Jungbär, der keine Angst vor dem Menschen hat, so weitermacht, ist er auf dem Weg, zum Problembär zu werden. Alle Lebensmittel oder andere menschliche Güter wie Honig, Schafe oder Hühner müssen deshalb vor dem Bären geschützt werden. Man kann sie einschliessen oder mit einem Elektrozaun oder Hund schützen.

Das reicht, um den Bären aus dem Siedlungsraum zu vertreiben?

M13 muss jetzt – da er mit einem Sender versehen wurde - effektiv und effizient vergrämt werden (mit Gummischrot, Heulern oder Hunden). Da ist meiner Meinung nach ein klarer Fehler im Schweizer Bärenkonzept. Ein Team müsste schon bevor das Tier zum Problembär wird dafür sorgen, dass der Bär immer, sobald er sich in eine vom Menschen unerwünschte Situation begibt, vergrämt wird. Dies muss nun konsequent gemacht werden. Er soll so schnell wie möglich lernen, sich von Menschen, Schafen, Bienenstöcken und anderen menschlichen Gütern fernzuhalten.

Gibt es genug Platz im Engadin für Mensch und Bär?

Ja. Die Menschen sollen normal weiterleben, spazieren, die Freizeit geniessen. Alles, was potenzielle Nahrung für einen Bären sein könnte, soll aber vor ihm gesichert werden. Weiss man, dass sich in der Nähe ein Bär aufhält, muss man beim Wandern Lärm machen. Bären werden nicht gerne überrascht.

Woher kommt eigentlich der Name M13?

Männchen werden mit einem M und Weibchen mit einem W benannt. An der Zahl erkennt man, um das wie vielte registrierte Jungtier es sich handelt.

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Richtiges Verhalten

1. Überraschung mit dem Bären vermeiden und Geräusche machen

2. Hunde an der Leine führen

3. Bei allfälligen Begegnungen mit dem Tier sprechen (falls es einem bemerkt hat)

und Distanz wahren

4. Die Begegnung aus der Distanz geniessen

5. Der Wildhut die Begegnung melden

Der Bär M13

M13 ist ein zweijähriges Männchen und stammt aus dem Südtirol. Das Tier wiegt um die 120 Kilogramm und wurde im Oktober 2011 mit einem Peilsender ausgestattet. Diesen hat M13 allerdings verloren und deshalb haben ihm die Schweizer am 12. April 2012 zwei neue eingesetzt. Dass M13 nicht menschenscheu ist, stellten bereits Vertreter des Landesamts für Jagd und Fischerei in Bozen Anfang April fest. Im Südtirol war das Raubtier in rasantem Tempo unterwegs.

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