Von nah und fern
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Von nah und fern

Auch wenn sie Kontinente und Tausende Kilometer trennen: Jubaira Bachmann und ihr Bruder Warren sind immer füreinander da. Notfalls per Facebook.

von
Martin Fischer

Jubaira (30), die Besonnene:

«Warren lebt zwar im Ausland. Das heisst für mich aber nicht, dass er weit weg ist. Ich sehe das so: Los Angeles oder Hongkong, das ist einmal im Flieger schlafen — und man ist dort! Auf Flughäfen fühle ich mich wohl. Als ich ein Jahr alt war, erhielt ich so eine Auszeichnung, weil ich das erste asiatische Kind war, das mit dem Überschall-Jet Concorde geflogen war. Bis zu meinem fünften Lebensjahr wohnte ich auf den Philippinen. Warren war da noch nicht auf der Welt. Nach der Scheidung unserer Eltern musste Mama arbeiten, darum kümmerte ich mich viel um meinen Bruder. Ich war ziemlich streng: Er musste pünktlich zum Mittagessen kommen. Und als er zu rauchen begann, hiess es: Nicht in meiner Wohnung! Wenn ich krank oder gestresst bin, Lampenfieber oder Liebeskummer habe, schaut Warren immer, dass er bei mir sein kann. Kürzlich erst hat er mich auf Händen zum Arzt getragen, weil ich so geschwächt war.»

Warren (24), der Draufgänger:

«Jubaira jettet zwar viel in der Welt herum, letztlich war ich aber derjenige, der auswanderte. Vor zwei Jahren zog ich nach Hongkong, wo ich bei einer internationalen Reederei arbeite. Gerade bin ich für ein Jahr geschäftlich in Hamburg. Ich spreche inzwischen ein wenig Kantonesisch, Filipino verstehe ich leider fast nicht — ausser wenn meine Mutter mit mir schimpft. Klar vermisse ich meine Schwester im Ausland manchmal — dank Handy und Facebook bleiben wir aber immer in Kontakt. Wenn auch unregelmässig: Mal telefonieren wir mehrmals die Woche, dann ist wieder ein Monat Funkstille. Als ‹Jubi› dieses Jahr nach München reiste, hat sie mir die Hälfte ans Flugticket bezahlt, damit ich sie besuchen konnte; ich verdiene halt noch ein bisschen weniger als sie. Das Auswandern hat mich verändert: Ich übernehme mehr Verantwortung. Unordentlich bin ich trotzdem noch sehr, was Jubaira schon immer genervt hat.»

Fernost und Innerschweiz

Vor 30 Jahren kam Jubaira Bachmann als Tochter einer Filipina und eines Schweizers in der philippinischen Hauptstadt Manila zur Welt. Jubaira ist seit bald zehn Jahren beim Schweizer Musiksender Viva tätig: zunächst als Moderatorin, seit etwas mehr als einem Jahr auch als Head of Music. Warren ist Jubairas einziger Bruder. Er ist in Luzern geboren und aufgewachsen, hat je ein Jahr auf den Philippinen und in Kanada gelebt und arbeitet seit zwei Jahren für eine Reederei in Hongkong.

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