Tierwelt im Fokus: Von Nessie zum Ungeheuer vom Lago Maggiore
Aktualisiert

Tierwelt im FokusVon Nessie zum Ungeheuer vom Lago Maggiore

Irgendwo tief im Sommerloch vegetieren sie und ernähren sich von sauren Gurken: Mysteriöse bis gefährliche Tiere, die jeweils auftauchen, wenn die Politik sich in die Ferien verabschiedet. So auch in diesem Jahr.

von
mlu

Der Pfeil einer Harpune machte seinem Treiben ein Ende: Sechs Touristen hatte es bis zu diesem Zeitpunkt schon gebissen, das «Ungeheuer vom Lago Maggiore» (20 Minuten Online berichtete). Dass es sich schlussendlich als gar nicht so grosser, doch nicht minder aggressiver Zander entpuppte, tat der Aufregung keinen Abbruch.

Und so wiederholte sich eine alte Geschichte: Gespannt verfolgt die Öffentlichkeit, wo sich ein gefürchtetes oder schon zum Kult-Maskottchen avanciertes Wesen wieder einmal gezeigt hat. Begonnen hat alles mit dem wohl bekanntesten aller Sommerloch-Tiere: «Nessie», das Ungeheuer von Loch Ness, das schon in den 30er-Jahren in Zeitungsberichten und seither immer wieder vor Touristen oder anderen Beobachtern auftauchte.

Freilich: Die Zahl der Monstersichtungen am Loch Ness soll sich zuletzt eher verringert haben: Im September 2007 berichtete die Zeitung «The Times», es habe in dem Jahr erst zwei Sichtungen des geheimnisvollen See-Ungetiers gegeben, im gesamten Vorjahr waren es ebenfalls nur drei. Doch mit den Jahren haben sich auch andere tierische Vertreter als schlagzeilenträchtig erwiesen.

«Problembär» Bruno erschossen

So beschäftigte im Sommer 2006 «Problembär» Bruno die Menschen - der erste freilebende Bär in Deutschland seit 170 Jahren. Bruno streunte wochenlang zwischen Bayern und Österreich herum, riss zahlreiche Schafe und Hasen, tauchte in bewohnten Gebieten auf und wurde Ende Juni schliesslich von einem Jäger in Bayern erschossen. Aus der Berichterstattung verschwand Bruno damit aber noch nicht: Auch die Trauer um den Bären und die Kritik an seinem Abschuss waren noch für eine Weile Thema.

Brunos Schweizer Pendant ist JJ3. Zwei Jahre später musste der Schweizer «Problembär» in der Region von Thusis im Kanton Graubünden abgeschossen werden. Tierfreunde in der Schweiz und im Ausland reagierten bestürzt. Die immer dreistere Suche nach Nahrung in Bündner Siedlungen ohne Scheu vor den Menschen war JJ3 zum Verhängnis geworden. Sogar Katzenteller leckte er aus. Pikant: JJ3 war der Bruder von Bruno, der eigentlich den Namen JJ1 trug.

Als weniger handfest erwies sich 2006 die Geschichte über einen im Deutschen Neckar gesichteten meterlangen Python: Ein Angler entdeckte das Tier mit der marmorierten Haut zwischen Neckarsteinach und Hirschhorn als erster, später fand sich noch eine weitere Zeugin. Dennoch gab die Polizei nach einigen Tagen die vergebliche Suche nach «Neckar-Nessie» auf, da man sich wenig Hoffnungen machte, die Schlange zu fangen.

Fast so sicher wie Sommergewitter ist auch das Auftauchen der Killerbienen im Sommerloch. Diese äusserst aggressiven Insekten treiben ihr Unwesen meist in Südamerika und attackieren vorzugsweise ältere Damen oder kleine Kinder. Wann und ob diese Insekten in Europa auftauchen, wird von Biologen jeweils leidenschaftlich diskutiert.

Ein «Killerwels», der Dackel verspeist?

Für grosse Unruhe sorgte im Sommer 2001 der Mönchengladbacher «Killerwels» Kuno, der sogar einen kleinen Dackel verspeist haben soll. Die Meinungen zum richtigen Umgang mit dem mysteriösen Fisch gingen stark auseinander: Angler wollten ihn fangen, Tierfreunde starteten Rettungsaktionen für Kuno. Der Wirbel um den schuppigen Unruhestifter schaffte es sogar bis in US-Zeitungen. Gefunden wurde er jedoch erst knapp zwei Jahre später - allerdings mit dem Bauch nach oben: Mitarbeiter der Stadt bargen damals einen mehr als 30 Kilogramm schweren toten Wels aus dem betreffenden Weiher, bei dem es sich um Kuno gehandelt haben soll.

Schneller fingen Taucher den berühmten Kaiman Sammy, der im Sommer 1994 an einem See im niederrheinischen Dormagen seinem Besitzer entwischte und schnell zum Kult-Krokodil avancierte. Sofort wurde ein Badeverbot verhängt. Über Wochen verfolgten die Leser gespannt die Suche nach dem flüchtigen Kaiman, der am 15. Juli schliesslich eingefangen werden konnte.

Weisse Haie vor Badestränden

Regelmässig wird auch von Weissen Haien berichtet, die die Badestrände am Mittelmeer unsicher machen. So zum Beispiel im Juli 2005, als vor der Insel Krk in Kroatien ein vier Meter langes Exemplar gemeldet wurde. Zwar gibt es im Mittelmeer eine aussterbende Population Weisser Haie, diese hält sich jedoch vorwiegend in tieferen Gewässern im unteren Mittelmeer auf.

Das Rheinkrokodil, das am 22. Juni 2001 bei Bingen in Deutschland gesichtet wurde, entzog sich seinen Verfolgern. Zwar gab es nach den Schilderungen einiger Augenzeugen ein vorsorgliches Badeverbot, doch die Existenz des Reptils konnte nie geklärt werden. Nur einmal glaubte die hessische Wasserschutzpolizei für wenige Momente, das mysteriöse Krokodil endlich dingfest gemacht zu haben - doch die zwei Meter lange Echse erwies sich als hölzernes Machwerk eines Scherzboldes. Das Krokodil war sorgfältig aus frischem Holz geschnitzt: komplett mit Kopf, Schwanz, Füssen und Schuppenmuster.

Sogar eine neue Lebensform soll in einem einem Kanalsystem im US-Bundesstaat North Carolina entdeckt worden sein. Man mutmasst allerdings, dass es sich bei der Aufnahme um eine Fälschung handeln könnte:

$$VIDEO$$ (mlu/dapd)

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